Zuger Kantonsräte fordern eine Strategie für die Altershilfe

Die Regierung soll zusammen mit den Gemeinden ein Papier ausarbeiten. Dabei stehen die Bedürfnisse von älteren Menschen im Fokus.

Andrea Muff
Drucken
Teilen

Die Gesellschaft verändert sich. Während in vorhergehenden Generationen die Senioren bereits früh in ein Alters- oder Pflegeheim zogen, bleiben sie heute länger in ihren eigenen vier Wänden. Ein breit abgestütztes Postulat betreffend Strategie Alter und Altershilfe fordert nun, dass der Regierungsrat zusammen mit den Gemeinden ein Papier ausarbeitet. Dieses soll aufzeigen, wie im Kanton Zug die Herausforderungen im Zusammenhang mit der stets wachsenden Zahl älterer Menschen und dem Alter generell aufgefangen werden können. Der Vorstoss haben die Kantonsräte Pirmin Andermatt (CVP/Baar), Guido Suter (SP/Walchwil), Karen Umbach (FDP/Zug) und Tabea Zimmermann Gibson (ALG/Zug) zusammen mit 29 Mitunterzeichnenden kürzlich eingereicht.

Bei der geforderten Strategie gehe es nicht primär um die medizinische Versorgung und die Pflege von Betagten, erklärt Tabea Zimmermann. Vielmehr soll auch die soziale Dimension in den Fokus rücken, damit ältere Menschen möglichst lange selbstverantwortlich leben können. «Dafür benötigen sie aber angemessene Betreuung und Unterstützung», fügt sie hinzu.

So lange als möglich zu Hause leben

Geht es nach den Postulanten sollen in dieser Altersstrategie Altershilfe, Lebensqualität und Würde der älteren Bevölkerung im Zentrum stehen. Altershilfe bezeichnet die unterstützenden, stärkenden und fördernden Massnahmen, welche ältere Menschen dazu befähigen, so lange als möglich zu Hause zu leben und ein gesundes, aktives und selbstbestimmtes Leben zu führen.

Die Postulanten halten weiter fest, dass sich die Vorstellungen und Gewohnheiten von älteren und alten Menschen geändert hätten. Die Strategie soll also auch ihre neuen Bedürfnisse beachten. «Mobilität und ein intensives Arbeitsleben schwächen den Kitt in der Gesellschaft. Nicht alle Senioren sind in einem funktionierenden sozialen Netz eingebunden. Traditionell war zudem die Frau für den Aufbau und Erhalt dieses Netzes zuständig. Dieser Kitt bröckelt, da die Frau mehr in ihr eigenes Arbeitsleben integriert ist», erklärt Zimmermann und fügt hinzu: «Dass die Tochter oder der Sohn etwa in der Nähe wohnt und Zeit für die Betreuung hat, wird heute immer seltener.»

Grössere Vielfalt an Wohnformen

Ein weiterer Ansatz sehen die Postulanten auch in einer grösseren Vielfalt an Wohnmöglichkeiten und Wohnformen. Denn ältere Menschen bleiben heute oft in einer eigentlich viel zu grossen Wohnung oder einem Haus, da es sich aus finanzieller Sicht nicht lohne, in eine kleinere Wohnung zu ziehen. So könnte etwa eine Massnahme sein, dass mit der neuen Strategie den Bau von bezahlbaren Alterswohnungen im Mehrgenerationenverständnis gefördert wird, führt die ALG-Kantonsrätin aus. «Der Kanton könnte die Akteure wie Genossenschaften und Hausbesitzer zusammenbringen, damit solche Wohnformen gefördert werden. Dazu muss es kein Gesetz geben», sagt Zimmermann.

Durch ihre Funktion als Präsidentin der Kiss Genossenschaft Zug kenne sie die Bedürfnisse der älteren Menschen. «Wenn die richtigen Strukturen da sind, entlastet das auch die Staatskasse. Denn sobald das soziale Netz erodiert, vereinsamen die Menschen oder gehen ins Altersheim und das kostet mehr», sagt Zimmermann. So können Präventivangebote dafür sorgen, dass Senioren möglichst lange gesund und aktiv bleiben.

Postulanten stützen sich auf Studie

Heute ist es so, dass die Gemeinden selber für ihre Altersstrategie verantwortlich sind. Diese hätten aber oft nicht die Ressourcen die Herausforderungen anzugehen, halten die Postulanten fest. Sie stützen ihre Ansicht, dass die Aktivitäten und Massnahmen betreffend Alter im Kanton Zug eher vereinzelt und zufällig erscheinen auf eine vom Bundesamt für Sozialversicherung in Auftrag gegebene Studie vom Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (Bass). Das Büro hat die Ausgestaltung der Altershilfe in den Kantonen untersucht und im Februar dieses Jahres publiziert.

Für die Postulanten steht aufgrund der Studie weiter fest: Eine übergeordnete Strategie muss her. Dabei soll der Kanton mit den Gemeinden zusammenarbeiten. Dies sei wichtig, betont Tabea Zimmermann. «Nicht jede Gemeinde hat dieselben Bedürfnisse und braucht die gleiche Unterstützung. Auch können durch die Zusammenarbeit Synergien gefunden und genutzt werden», ist sich die Postulantin sicher und fasst zusammen: «Grundlage der Strategie soll eine ergebnisoffene Auslegeordnung sein. Dabei sollen die Fragen im Zentrum stehen, was man wo machen könnte. Es liegt schlussendlich auch im Interesse des Staatshaushalts, Strukturen für eine gute Altershilfe zu haben.»