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Zuger Frauen rufen zum Streik auf

Nicht nur national, sondern auch in Zug finden am kommenden Freitag Aktionen zum Frauenstreiktag statt. Im Kanton Zug werde die Gleichstellung teilweise hart beschnitten, findet die Initiantin des Zuger Streikkomitees Virginia Köpfli.
Laura Sibold
Das Zuger Frauenstreikkomitee traf sich bereits mehrmals in der Stadt Zug – wie hier auf dem Bundesplatz – um auf den Streiktag aufmerksam zu machen. Auf dem Bild zu sehen sind Sofia Zouhir (links) und Virginia Köpfli vom Zuger Streikkomitee (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 8. März 2019)

Das Zuger Frauenstreikkomitee traf sich bereits mehrmals in der Stadt Zug – wie hier auf dem Bundesplatz – um auf den Streiktag aufmerksam zu machen. Auf dem Bild zu sehen sind Sofia Zouhir (links) und Virginia Köpfli vom Zuger Streikkomitee (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 8. März 2019)

In der ganzen Schweiz gehen am Freitag, 14. Juni, Frauen auf die Strasse, um für Gleichstellung, Respekt und Selbstbestimmung zu streiken. So auch im Kanton Zug, wo Aktionen anlässlich des Frauen*Streiks stattfinden. Die Hünenbergerin Virginia Köpfli ist die Initiantin des Zuger Streikkomitees und koordiniert durch ihre Arbeit als Kampagnen-Angestellte bei der Unia auch nationale Frauenstreik-Aktionen. Nach der Bedeutung des Sternchens im Namen gefragt, betont Köpfli, dass an jenem Tag für alle Personen gestreikt werde, die sich als Frauen identifizieren, so etwa auch für Transpersonen.

«Seit 28 Jahren haben wir ein Gleichstellungsgesetz in der Schweizer Bundesverfassung. Doch umgesetzt worden ist es nie wirklich. Lohnunterschiede, Gewalt gegen Frauen und Sexismus – all dies gehört heute noch immer zum Alltag vieler Frauen», bedauert Virginia Köpfli.

15.24 Uhr: Protestmoment für Lohngleichheit

Der Kanton Zug hinke bezüglich Gleichstellung deutlich den anderen Kantonen hinterher, betont die Hünenberger Feministin und zählt auf, wo ihrer Meinung nach der Schuh besonders drückt: «Es fehlt eine Zuger Frauenvertretung im Nationalrat sowie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zudem ist Zug der einzige Kanton, der über kein Gleichstellungsbüro mehr verfügt.» Die Weiterführung der 1998 bis 2010 eingeführten Kommission für Gleichstellung wurde im Herbst 2010 vom Kantonsrat knapp abgelehnt.

Aus diesen und weiteren Gründen ruft das Zuger Frauenstreikkomitee auch im Kanton Zug zum Streik auf. Bereits seit März macht das Komitee mit Aktionen wie Flashmobs, Reden, Kreidezeichnungen vor dem Bahnhof, einem Transparent am Zytturm sowie dem Umbenennen von Zuger Strassen in berühmte Frauennamen auf sich aufmerksam. Am Streiktag vom 14. Juni übergeben die Zuger Frauen schliesslich um 15.24 Uhr ihre Forderungen an die Regierung. Da Frauen im Durchschnitt noch immer 20 Prozent weniger verdienen als Männer, ist dies bei einem 8-Stunden-Tag (8 bis 17 Uhr) die Zeit, zu welcher der Lohn einer Frau im Vergleich zum Lohn des Mannes «aufgebraucht» ist. Oder, wie Virginia Köpfli sagt, ein «Protestmoment für Lohngleichheit». Die Forderungen der Zuger Frauen stützen sich mehrheitlich auf den schriftlichen Aufruf des nationalen Frauenstreiks. So kämpfe man unter anderem für gleichen Lohn bei gleicher Arbeit, für eine Aufwertung der «Frauenberufe» und deren angemessene Entlöhnung sowie für die Anerkennung von Haus- und Pflegearbeit, heisst es im Aufruf. Um 18 Uhr ist ein öffentlicher Demonstrationszug entlang des Zugersees geplant, der schliesslich in ein grosses Fest münden soll .

Aktionen im Kanton Zug

(ls) Im Kanton Zug finden am nationalen Frauenstreiktag vom 14. Juni verschiedene Kundgebungen statt. Vieles läuft spontan und wird noch nicht kommuniziert, zwei Streikaktionen sind jedoch bereits öffentlich ausgeschrieben:

Frauenstreik Stadt Zug: Um 15 Uhr Besammlung vor dem Regierungsgebäude, dann um 15.24 Uhr Übergabe der Forderungen an die Regierung. Um 17.30 Uhr Besammlung beim Alpenquai, um 18 Uhr Demonstrationszug dem See entlang bis zum Landsgemeindeplatz. Ab 18.30 Uhr Fest auf dem Landsgemeindeplatz mit Speis und Trank, Poetry Slam, Musik.

Katholische Kirchgemeinde Steinhausen:«Kraftvoll – Frauen Steinhausen», von 7 bis 9 Uhr sind alle Steinhauer Frauen zum Zmorge eingeladen. Von 9 bis 11 Uhr läuft der Film «Die göttliche Ordnung», um 11 Uhr läuten die Glocken für eine offene Kirche mit den Frauen.

Darüber hinaus sind im ganzen Kanton in Betrieben oder Vereinen Streik- oder Frauenaktionen geplant. An einigen Kirchen hängen am 14. Juni Transparente oder die Kirchenglocken läuten symbolisch für die Frauen. «Viele Pläne sind zurzeit noch in der Schwebe, da sie auf Privatinitiative zu Stande kommen», weiss Virginia Köpfli.

Einen Schritt weiter gehen als 1991

Die 24-Jährige organisierte bereits den Frauenmarsch in Zürich im März 2017, an welchem rund 17000 Personen teilgenommen haben, sowie den Marsch gegen Lohnungleichheit im September 2018 mit rund 20000 Teilnehmern. Für die diversen Frauenstreik-Aktionen in der ganzen Schweiz erhofft sich Köpfli einiges. Es gehe jedoch nicht darum, eine gewisse Teilnehmerzahl zu erreichen. «Die Anliegen vieler Frauen sind im Alltag zu wenig sichtbar. Mit den vielen grossen Streiks wollen wir auf uns und unsere Forderungen aufmerksam machen», so die Hünenbergerin, die mit 16 Jahren die Juso Zug gegründet hat und mittlerweile die SP Hünenberg präsidiert.

1991 ging eine halbe Million Frauen in der Schweiz auf die Strasse, der damalige Frauenstreik war der grösste Mobilisierungserfolg in der Schweizer Geschichte. Die Forderungen von damals sind in weiten Teilen deckungsgleich mit jenen von heute. Darauf angesprochen nennt Virginia Köpfli das erwirkte Gleichstellungsgesetz als Etappensieg. Das Gesetz sei aber erst der Anfang. «Nun geht es endlich um die Umsetzung und um konkretere Forderungen. Auch Lohnungleichheit und Sexismus sorgen heute für einen lauteren Aufschrei als früher – und das ist richtig so», bekräftigt die 24-Jährige. Sie hofft auf rege Beteiligung am 14. Juni und auf viel Aufmerksamkeit für das Thema.

Hinweis: Weitere Infos zum Frauenstreik auf www.frauenstreik2019.ch.

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