Zuger Kantonsrat: Der Bau eines doppelspurigen Sanierungstunnels ist vom Tisch

Der Kantonsrat hat eine Motion behandelt, welche von der politischen Realität bereits überrundet wurde.

Marco Morosoli
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Im Kantonsrat wurde über eine Motion zum «Sanierungstunnel Sihlbrugg-Horgen Oberdorf» debattiert.

Im Kantonsrat wurde über eine Motion zum «Sanierungstunnel Sihlbrugg-Horgen Oberdorf» debattiert.

Bild: Oliver Tanner
(26. November 2019)

Es ist paradox: Auf der Nordsüd-Achse ist in etwas mehr als einem Jahr die erste Flachbahn durch die Alpen Tatsache. Vier Jahre nach dem Gotthard-Basistunnel geht am 13. Dezember 2020 derjenige durch den Monte Ceneri in Betrieb. Was hat dieser Fakt mit dem Albistunnel respektive dem Zimmerberg-II-Tunnel zu tun?

Sehr viel, wie die Debatte über eine Motion zum «Sanierungstunnel Sihlbrugg-Horgen Oberdorf» in der Kantonsratssitzung vom 28. November gezeigt hat. Einer der Motionäre, der Zuger SVP-Kantonsrat Philip C. Brunner, erwähnt einen Vorfall vom 17. November 2019. An diesem Sonntag ist ein Eurocity-Zug auf der Fahrt von Mailand nach Zürich in Sihlbrugg wegen Fahrleitungsproblemen stecken geblieben.

An Sonntagen sind diese Züge jeweils sehr stark besetzt, weil viele Tessiner nach einem Wochenende in der Heimat in die Deutschschweiz zurückkehren, wo sie arbeiten oder studieren. Durch den Vorfall bedingt, haben die SBB den Verkehr von Zürich nach Zug übers Säuliamt umleiten müssen. Rund 600 Reisende haben ungeplant umsteigen müssen.

Tunnel sind ein wichtiges Thema

Dieses Ereignis führt Philip C. Brunner zum Schluss: «Die Tunnel zwischen Horgen Oberdorf und Baar sind ein unglaublich wichtiges Thema. Viel wichtiger als die vorherige Debatte über das Budget 2020 des Kantons Zug.» Brunner erwähnt wiederholt, dass er nicht der typische Nutzer des öffentlichen Verkehrs sei, doch wer ihm zuhört, bekommt einen anderen Eindruck. An die Adresse der Regierung stellt der Zuger SVP-Kantonsrat fest, dass die Wichtigkeit der Debatte auch darin begründet ist, dass «der Kanton Zug ohne funktionierenden öffentlichen Verkehr den Wohlstand nicht wahren kann».

Für Brunner ist klar, dass es in dieser Angelegenheit neben dem technischen Aspekt auch eine menschliche Note gäbe. Diese sei rund um das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf) spürbar gewesen. Viele der Lokomotivführer hätten an dieser speziellen Sportveranstaltung Sonderschichten geschoben. Ohne diesen Support wäre es gar nicht möglich gewesen, die Zuschauer zum Schwingfest und von dort wieder zurück an ihren Ausgangspunkt zu bringen.

Der Dinge zu harren, ist keine Option

In dieser speziellen Angelegenheit ist es gestern sogar zu einem sachbezogenen Brückenschlag zwischen rechter und linker Ratsseite gekommen. Der Steinhauser Kantonsrat Andreas Hürlimann (Alternative - die Grünen) wählt zu diesem Thema nicht die gleichen Worte wie sein politischer Antipode Philip C.Brunner. In den Kernaussagen reden die beiden aber mit einer Zunge. Hürlimann sagt, dass in dieser Angelegenheit der Schildbürgerstreich im Jahre 2002 vollführt worden sei. Damals sei die Tunnel-Bohrmaschine in Thalwil Nidelbad gestoppt worden. Für den Weiterbau nach Baar Litti hätte damals das Geld gefehlt, hiess es.

Mittlerweile ist der Zimmerberg-Tunnel II im Ausbauschritt 2035 zwar prioritär aufgeführt, aber die Durststrecke bis zu dessen Eröffnung bleibt noch sehr lange. Andreas Hürlimann sagt dazu: «Das wird den Schweizer Steuerzahler nun am Schluss eine Milliarde Franken Baukosten und mehr als 20 Jahre Leiden zwischen Thalwil, Zug und Luzern gekostet haben.» Der Steinhauser Kantonsrat ist auch der Ansicht, dass im Jetzt etwas zu tun ist: «Bei den Einspurtunnels gibt es keine Alternative. Aus unserer Sicht ist das ein Spiel im High-Risk-Bereich.» Deshalb verlangt der ALG-Parlamentarier Aktionen des Kantons: «Der Kanton Zug sollte hier von den SBB eine klare Stellungnahme verlangen, damit der Betrieb sicher und ohne grössere Unterbrüche möglich sein wird.»

Projekthoheit liegt beim Bund

Einfach die Hände in den Schoss zu legen, damit sei der Sache nicht gedient: «Einfach 16 Jahre auf die Erlösung des Zimmerberg-Basistunnels II zu warten ist keine Option.» In dieser Hinsicht müsse der Kanton Zug einfach mehr liefern. Der Zuger Baudirektor Florian Weber sagte, dass der Tunnel zwischen Thalwil und Baar Litti «ein wichtiges Infrastrukturprojekt» sei.

Im nächsten Satz erinnert Weber aber gleich daran, dass in dieser Sache die Projekthoheit beim Bund liege. Er verspricht: «Wir nehmen die Sache ernst, sehr ernst, und bleiben am Ball.» Der Baudirektor äussert sich auch dahingehend, dass «wir den SBB glauben». Mittlerweile gibt es auch eine Begleitgruppe Zimmerberg-Basistunnel II. Da der Zimmerberg-II-Tunnel aufs Überholgleis gewechselt hat, ist die Motion Sanierungstunnel nun bald Archivmaterial. Am 6. Februar 2020 erlischt auch der Kantonsratsbeschluss, der die Vorfinanzierung von Bahnprojekten durch den Kanton ermöglicht hätte. Alles wartet weiter auf den Befreiungsschlag.
Marco Morosoli