Zuger FDP-Ständerat plädiert für die gemeinsame Pflege des Kulturerbes

Die kulturellen Wurzeln und Traditionen sollen gefördert werden. Das beantragt die Motion der ständerätlichen Bildungs- und Kulturkommission, welcher auch der Zuger Matthias Michel angehört.

Vanessa Varisco
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Blick ins Zuger Depot für Technikgeschichte.

Blick ins Zuger Depot für Technikgeschichte.

Bild: Matthias Jurt (Neuheim, 3. September 2020)

Kräfte bündeln und das schweizerische Kulturerbe gemeinsam pflegen. So lautet der Auftrag, welche die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Ständerats mittels einer Motion dem Bundesrat kürzlich vorgelegt hat. Zu dieser Kommission gehört auch der Zuger FDP-Ständerat Matthias Michel, der diese Idee eingebracht hat. «Den Einfall dafür hatte ich im Gespräch mit den kantonalen Kulturdirektoren und -beauftragten», erläutert Michel. Daraus ging hervor: Zum Kulturerbe gehören mehr als Konzerte oder die Ausstellung in einer Galerie. Auch mündliche Überlieferungen, gemeinsame Geschichte und bauliche Errungenschaften sind der Pflege wert, da «sie eine Gesellschaft und deren Kultur bis heute beschäftigen.»

Gutes Beispiel in Neuheim

«Deutlich spürbar war das beispielsweise in der Ausstellung im Museum Burg Zug: Ernstfall! Die Schweiz im Kalten Krieg», führt Michel aus und ergänzt: «Die Ausstellung lockte nicht nur viele Besucher an, sondern bot gleichzeitig Gesprächsstoff, bewegte die Besucher – weil sie Teil der Kultur ist.» Da Zeitzeugen altersbedingt inzwischen oft fehlen würden und die Thematik gesellschaftlich dennoch aktuell ist, soll diese gemeinsam gefördert und in Erinnerung gehalten werden. «Beispielhaft für diese gemeinsame Förderung im Kanton ist das Zuger Depot Technikgeschichte in Neuheim», streicht der Zuger Ständerat hervor. Ausgestellt werden dort Fahrzeuge aus vergangener Zeit und Objekte der Militärgeschichte. Es ist allerdings weder nur Museum noch ausschliesslich Ausstellungsraum, nein. So soll die Geschichte insofern ein Stück weit lebendig gehalten werden, indem sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und die Ausstellungsobjekte beschränkt weiterverwendet werden.

Hinter dem Depot stehen mehrere Zuger Vereine, eine Stiftung und eine Gesellschaft, die sich zusammengeschlossen und den Trägerverein gegründet haben. «Dieses Depot ist anschaulich dafür, wie eine gemeinschaftliche Pflege aussehen könnte», findet Michel, der sich selber als kulturaffin beschreibt. Weshalb ist denn eine gemeinsame Pflege wichtig? «Statt jeden Kultursektor einzeln zu betrachten, rechtfertigt sich eine gesamtheitliche Behandlung des Kulturerbes», meint Michel: «Angesichts von Entwicklungen wie der Internationalisierung, der Immigration oder Digitalisierung bedürfen Individuen und die Gesellschaft einer verstärkten Orientierung an kulturellen und geschichtlichen Werten und Traditionen.

Möglichst viele Interessen berücksichtigen

(vv) Die Herbstsession 2020 ist kulturlastig. Denn neben der Kulturbotschaft haben sich National- und Ständerat auch intensiv mit den Covid-19-Gesetzen befasst, in welchem die Kulturschaffenden berücksichtigt sind – denn wie andere betrifft die Coronakrise ebenfalls die Kulturbranche. Zur Unterstützung der Kulturunternehmen kann das Bundesamt für Kultur (BAK) mit einem oder mehreren Kantonen Leistungsvereinbarungen in der Höhe von insgesamt höchstens 100 Millionen Franken abschliessen. Die Beiträge werden den Kulturunternehmen auf Gesuch als Ausfallentschädigungen und für Transformationsprojekte ausgerichtet, heisst es im Abschnitt zu den Massnahmen zum Kulturbereich. «Knackpunkt hier war, möglichst Trittbrettfahrer zu vermeiden», erklärt Ständerat Matthias Michel.

So sollte etwa niemand profitieren – und das gilt nicht nur für die Kultur, – dessen Unternehmen vor der Pandemie schon kurz vor dem Aus stand. Mit dem Gesetz unterstützt der Bund aber auch die Kulturschaffenden, die ihren Lebensbedarf aufgrund der Krise nicht mehr decken können. Hier vergibt der Bund auf Gesuch via Suisseculture Sociale Nothilfebeiträge. Die Vernehmlassung dauerte lediglich drei Wochen, was es laut Michel nicht einfach machte, alle Bedürfnisse einzufangen.

Kulturschaffende machen sich bemerkbar

«Allerdings war es so, dass sich die Betroffenen direkt bemerkbar machten», gibt er Auskunft. Zum einen, indem Kunstschaffende auf ihn zugekommen seien, und zum anderen, indem beispielsweise auf dem Bundesplatz darauf aufmerksam gemacht wurde. Die Schausteller etwa, an die oft nur rund um die Chilbizeit gedacht wurde, mieteten den Platz und machten sich so bemerkbar.

Wichtig war, sich eng auszutauschen. Er habe dies mit Aldo Caviezel, Leiter des Amts für Kultur des Kantons Zug und Präsident der Konferenz der kantonalen Kulturbeauftragten, und mit der Zugerin Nicole Pfister Fetz, Präsidentin von Suisseculture Sociale, getan. «Dadurch dass wir alle Zuger sind, war dieser Austausch schnell und direkt», beschreibt es Ständerat Michel.

Er zeigt sich überzeugt, dass trotz Zeitdruck eine gute Lösung gefunden wurde, damit möglichst niemand zwischen Stuhl und Bank fällt.

Bearbeitet wird die Motion im Winter, eingeflochten werden dürfte sie dann erst in der nächsten Kulturbotschaft ab 2025.

Die aktuelle Botschaft war denn auch Ursprung von Diskussionen über das Erbe. «In der Kulturbotschaft werden verschiedenste Bereiche der Kultur und deren Finanzierung bearbeitet. Die Pflege des Erbes kommt dabei allerdings zu kurz», so Michel, zuversichtlich, dass die Motion einiges bewirken könnte. «Der Bund müsste konzeptionell Einfluss nehmen», meint er, erwähnt aber gleichzeitig, dass die Verantwortung auch bei Kantonen und Gemeinden liege. Immerhin kommen fast 90 Prozent der öffentlichen Gelder für die Kultur aus deren Tasche.