Zuger geht Betrügern auf den Leim und wird als Geldwäscher bestraft

Ein 62-jähriger Zuger hat sich vom Versprechen auf schnelles Geld blenden lassen. Er kommt einigermassen glimpflich davon.

Harry Ziegler
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Man müsste meinen, dass die Tricks der Internetbetrüger bekannt seien und niemand mehr darauf hereinfällt. Weit gefehlt. Ein heute 62-jähriger Schweizer hat sein Bankkonto solchen Betrügern zur Verfügung gestellt und darauf eingehendes Geld nach Nigeria weitergeleitet. Damit hat er gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug den Tatbestand der mehrfachen Geldwäsche erfüllt. Die weitergeleiteten Beträge waren nicht riesig, der 62-jährige Zuger wurde dafür mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 90 Franken sowie einer Busse von 1350 Franken belegt. Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben, die Busse hingegen wird fällig.

Auf dem Konto des Schweizers waren 2017 insgesamt knapp 5000 Euro eingegangen, von denen er nach Abzug seiner Provision rund 4700 Euro auf ein Konto bei einer nigerianischen Bank überwies.

Mann erhielt Gelder ohne ersichtliche Gründe

Die Zuger Staatsanwaltschaft glaubt dem 62-jährigen Schweizer nur bedingt. Der Mann sagte aus,2015eine E-Mail erhalten zu haben, worin er wegen eines Zusatzverdienstes angefragt wurde. Er tue nichts Illegales, er müsse nur Geld weiterleiten, das auf seinem Konto eingehe. Das Geld sei für Schulprojekte in Nigeria vorgesehen. Der Mann tat das und wurde damit als sogenanntes «Money­-Mule – Geldmaultier» tätig. Money-Mules sind Personen, die als Finanzagenten aus krimineller Tätigkeit erworbenes Geld transferieren sollen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Zuger vor, mindestens in Kauf genommen zu haben, dass die Beträge, die auf seinem Konto eingingen, aus einem Verbrechen stammen könnten. Er erhielt diese Gelder ohne ersichtliche Gründe, von ihm unbekannten Personen und transferierte die Beträge ohne weitere Abklärung an ausländische Banken. Es sei logisch nicht erklärbar, weshalb diese Transaktionen über das Konto des 62-Jährigen laufen mussten. Der nun Bestrafte hätte das ebenfalls als sinnwidrig erkennen müssen. Er habe aber durch die Annahme und das Weiterleiten der Gelder den Tatbestand der Geldwäscherei erfüllt.

Geldwäscherei bezweckt das Einspeisen illegal erlangter Vermögenswerte in den legalen Finanzkreislauf. Damit soll die Herkunft illegaler Gelder, vielfach aus dem organisierten Verbrechen oder der Terrorismusfinanzierung stammend, verschleiert werden.

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