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Zuger Kinder- und Jugendtheater führt Klassiker auf

Bei der Hauptprobe zu «Die Unbekannte aus der Seine» des Kinder- und Jugendtheaters Zug lief bereits fast alles glatt. Nass wird an den Aufführungen im Theater Metalli nur die Protagonistin.
Christian Tschümperlin
Sie proben fleissig: Giulia Scherer als «Theodor» (links) und Lea Joho als «Emil». (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 14. Januar 2019))

Sie proben fleissig: Giulia Scherer als «Theodor» (links) und Lea Joho als «Emil». (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 14. Januar 2019))

Der Legende nach wurde in Paris um 1900 die Leiche einer Selbstmörderin aus der Seine gefischt. Ein Mitarbeiter der Pariser Leichenschauhalle soll von ihrem geheimnisvollen Lächeln so fasziniert gewesen sein, dass er einen Gipsabdruck ihres Gesichtes nahm und eine Totenmaske modellieren liess. Der friedvolle Gesichtsausdruck war Anlass zu Spekulationen über das Leben der jungen Frau und inspirierte zahlreiche literarische Werke. Dasjenige von Ödön von Horvàth führt «die junge Bühne» des Kinder- und Jugendtheaters Zug ab morgen im Metalli Theater auf.

In Horvaths Interpretation spielte sich damals an der Seine Folgendes ab: Das unbekannte Mädchen wurde die einzige Zeugin dafür, dass der arbeitslose Albert, den seine Braut verlassen hat, einen Raubmord begeht. Sie liebt ihn, und als sie sieht, dass seine Braut zu ihm zurückkehrt und die beiden glücklich werden können, verlässt sie ihn und geht in die Seine, um niemals in die Versuchung zu kommen, ihn zu verraten.

Liebevoller Blick auf Abhängigkeiten

Das Liebesdrama richtet sich an ein eher erwachsenes Publikum. Wie gehen die Jungdarstellerinnen, die alle zwischen 18 und 24 Jahren alt sind, damit um? Mirjam Gattiker aus Hünenberg, welche die Rolle des Polizisten spielt, sagt in der Pause der Hauptprobe dazu: «Ich habe mich vor allem mit der Unbekannten auseinandergesetzt, um das Stück zu verarbeiten.»

Das Stück entlarvt laut Regisseur Stefan Koch die menschlichen Schwierigkeiten und auch die Abhängigkeiten, die man hat als Mensch, und von denen man nur schwer wieder loskommt. Horvath schaut aber mit einem sehr liebevollen Blick darauf. Das Stück entstand in den 1930er-Jahren während der Weltwirtschaftskrise, als die Menschen grosse Existenzängste hatten. «Ich finde es wunderbar, dass das Stück nicht unterteilt, das ist ein Schlechter, das ist ein Guter», sagt Koch. So entwickelt man im Verlaufe des Stücks auch Mitgefühl mit Albert, der einen Raubmord begeht. Er hat sein Herz am rechten Fleck und versteht nicht recht, in was er da hineingezogen wird. «Ich sehe ihn eher als Opfer der Zeit», sagt Regisseurin Mirjam Walker.

Und da ist die Unbekannte, die im Regen tanzt und auf der Bank schläft. Wenn sie in ihrem weissen Kleid, von geheimnisvoller Musik begleitet, die Bühne betritt, erscheint mit ihr auch ein Hauch Poesie. Es schmerzt fast, wie frei sie ist und wie selbstlos sie ihr Leben einfach loslässt. «Sie hat nichts und hat durch ihr Wissen doch alles», sinniert Koch. Doch wirklich frei ist sie nicht. «Ich bin doch eine gefangene Seele, ich bin der See und ich bin der Berg, der zusammenbricht», sagt sie gegen Ende. Und Albert zu ihr: «Ich glaube, du bist der Tod.»

Larissa Mello Betschart als «die Unbekannte» (links) und Mirjam Gattiker als «Polizist». (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 14. Januar 2019))

Larissa Mello Betschart als «die Unbekannte» (links) und Mirjam Gattiker als «Polizist». (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 14. Januar 2019))

Solange die Unbekannte lebt, regnet es auf der Bühne. «Sie ist die Einzige, die nass wird», verrät Larissa Mello Betschart, 21 Jahre alt und aus Cham, die die Unbekannte spielt. «Der Regen symbolisiert die Trostlosigkeit», sagt Koch, «und die Welt versinkt darin», ergänzt Regisseurin Mirjam Walker. Am Ende nimmt die Unbekannte ihr Geheimnis mit ins Wasser.

Die Details wirken mehr als stimmig

Das Stück spielen die Jungdarsteller mit viel Leidenschaft und Liebe zum Detail. Da ist zum Beispiel Alberts schelmisches Lächeln, das entzückt, Ernsts biederer Ernst und die Gelassenheit der Unbekannten, an der man fast verzweifelt. Bekanntlich wird im Theater nichts dem Zufall überlassen. «Hüte etwas mehr nach hinten drücken», ruft Koch den Darstellerinnen während der Hauptprobe zu. Am Ende der Hauptprobe sagt er dann aber doch versöhnlich: «Ich glaube, ich kann jetzt gut schlafen.»


Hinweis
Premiere ist am 18. Januar um 19.30 Uhr. Es folgen vier weitere Aufführungen im Theater Metalli am 19./26. Januar um 17 Uhr sowie am 24./25. Januar um 19.30 Uhr.

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