Zuger Gastronomen erfinden sich neu: Ein Innovativer Umgang mit der Krise

Es herrscht Ausnahmezustand in der Wirtschaft. Die Zuger Regierung arbeitet an Massnahmen.

Andrea Muff
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Die Lage der Wirtschaft ist ernst – auch im Kanton Zug.

Die Lage der Wirtschaft ist ernst – auch im Kanton Zug.

Bild: Christian H. Hildebrand (Zug, 11. März 2020)

Den Kleinbetrieben und Selbständigerwerbenden geht die momentane Situation an die Existenz: Seit Dienstag müssen alle Restaurants, Geschäfte ohne Lebensmittelverkauf und jene, die den Abstand von zwei Metern zu Kunden nicht einhalten können, ihre Türen geschlossen halten. Dies, weil der Bundesrat am Montag die «ausserordentliche Lage» erklärte. Die Massnahmen sollen zur Verlangsamung der Ausbreitung des Corona-Virus beitragen.

Reichhaltige Mittagessen

Um den Umsatzausfall möglichst klein zu halten, versuchen sich etwa Gastronomiebetriebe, mit Take-away-Angeboten über Wasser zu halten. «Wir versuchen damit wenigstens die Fixkosten zu decken», erklärt Erich Werder vom Restaurant Rosengarten in Holzhäusern. Er hat sich mit Daniel Mätzener vom Restaurant Zur Linde in Rotkreuz zusammen getan. Die beiden verkaufen nun in einem Foodtruck an der Chamerstrasse 32 in Holzhäusern reichhaltige Mittagessen. «Wir sind leidenschaftliche Köche und wollen daher mehr als Frittiertes sowie Wurst und Brot anbieten», sagt Werder.

Er und Mätzener haben, wie viele andere Gastronomen, für ihr Personal Kurzarbeit beantragt. Das soll den Angestellten 80 Prozent ihres Lohnes garantieren. Gestern kommunizierte der Bundesrat, dass neu auch Kurzarbeit für Lehrlinge beantragt werden könne. Auch soll es für die Inhaber eine Lösung geben, hiess es weiter. Die Massnahmen sollen schnell kommen. «Sobald unsere liquiden Mittel aufgebraucht sind, wird es prekär», sagt Mätzener weiter. Wie gross schlussendlich der Schaden sein wird, können die beiden Gastronomen noch nicht beziffern. Erich Werder sagt: «Eine allfällige Hilfe von Bund, Kanton und Gemeinde muss schnell kommen und möglichst unbürokratisch sein. Die Reserven halten nicht lange.»

Kanton erarbeitet derzeit Massnahmen

Das ist auch dem Kanton Zug bewusst. Der Regierungsrat prüfe deshalb schnelle Massnahmen zur Stützung der Betroffenen, teilte die Finanzdirektion diese Woche mit. So hat die Exekutive etwa beschlossen, ab sofort die erhaltenen Rechnungen umgehend zu bezahlen und die Zahlungsfristen nicht auszureizen. Weiter seien die Verwaltungseinheiten angehalten, «auf Anfragen von Kunden mit Corona-bedingten Zahlungsschwierigkeiten kulant zu reagieren und im vertretbaren Ausmass grosszügige Zahlungsfristen oder Teilzahlungsvereinbarungen anzubieten», heisst es in der entsprechenden Mitteilung. Am kommenden Dienstag will die Regierung über weitere Massnahmen informieren. Diese werden derzeit erarbeitet, versichert Finanzdirektor Heinz Tännler. Genaueres könne er noch nicht sagen, nur so viel: «Insbesondere die Sicherstellung der Liquidität steht im Fokus.» Er fügt hinzu: «Die Lage ist ernst.» Deshalb sei der Regierungsrat gewillt, substanzielle Mittel für die Nothilfe aufzuwenden. An Ideen, wie der Wirtschaft geholfen werden könnte, mangelt es gemäss Tännler nicht.

«Die Herausforderung liegt somit nicht im Mangel an Ideen, sondern darin, mit den vorhandenen Ressourcen, die nicht auf eine Krise ausgelegt sind, schnell und zielgerichtet zu helfen.»

Denn inzwischen sind einige Gesuche für Kurzarbeit beim Amt für Wirtschaft und Arbeit eingegangen. Diese Woche nahm die Zahl exponentiell zu: Von Montag bis Donnerstag waren es insgesamt 984 Gesuche; in der Woche zuvor lediglich 50. Und auch politisch tut sich einiges: Die Alternative – die Grünen, die FDP und einzelne Parlamentarier haben Vorstösse eingereicht. Die CVP Kanton Zug hat indes entschieden, auf Vorstösse zu verzichten, um die Regierung und Verwaltung nicht noch unnötig zusätzlich zu belasten, schreibt die Kantonalpartei.

Da nicht absehbar ist, wie lange die momentane Situation andauert, haben die beiden Rotkreuzer Gastronomen eine neue Idee in ihr Sortiment aufgenommen: das Notfall-Paket. «Wir haben zusammen mit lokalen Gewerblern ein Paket zusammen gestellt.» Als kleiner Gag befinde sich sogar eine Rolle WC-Papier darin. «Auch in diesen Zeiten soll es Platz für einen kleinen Witz haben», sagt Werder.