Leserbrief

Zuger Denkmalschutzgesetz: Ein neuer Anlauf gewünscht

Zur Abstimmung über die Teilrevision des Denkmalschutzgesetzes am 24. November

Drucken
Teilen

Der Kanton Zug kennt bereits seit Jahren einen schwächeren Denkmalschutz als der Rest der Schweiz. Nur 2,2 Prozent des Gebäudebestands im Kanton sind geschützt, in der gesamten Schweiz sind es hingegen 3,5 Prozent. Häuser müssen einen «sehr hohen» wissenschaftlichen, kulturellen oder heimatkundlichen Wert haben, um überhaupt als schutzwürdig eingestuft zu werden. Bei der aktuellen Revision kommt das Gleichgewicht der Interessen zwischen Hausbesitzerinnen und -besitzen und der Allgemeinheit aus dem Gleichgewicht. Die Interessen einer kleinen Minderheit, welche ihren Profit zu Lasten unserer Kultur optimieren wollen, bekommen Oberhand. Mit diesem neuen Gesetz müssten teilweise mit Beitragszahlungen von Kanton und Gemeinden umgebaute Gebäude sogar wieder aus dem Schutz entlassen werden. Ich stimme deshalb Nein zum Denkmalschutzgesetz am 24. November.

Luzian Franzini, Kantonsrat ALG, Zug


Obwohl im Kantonsrat dem geänderten Denkmalschutzgesetz mit rund 70 Prozent zugestimmt wurde, zeigt die sehr breit abgestützte Gegnerschaft (Fachverbände und Parteien), dass das zur Abstimmung vorliegende Gesetz massive Mängel aufweist. Nachstehend sind drei der wichtigsten unakzeptablen Festlegungen aufgeführt: So werden die Schutzwürdigkeitskriterien dermassen verschärft, dass kaum mehr ein Objekt unter Schutz gestellt werden könnte. Dann soll ein Mindestalter von Schutzobjekten eingeführt werden. Diese Bestimmung ist Willkür und hält übergeordnetem Recht nicht stand. Schliesslich soll die bewährte Denkmalschutzkommission abgeschafft werden. Damit werden demokratische Grundrechte mit Füssen getreten und es geht viel Fachwissen verloren. Aus all diesen Gründen lehne ich das vorliegende Gesetz ab. Mit einem neuen Anlauf, wobei alle festgestellten Mängel behoben werden und eine Referendums-Abstimmung nicht nötig sein wird, erhält der Kanton Zug endlich ein zeitgemässes Denkmalschutzgesetz.

Hermann Kiener, Cham


Denkmalschutzgesetz: «So muss man sich nur fragen, ob der Kulturwert der wenigen verbleibenden Originalsteine eine derartige Investition tatsächlich rechtfertigt. Wirkte man wirklich dem Traditionsprinzip so stark entgegen, wenn die ganze Burg total abgerissen und an ihrer Stelle ein neues Gebäude errichtet würde (wobei im Moment noch offengelassen sei, ob dieses neue Gebäude eine Kopie des alten oder etwas anderes wäre)? Der laienhafte, aber gesunde Menschenverstand lässt einen die Frage zweifellos verneinen. Auf die Dauer dürfte ein Abbruch/Neubau nämlich sicher zweckmässiger sein als eine Pseudorestauration, von der heute nur feststeht, dass sie teurer kommt, als man dem Kantonsrat weismachen will.» Dabei geht es um unsere Burg Zug und dies ist ein wortgetreues Zitat aus einem längeren Leserbrief im Zuger Tagblatt vom 5. März 1974. Der Verfasser ist Ulrich Bollmann, der ein vehementer Vertreter des neuen Denkmalschutzgesetzes und ein eifriger Leserbriefschreiber zu diesem Thema ist. Gott sei dank, hörte die Zuger Bevölkerung damals nicht auf solche nicht wenig geäusserten Meinungen. Eine, sich «acht katholische objektive Oberwiler» nennende und dadurch anonym bleibende Gruppe, setzte sich in einem Leserbrief am 26. September 1975 in den Zuger Nachrichten für den Abbruch der Kapelle St.Nikolaus in Oberwil/Zug ein: «Das Kirchlein ist völlig eingeengt und hat keinen Quadratmeter Grünfläche aufzuweisen. Südlich liegt der gewerbliche Garagenbetrieb, westlich die Kantonsstrasse, nördlich ein Haus, das dem Abbruch geweiht ist, östlich ein Grundstück mit Mietshäusern.» Gegen Schluss des Leserbriefes folgt dann: «Plädieren wir für einen schönen Dorfbrunnen inmitten von Grünem und bitten die zuständigen Herren ihr Geld sinnvoller auszugeben.» Schade kennen wir die «acht katholischen objektiven Oberwiler nicht».

Ob sich da wohl auch wieder heute noch aktive Leserbriefschreiber für ein Ja zum neuen Denkmalschutzgesetzt verstecken? Ein ebenfalls anonym bleibender Schreiber in derselben Zeitung prägte gar den Satz: «Mit diesem Geld könnte man wirklich gescheiteres anfangen, oder hat der Kirchenrat, der dem Vernehmen nach auch gegen die Restaurierung ist, vielleicht Angst vor dem (allmächtigen) kantonalen Denkmalpfleger.» Auch hier hat die Bevölkerung anders gehandelt. Die Kapelle steht noch und ebenso das dem «Abbruch geweihte» Haus nördlich davon.

Es sind dies über 40 Jahre alte Zitate, aber sie sprechen dieselbe Sprache, welche auch heute leider ganz alltäglich ist. Ein eindeutiges Nein zum neuen Denkmal­schutzgesetz.

Toni Hofmann, Zug