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Leserbrief

Zuger Denkmalschutz: Was genau sind das für Werte?

Zur Abstimmung über die Teilrevision des Denkmalschutzgesetzes am 24. November

Die Revision des Denkmalschutzgesetzes soll ein Gleichgewicht einer einvernehmlichen Unterschutzstellung mit den Eigentümerschaften wie auch einer fachlich unterstützten Beurteilung eines Denkmals bilden. Diese Voraussetzung kann das neue Gesetz leider nicht erfüllen. Wer beurteilt, welche Objekte die höheren denkmalpflegerischen Anforderungen zu erfüllen vermögen? Wer beurteilt gemäss neuem Gesetz, ob ein Objekt in die Beurteilung eines Denkmals von «sehr hohem Wert» oder «äusserst hohem Wert» gemäss neuer Formulierung sein soll, und wie sollen sich da die Unterschiede zeigen? Ob ein Objekt einen wissenschaftlichen, einen kulturellen und oder einen heimatkundlichen Wert haben soll, wird aufgrund von unterschiedlichen Beurteilungskriterien je nach Objekt, sei dies ein Gebäude, ein Gebäude-Ensemble oder eine städtebauliche Situation, sehr schwierig sein. Auch da stellt sich die Frage, wer beurteilt die zu prüfenden Objekte aufgrund von diesen Wert-Parametern und wer bestimmt, ob wie im neuen Gesetz gefordert, zwei dieser Voraussetzungen erfüllt sind?

Die Menschen einer Stadt oder eines Dorfes sind Teil einer Wertegemeinschaft, nicht nur in ökonomischer, sondern auch in kultureller Hinsicht. Fragt sich nur, was genau das für Werte sind. Bei den Werten in der Architektur können verschiedene Gedanken zum Tragen kommen, wenn wir beispielsweise an die Bauökonomie oder die Denkmalpflege denken. Die Zuschreibung von Werten, ob nun für Sachen oder Objekte, werden immer von Menschen vollzogen. Ob nun ein Objekt als Denkmal schützenswert sein soll, ist von einer hohen Empfindlichkeit und Sensibilität der zu Beurteilenden abhängig. Werden diese Beurteilungen breit abgestützt, wie durch einen erweiterten Arm einer Denkmalschutzkommission, ist auch der Bürger besser vertreten.

Für die Befürwortung des neuen Denkmalschutzgesetzes wird weiter argumentiert, dass es eine gewisse zeitliche Distanz brauche, um beurteilen zu können, ob ein Denkmal schützenswert sein soll. In der Beurteilung der Architektur und Baugeschichte braucht es keine zeitliche Distanz, es braucht eine vertiefte Auseinandersetzung zur Beurteilung der architektonischen Zeitgeschichte bis hin in unsere Neuzeit. Wertvolle städtebauliche Ideen wurden nicht nur früher umgesetzt, auch in jüngerer Zeit sind Objekte in unserem Kanton umgesetzt worden, welche bereits heute als Zeitzeugen gelten und denkmalpflegerisch beurteilt werden müssen. Es mag erstaunen, dass in der Broschüre zur Abstimmung 4 von 10 Objekten abgebildet sind, welche jünger als 70 Jahre sind. So das Wohn- und Geschäftshaus Seepark Zug 1955, die Bruder Klaus Kirche Oberwil 1956, das ehemalige Lehrerseminar Menzingen 1958 und das Lasalle Haus Edlibach 1968. Dies zeigt auf, dass eine fixe Altersgrenze eines Objektes von 70 Jahren keinen Sinn macht. Ausschlaggebend ist eine qualitative Beurteilung eines Objektes, unabhängig des Alters.

Die Befürworter des neuen Denkmalschutzgesetzes propagieren auf ihren Plakaten «Schützen, was schützenswert ist». Und eben gerade diese Werte werden im neuen Denkmalschutzgesetz sehr stark verwässert und erzielen dadurch keinen Beitrag an den Erhalt wertvoller Baukulturen. Mit einem Nein haben wir im Kanton Zug die Chance, eine Revision des Denkmalschutzgesetzes auszuarbeiten, welches ausgewogen sein soll, damit uns die Zeugen unserer Baugeschichte der älteren und jüngeren Zeit auch für unsere Nachkommen erhalten bleiben.

Beat Marty, Architekt, Cham


Ich bin 1955 in Zug geboren – im selben Jahrzehnt wie das Gebäude der Zuger KB am Postplatz und der Rundbau «Seepark» beim Rigiplatz in der Vorstadt entstanden sind. Diese Zeitzeugen stehen unter Denkmalschutz. Andere hervorragende Bauten von lokaler Bedeutung jedoch, die nach 1950 im Kanton Zug entstanden sind, werden zukünftig keinen Schutz mehr geniessen, wenn die Eigentümerschaft sich quer stellt. Das hat der Kantonsrat so beschlossen und damit eine rote Linie überschritten, die ohne Zweifel zu unnötigen Rechtsstreitigkeiten führen wird. Was noch viel schlimmer ist: Das bauliche Erbe meiner Generation und das unserer Kinder ist im Kanton Zug akut gefährdet, weil der Kantonsrat in seinem ideologischen Übereifer zu weit gegangen ist. Es geht nicht um den Zytturm und Stadtmauern aus grauer Vorzeit. Es geht um viel jüngere Zuger Bauten, die unsere Wahrnehmung von Zug prägen und die letztlich nichts anderes sind als gebaute Heimat. Der «Bären», der «Rötel», das «Schiff», der «Hecht» und die «Taube» stehen immer noch – Zuger Bauboom hin oder her. Denkmalschutz sei Dank. Die Hauptpost am Postplatz gibt es nicht mehr, das Gebäude hingegen blieb davon unbeeindruckt und schaut als stolzer Bau der Eidgenossenschaft weiterhin auf das kantonale Regierungsgebäude herab. Da weht der Geist der Geschichte. Denkmalschutz sei Dank.

Auch Bauten aus jüngster Zeit verdienen das Prädikat «besonders wertvoll». Der aktuelle Zuger Bautenführer liefert den Beweis. Zumindest dem Regierungsrat war klar: Das Geburtsjahr eines Gebäudes hat mit dessen Schutzwürdigkeit schlicht nichts zu tun. Was abgebrochen wird, verschwindet für immer. Wollen wir wirklich, dass der Zuger Bautenführer 2050 die letzten 100 Jahre Zuger Baugeschichte zur finsteren Neuzeit oder gar zum schwarzen Loch erklärt? Es liegt an uns. Mit einem klaren Nein gegen das missratene Denkmalschutzgesetz können wir das verhindern.

Dolfi Müller, alt Stadtpräsident, Zug


Nach dem Lesen der Unterlagen zur Abstimmung vom 24. November werde ich den Eindruck nicht los, dass es hier nicht um die blosse Anpassung eines Gesetzes geht. Wenn in Zukunft nur noch Bauten von äusserst hohem wissenschaftlichem, kulturellem oder heimatkundlichem Wert unter Schutz gestellt werden können, dann wäre es wohl ehrlicher gewesen, das Gesetz gleich aufzuheben. In unserem Kanton, in dem die Wirtschaft boomt, in welchem Reiche aus der halben Welt bereit sind, horrende Summen für bestehende Bauten zu bezahlen, braucht es ein Gesetz, dass zumindest einen kleinen Teil der vorhandenen Bauten schützt. Ansonsten verschwinden noch mehr Zeitzeugen wie damals das Hotel Hirschen in der Altstadt. Es sollen nicht wieder die gleichen Fehler gemacht werden wie in den 1960er-Jahren. Fehler, die dann mit viel Aufwand die nächsten Generationen nur noch zu einem sehr kleinen Teil wieder korrigieren können. Deshalb braucht es ein klares Nein zu diesem Gesetz. Ein Gesetz, welches wohl besser «Denkmalschutzverhinderungsgesetz» genannt würde.

Stefan Hodel, Mitglied GGR, Alternative - die Grünen, Oberwil

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