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Zuger Gericht kennt keine Gnade mit den «Schlangenstübli-Räubern»

Sie wollten es als ausser Kontrolle geratenen Drogenkauf darstellen, doch das glaubt ihnen auch das Obergericht nicht. Die beiden mehrfach vorbestraften Männer, die im Juli 2015 das Schlangenstübli in Hagendorn überfallen haben, müssen mehrere Jahre ins Gefängnis.
Christopher Gilb
Das Schlangenstübli in Hagendorn. (Bild: Werner Schelbert, 17. Juni 2015)

Das Schlangenstübli in Hagendorn. (Bild: Werner Schelbert, 17. Juni 2015)

Es war ein Abend im Juli 2015, als es beim Hobbykiffer und Schlangenfreund in Hagendorn an der Türe klingelte. Vier Schläge, zwei davon gegen sein Gesicht. Dann sei die Forderung gestellt worden: «Gib üs Gäld, Hasch und Kokain.» Er war da bereits schwer zugerichtet, aber wehrte sich. Drei Schüsse gab er aus seiner Schrotflinte ab und schlug die Räuber in die Flucht. Doch einer der Schüsse war zu viel. Da bereits keine Not mehr bestanden habe. Wegen eines Notwehrexzesses verurteilte das Zuger Strafgericht den 60-Jährigen im Februar 2018 dafür zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

Verurteilt wurden auch die beiden mutmasslichen Räuber – ein heute 33-jähriger Russe und ein 32-jähriger Kosovare, beide aus dem Kanton Luzern – unter anderem wegen versuchten Raubs und mehrfacher Widerhandlung gegen das Bestäubungsmittelgesetz. Der Erstere, jener, der mutmasslich zugeschlagen hatte, zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sieben Monaten und der Letztere zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Im Gegensatz zum Schlangenfreund akzeptierten sie das Urteil aber nicht.

Ein Säckchen Gras mitgenommen

So trugen die bereits mehrfach vorbestraften Männer auch dem Obergericht bei der Verhandlung im Oktober 2018 wieder ihre Geschichte vor, die in etwa lautet: Eigentlich wollten sie nur besonders gutes Hasch kaufen, weshalb sie den Weg von Ebikon nach Hagendorn auf sich nahmen. Der Russe klingelte dann, der Kosovare wartete im Auto. Der Schlangenfreund habe geöffnet, den Russen dann aber grundlos aufs Übelste beleidigt, wodurch bei diesem die Sicherungen durchgebrannt seien. Dann habe er zugeschlagen. Wegen des Tumults sei dann sein Kollege dazugekommen. Grundlos habe der Schlangenfreund dann auf sie geschossen. Eine spannende Wende gab es bei der Obergerichtsverhandlung aber bereits: Eine Nachbarin hatte in der Strafgerichtsverhandlung ausgesagt gesehen zu haben, wie ein Mann nach dem Überfall einen Sack wegwarf. Dieser wurde später am Ufer der Lorze gefunden, er beinhaltete rund 30 Gramm Cannabis. Der Kosovare gestand nun plötzlich, dieses Gras mitgehen gelassen zu haben, jedoch spontan.

Im nun eröffneten Urteil zeigt das Obergericht aber keine Zweifel an den Absichten der beiden. Da ist das Verletzungsbild des Opfers: «Das deutlich besser zu einem Überfall passt, als zur detailarmen Sachverhaltsschilderung des 33-Jährigen», so das Gericht. Des Weiteren wird die Tatsache erwähnt, dass ja Marihuana mitgenommen wurde, und zwar ohne Bezahlung. Und dann findet auch das Obergericht analog zum Strafgericht, dass, nur um etwas Marihuana zu kaufen, der Aufwand, von Ebikon nach Hagendorn zu fahren, ein etwas gar grosser gewesen sei.

Während das Obergericht beim 33-Jährigen Russen das Urteil der Vorinstanz bestätigt, fällt das Strafmass beim 32-jährigen Kosovaren leicht kleiner aus. Statt zu drei Jahren, wird er zu zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. Die Reduktion ergibt sich aus seinem Teilgeständnis, hat aber auch Berechnungsgründe, denn er sitzt bereits wegen Raubs in der Strafanstalt Bostadel ein. Wie von seiner Anwältin zu vernehmen ist, akzeptiert er das Urteil. Der Anwalt seines 33-Jährigen Kumpanen teilt jedoch mit, dass dieser noch nicht über einen Weiterzug entschieden habe, somit ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

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