Zuger Hausärzte appellieren, auf Arztzeugnisse zu verzichten

Die Verbreitung des Corona-Virus kann gemäss dem Kantonsarzt nicht mehr verhindert werden.

Zoe Gwerder
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Verhaltensempfehlungen des Bundes im Umgang mit dem Corona-Virus hängen an der Türe einer Apotheke.

Verhaltensempfehlungen des Bundes im Umgang mit dem Corona-Virus hängen an der Türe einer Apotheke.

Bild: Benjamin Manser

Im Kanton Zug trat am Freitag der Gesundheitsdirektor Martin Pfister erstmals gemeinsam mit den beiden Zuger Spitaldirektoren, dem Kantonsarzt sowie der Präsidentin der Zuger Gesellschaft für Hausarztmedizin vor die Medien, um über die aktuelle Lage bezüglich des Corona-Virus zu informieren. Der Stand von Freitagmittag im Kanton Zug: fünft bestätigte Corona-Fälle und 16 Personen in Quarantäne. Die Ansteckungskette könne man noch immer nachverfolgen, sagt Kantonsarzt Rudolf Hauri auf Nachfrage der Journalisten. Sowohl allen fünf Corona-Patienten wie auch den weiteren Personen in Quarantäne gehe es gut. Bei den kranken Personen zeigten sich Symptome zwischen jenen einer leichten Erkältung und einer leichten Grippe. «Glücklicherweise leidet bisher im Kanton Zug noch niemand an schweren Folgen des Virus», so Hauri.

Man gehe inzwischen davon aus, dass 80 Prozent aller Verläufe kaum bis gar nicht bemerkt werden. Entsprechend sei klar, dass sich der Erreger nicht mehr aufhalten lässt. «Wir können aber das Verbreitungstempo bremsen.» Wie der Kantonsarzt erklärt, sei dies wichtig, um Zeit zu erhalten, das Virus besser kennenzulernen, wirksame Behandlungsmethoden zu finden oder gar ein Impfstoff zu entwickeln. Zudem habe sich nun auch gezeigt, dass wie bei vielen anderen Erreger, die Verbreitung zuerst unter jungen, aktiven Menschen stattfindet und nun langsam auf die älteren Generationen über geht.

Meldepflicht ab Montag verschärft

Für Veranstaltungen gilt ab Montag eine Meldepflicht ab 150 Teilnehmern – bisher lag die Grenze bei 200. Gemäss Gesundheitsdirektor Pfister habe man sich mit vielen Kantonen auf dieses Limit geeinigt, um einheitlichere Vorgaben zu haben. In der Zentralschweiz machen hier sowohl Luzern, wie auch Schwyz mit. Dass die Veranstaltungen eingeschränkt werden und ab 150 Personen Namen und Adressen aller Beteiligten aufgenommen werden müssen, rechtfertigen Pfister und Hauri mit dem erwähnten Zeitfaktor. «Wir sind gezwungen so zu handeln, bis wir das Virus besser verstehen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist man noch nicht so weit, einzuschätzen, wie aggressiv dieses Coronavirus ist», so der Kantonsarzt.

Unter die Meldepflicht fallen auch Kirchen. Anlässe, wie Beerdigungen, dürfen noch durchgeführt werden. Allerdings müsse der Leiter des Anlasses auf die Hygienemassnahmen hinweisen und die Besucher beten, bei Erkältungs- und Grippesymptomen den Raum zu verlassen oder in einem anderen Teil des Raumes auf Abstand zu gehen.

Bei den Hausärzten laufen Telefone heiss

Auf Abstand gegangen wird auch in den Arztpraxen. Wie Regula Kaufmann, Präsidentin der Zuger Gesellschaft für Hausarztmedizin erzählt, sei es derzeit in vielen Praxen bezüglich Patienten vor Ort ruhiger. «Hingegen sind wir viel am Telefonieren und per E-Mail am Kommunizieren.» Denn wer Erkältungs- und Grippesymptome hat, muss sich telefonisch melden, bevor er in die Praxis kommen darf. «Wir mussten auch schon Patienten wieder rausschicken und sie bitten, zuerst telefonisch Kontakt aufzunehmen.» Kaufmann appelliert auch an die Arbeitgeber, nicht bei jedem Krankheitsausfall auf ein Arztzeugnis zu pochen. «Viele machen das auch jetzt schon. Das erleichtert uns die Arbeit.»

Die beiden Spitäler im Kanton Zug, das Zuger Kantonsspital sowie die Hirslanden Andreas Klinik in Cham, arbeiten derzeit sehr nahe zusammen. «Wir treffen uns täglich», erklärt der Chamer Spitaldirektor Jonas Zollinger. Es werde für eine «besondere Lage» geplant. Für den Fall, dass viele Corona-Fälle mit Komplikationen gleichzeitig in Spitälern betreut werden müssten, ist geplant zusammenzuarbeiten. «Nicht nur Material, sondern auch Personal würden wir nach Bedarf untereinander austauschen», so Kantonsspital-Direktor Matthias Winistörfer. Sollten Beatmungsapparaturen rar werden, könnte auch auf jene des Rettungsdienstes zurückgegriffen werden.

Obwohl derzeit täglich im Kantonsspital zwischen 20 und 30 Personen auf das Virus getestet würden, herrsche in beiden Spitälern Normalbetrieb, beteuern die Direktoren. Auch geplante Eingriffe könnten noch durchgeführt werden. Zwar seien auch in ihren Spitälern Desinfektionsmittel und Schutzmasken entwendet worden. «Wir hatten zeitweise einen verzehnfachten Verbrauch an Desinfektionsmittel», so Winistörfer. Das Problem habe man inzwischen aber gelöst.

Einschränkungen könnten länger in Kraft bleiben

Die Vorgaben des Bundes und der Kantone werden wohl noch länger als bis zum 15. März anhalten. Gemäss Hauri spielen dabei mehrere Faktoren eine Rolle. «Sobald der Höhepunkt der Welle, wie in China, durch ist, und es weniger Ansteckungen gibt, können die Vorgaben wieder gelockert werden.» Hierbei spiele auch das Wetter eine wichtige Rolle. Klar sei jedoch, dass eine Schulschliessung kein Thema sei, so Hauri. «Dies wäre wahrscheinlich gar kontraproduktiv, weil dann wohl auch Grosseltern Kinder hüten würden und diese zu den gefährdeten Personen gehören.»