Zuger Gerichtsfall: Eine Beleidigung mündet in einer wüsten Schlägerei

Das Strafobergericht verschärft die Strafen von drei Männern, welche am Zuger Seeufer zwei Partygänger übel verprügelt haben.

Marco Morosoli
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Die Meldung der Zuger Polizei vom 17. April 2017 kam nüchtern daher: «Gemäss den bisherigen Ermittlungen befanden sich zwei Männer auf dem Heimweg, als sie im Bereich des Zuger Alpenquais auf eine dreiköpfige Gruppe gleichen Geschlechts trafen. Dabei kam es zu gegenseitigen Provokationen, die schliesslich zu einer Prügelei führten.» Wer das Urteil in dieser Sache durchliest, welches das Strafobergericht kürzlich versandt hat, bekommt den Eindruck, als sei dort innerhalb kürzester Zeit so ziemlich alles aus dem Ruder gelaufen.

Die Staatsanwaltschaft führte in ihrer Anklage aus, dass Benj T.* einen der nach Hause Laufenden angesprochen habe. Statt standardisierten Nettigkeiten auszutauschen, hielt Benj T.* seinem Gegenüber vor, «dass er seine Mutter beleidigt habe». Ein Vorwurf, welcher in gewissen Kreisen in Südosteuropa ungestraft nicht geäussert werden darf. Das Feuer war gelegt.

Worte tauschten die beiden Parteien nicht mehr aus. Jetzt sprachen die Füsse und die Fäuste. Benj T.*, und seine Mitstreiter Nadar X.* und Urbano S.* auf der einen Seite und die Partygänger auf der anderen Seite. Ein ungleicher Kampf. Dies geht aus den dem Urteil beigegebenen Untersuchungsakten hervor. Das Strafgericht hatte das Duell zu später Stunde mit letztlich fatalen Folgen für die zahlmässig unterlegene Partei in sieben Phasen unterteilt. Diese wiederum liefen in einem Zeitraum von nur gerade fünfzehn Minuten ab. Einer der beiden Angegriffenen hatte auch noch ein Messer in der Hand, aber dies spielte im Strafverfahren keine entscheidende Rolle mehr. Die beiden Nachtschwärmer waren mächtig unter die Räder gekommen und mussten mit erheblichen Verletzungen in Spitalpflege.

Die rettende Stimme aus der Dunkelheit

Ihr Leiden wohl verkürzt hat ihr bis dahin unsichtbar gebliebener Kollege, der rief: «Die Polizei kommt.» Die Südosteuropäer glaubten der bis dahin unbekannten Stimme und verschwanden in Richtung Bahnhof Zug. Zwei Schläger konnten kurze Zeit später verhaftet werden. Auch den Dritten im Bunde konnten Ordnungshüter später noch der Staatsanwaltschaft zuführen.

Interessant in diesem Fall ist der Umstand, dass das Strafgericht die beiden Partygänger vom Vorwurf des Raufhandels freisprach. Oftmals kommen bei solchen Prügeleien beide Parteien an die Kasse. Selbst wenn ihr Beitrag zum Raufhandel ein minderer ist. Es sei hier nur an den Fall einer Schlägerei am 22. Januar 2013 beim Verkaufslokal Aperto im Bahnhof Zug erinnert. Einer der Beschuldigten beteuerte vor dem Gericht, dass er sich nur gewehrt habe. Seine Einwendung drang nicht auf offene Ohren im Gerichtssaal. Zum besagten Straftatbestand des Raufhandels hält das Bundesgericht fest: «Nach ständiger Rechtssprechung wird ein Streit zwischen zwei Personen zum Raufhandel, wenn ein Dritter tätlich eingreift.»

Das Strafgericht taxierte den Tatbeitrag der Drei als eine versuchte schwere Körperverletzung. Darin folgte das Obergericht der unteren Instanz. Beim Strafmass drehten die Oberrichter jedoch noch etwas. Der Haupttäter Benj T.* – er hat noch einen jüngeren Mann mehrere Male erpresst – erhielt wegen versuchter schwerer Körperverletzung eine Strafe von 47 Monaten Gefängnis. Diese Strafe ist mit einer Landesverweisung von acht Jahren verbunden. Das Gericht schreibt, dass Benj T.* in der Schweiz «unterdurchschnittlich integriert ist». Auch Nadar X.* erhält elf Monate und Urbano S.* 33 Monate Gefängnis. Der Letztere muss davon zwölf Monate absitzen. Das Strafobergericht hat die Strafen aller drei Schläger geschärft. Zudem ist Urbano S.* knapp an einer Landesverweisung vorbeigeschrammt. Die Drei müssen auch noch für alle anfallenden Kosten aufkommen, wenn sie zu Vermögen kommen.

* Namen der Redaktion bekannt.