ZUGER KANTONALBANK: Luginbühl: «Mehr Ertrag – mehr Risiko»

Die Staatsgarantie ist für die Zuger Kantonalbank zum Kundenmagnet geworden. Bankchef Toni Luginbühl will an ihr festhalten – gegen alle Kritik.

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Toni Luginbühl, Chef der Zuger Kantonalbank. (Archivbild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Toni Luginbühl, Chef der Zuger Kantonalbank. (Archivbild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Zuerst schien die UBS über den Berg, dann rief die Bank doch noch den Staat um Hilfe. War dieser Schritt zu diesem Zeitpunkt noch sinnvoll?
Toni Luginbühl*: Ja, denn ein Kollaps dieser Grossbank hätte nicht nur unüberblickbare Auswirkungen auf die Finanzmärkte, sondern auf unsere gesamte Wirtschaft.

Die UBS hat jetzt de facto eine Staatsgarantie erhalten – eine Sicherheit, die der Zuger Kantonalbank immer zur Verfügung steht. Sie müssen dafür jedoch klare Auflagen erfüllen.
Luginbühl: Die UBS wird mit diesem Rettungspaket keine umfassende Staatsgarantie erhalten, höchstens eine faktische. Sie lagert lediglich notleidende Aktiven aus und erhält dafür von der Nationalbank Geld und vom Bund weiteres Eigenkapital. Eine weitergehende Hilfe, beispielsweise in der Form einer umfassenden staatlichen Garantie, ist nicht vorgesehen. Damit ist die UBS ihre Problempositionen weit gehend los.

Ist das Hilfspaket für die UBS keine Wettbewerbsverzerrung?
Luginbühl: Im Grunde genommen schon. Denn jedes Bankgeschäft enthält Risiken. Dafür bilden die Banken Rückstellungen. Wenn nun notleidende Positionen mit staatlicher Hilfe einfach ausgelagert werden, müssen dafür keine Rückstellungen mehr gebildet werden. Dies kann zu Wettbewerbsverzerrungen führen.

Dann hat die Kantonalbank aber auch einen Wettbewerbsvorteil durch die Staatsgarantie.
Luginbühl: Tatsächlich kommen derzeit viele Kunden zu uns, weil sie Sicherheit suchen. Doch wir bezahlen, wie gesagt, für die Staatsgarantie und sind auch eingeschränkt, wenn es darum geht, hohe Risiken einzugehen. Hinzu kommt, dass die Zuger Kantonalbank zu den best kapitalisierten Banken gehört. Ihr Eigenkapital übersteigt den geforderten Wert um über 250 Prozent.

Hat sich die Staatsgarantie in Zeiten der Krise bewährt?
Luginbühl: Jede Bank sollte so geführt werden, dass weder eine implizite Staatsgarantie, wie sie jetzt die UBS beansprucht, noch eine explizite Staatsgarantie je beansprucht werden muss. Sie wirkt sich aber in Zeiten der Krise stabilisierend auf den Markt aus.

Wenn man sie nicht braucht, könnte man sie aber auch abschaffen.
Luginbühl: Nein, denn es geht dabei um einen psychologischen Aspekt. Die Menschen haben Angst um ihr Erspartes und um ihre Altervorsorge. Gäbe es jetzt keine Banken mit Staatsgarantie, wüssten sie nicht mehr wohin mit ihrem Geld. Sie würden vielleicht Bargeld unter dem Kopfkissen horten. Das würde den Markt noch weiter destabilisieren.

Trotzdem müssen aber auch Sie Risiken eingehen, um den Gewinn zu maximieren.
Luginbühl: Sicher, aber nicht in dem Ausmass wie es bei den Grossbanken gefordert wird. Denn eins steht fest: Je höher der Ertrag, desto höher sind auch die Risiken.

Interview Nelly Keune

*Toni Luginbühl ist Vorsitzender des Bankrates der Zuger Kantonalbank.

Das ausführlichen Interview lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Zuger Zeitung.