ZUGER FASNACHT: Der letzte Tanz hat noch nicht begonnen

Den Unkenrufen zum Trotz: Die Zuger Fasnacht wird überleben. Die Vereine haben trotzdem ihre Sorgen.

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An fasnachtswilligem Nachwuchs scheints jedenfalls nicht zu mangeln: Stene vom Steinhauser Umzug. (Bild Stefan Kaiser/Neue ZZ)

An fasnachtswilligem Nachwuchs scheints jedenfalls nicht zu mangeln: Stene vom Steinhauser Umzug. (Bild Stefan Kaiser/Neue ZZ)

«Die Fasnacht stirbt absolut nicht», ist Inge Staub von der Fasnachtsgesellschaft Faschall Allenwinden überzeugt. «Es war super. Wir hatten durch unser Jubiläum sogar etwas mehr Leute.» Seit der Konzeptänderung laufe auch der Faschall-Ball wieder besser. Für ältere Besucher werde draussen eine Holzhütte mit Ländlermusik eingerichtet, und in der Aula gebe es für jüngere Leute eine rockigere Band und einen DJ. Das einzige Problem sieht Staub beim Alkohol. «Wir stellen fest, dass die Altersgrenze sinkt, obwohl wir streng kontrollieren. Aber wir können nicht vermeiden, dass Besucher schon alkoholisiert kommen oder Alkohol hereinschmuggeln.» Für Reto Iten, Präsident der Guggenmusig Descampados Zug, leidet heutzutage die Strassen- und Beizenfasnacht. «Sie gibt es nicht mehr, die Fasnacht, wie man sie von früher kennt. «Die Ballräume sind zwar dekoriert, aber nur zwei Drittel der Fasnächtler erscheinen kostümiert. Die Musik ist meist Mainstream und nicht speziell fasnächtlich. Die Jugend wünscht halt eher eine lässige Party.»

Nachwuchs gibts
«Die Fasnacht stirbt in Baar sicher nicht. Dafür werden wir besorgt sein. Für uns stimmts. Und heuer hatten wir über 100 kleine Gäuggel», sagt Walter Lipp, Vorstandsmitglied der Fasnachtsgesellschaft Baar. Er ist überzeugt, dass die Zahl der Bälle in den letzten Jahren in etwa gleich geblieben ist. Marcel Feuchter, Präsident der Fasnachtsgesellschaft Baar, ist jedoch aufgefallen, dass der Fasnachtsmontag und -dienstag nicht mehr den gleichen Stellenwert wie vor 15 bis 20 Jahren haben. «Damals hatte die ganze Gemeinde frei. Heute nur noch für die Gemeindebehörde.»

Besorgt ist ein Fasnächtler, dessen Gruppe eine der Schränzegg-Beizen betrieben hat. Es gebe immer weniger Bälle, Beizen und Besucher. Das Höllloch existiere nicht mehr, und die Schopfbeiz habe den Betrieb reduziert.

«Steinhausen will sich in Bezug auf die Fasnacht nicht mit Baar vergleichen», betont Roger Keller von der Fasnachtsgesellschaft. Er hat die ganze Fasnacht 2008 als «sensationell» erlebt. Dass man diesmal mit einer Stiftung als Patronatsträger einen anderen Weg gegangen sei, habe sehr positive Reaktionen ausgelöst. Den Wandel erlebt Keller in Steinhausen im Sterben der traditionellen Bälle. Denn: «Es fehlen Helfer und Organisatoren.» Über die Politesse, die am Allenwindner Umzug die Automobilisten gebüsst hat, regt er sich auf: «Die Politik legt uns durch neue Auflagen immer mehr Steine in den Weg.» Als erfreulich wertet er, dass die Gemeinde voll hinter der Fasnacht stehe.

Sanfte Veränderungen
Der Oberägerer Legorenvater Armin Schönmann will von Untergangsstimmung nichts wissen. Im Gegenteil: «Am Güdelziischtig stimmte alles, auch wenn wegen der Sportferien weniger Leute gekommen sind.» Verändert hat trotzdem einiges: «Seit rund acht Jahren braucht es einen Sicherheitsdienst. Und die traditionellen Vereinsbälle gibt es nicht mehr. Dafür ist der Gruftiball dazugekommen, er ist nicht mehr wegzudenken. Heute kommen auch weniger Kinder an die Usrüerete, weil eine Orange nicht mehr den gleichen Stellenwert hat wie früher. Doch dies alles ist nicht bedenklich.»

Probleme kommen 2009
Auch Jascha Hager, Präsident der Zuger Chesslete, hat auch keinen Grund zum Schwarzsehen. Er wünscht sich höchstens mehr Fasnächtler, die sich aktiv beteiligen.

Sorgen bereitet ihm einzig, dass ab dem nächsten Jahr die Vereine die Kosten für die Sicherheit und den Verkehrsdienst übernehmen müssen. Hager: «Wir werden das Gespräch mit der Stadt suchen müssen, es geht um Mehrkosten von rund 4000 Franken. Der bisherige Beitrag der Stadt reicht, um die Rechnung des Werkhofes zu begleichen.» Und die Faschall-Frau Inge Staub sagt: «Wir wissen noch nicht, ob wir die Kosten tragen können, denn viel Gewinn machen wir nicht.»

Monika Wegmann