Zuger KMU sind nach wie vor gut aufgestellt

Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Region erfreuen sich aktuell grundsätzlich einer guten Auftragslage. Allerdings treiben sie Rechtsunsicherheiten sowie der Druck der stetig zunehmenden Digitalisierung um.

Vanessa Varisco
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Auch auf dem Bau sind KMU als Zulieferer gefragt. Doch gerade in der Baubranche merken die Betriebe die grosse Konkurrenz, welche die Preise nach unten treibt. Im Bild: das Suurstoffi-Areal in Rotkreuz. (Bild: Werner Schelbert (26. Juli 2018))

Auch auf dem Bau sind KMU als Zulieferer gefragt. Doch gerade in der Baubranche merken die Betriebe die grosse Konkurrenz, welche die Preise nach unten treibt. Im Bild: das Suurstoffi-Areal in Rotkreuz. (Bild: Werner Schelbert (26. Juli 2018))

Die kleinen und mittleren Unternehmen stellen schweizweit rund zwei Drittel aller Arbeitsplätze, sie sind das Rückgrat der Wirtschaft – auch im Kanton Zug. Höchste Zeit, den «Puls» der hiesigen Betriebe zu fühlen.

Den KMU im Kanton Zug gehe es grundsätzlich gut, sagt Roland Staerkle, Präsident des Gewerbeverbands Kanton Zug. «Der Aufschwung ist vorhanden, und die Unternehmen können sich grossmehrheitlich über eine gute Auftragslage freuen», so Staerkle. Die Einschätzung bestätigt Daniel Abt, zuständig für die Politik beim Gewerbeverband. «Besonders in der Bauwirtschaft gibt es nichts zu klagen», führt er aus.

Auch die Zuger Wirtschaftskammer gehe davon aus, dass regionale Firmen nach wie vor gut aufgestellt seien, wie Geschäftsstellenleiterin Tanja Süssmeier auf Anfrage sagt. «Dies zeigt sich unter anderem in den teils grossen Investitionen in Infrastruktur am Standort Zug.» Den Geschäftsgang generell zu beurteilen, sei allerdings sehr schwierig, da dieser unter anderem von der Branche abhänge und davon, wie stark ein KMU von den internationalen Märkten abhängig sei.

Zu reden geben die Verkehrsengpässe im Kanton

Den Einfluss der internationalen Märkte betont auch Ursula Kottmann vom Amt für Wirtschaft und Arbeit der Zuger Volkswirtschaftsdirektion. «Wenn die grossen Wirtschaftsblöcke sich gegenseitig mit Handelsbarrieren und Zöllen unter Druck setzen, könnte es mittelfristig Bremsspuren geben. Da KMU oft international tätige Unternehmen beliefern, könnte es eine negative Rückkopplung geben.»

Die allgemeine Wirtschaftslage im Raum Zug beurteilt sie folgendermassen: Grundsätzlich laufe es gut. Dies zeige sich an der guten Konjunktur, der tiefen Arbeitslosigkeit und daran, dass der Franken noch nicht zu stark sei. Die Geschäftserwartungen seien aber nicht mehr ganz so positiv wie auch schon (siehe Box). Problematisch(er) seien die Erträge, sagt Staerkle. Die grosse Konkurrenz sei treibend für tiefe Preise. Dies mache sich vor allem in der Baubranche bemerkbar.

«Wenn die grossen Wirtschaftsblöcke sich gegenseitig mit Handelsbarrieren und Zöllen unter Druck setzen, könnte es mittelfristig Bremsspuren geben.»
Ursula Kottmann, Amt für Wirtschaft und Arbeit Kanton Zug

Am stärksten treiben die Unternehmer und Unternehmerinnen in Zug laut Staerkle aktuell der Verwaltungsapparat und die damit verbundenen gesetzlichen Auflagen um. Je nach Branche und Berufsart sei die Personalsuche durch den «Inländervorrang» erschwert. Die Arbeitgeber müssen hierbei offene Stellen zuerst beim RAV melden. Zurzeit sind 19 Berufsarten mit über 270 Berufsbezeichnungen von der Stellenmeldepflicht betroffen. «Diese Auflage schränkt die Flexibilität der Unternehmen ein», so Staerkle – was Abt bekräftigt: «Die Bürokratie ist immer ein Thema.»

Ebenfalls zu reden gäben die Verkehrsengpässe, die durch die vielen Baustellen in und um Zug entstehen, sagt Staerkle. Aber man sei sich bewusst, dass diese notwendig seien und über kurz oder lang der Vergangenheit angehören würden.

Firmen stehen zur Steuervorlage «verhalten optimistisch»

Im letzten Jahr hat die Wirtschaftskammer die Industrieunternehmen nach den grössten Herausforderungen befragt. Damals wurden die Frankenstärke, die Digitalisierung sowie der Strukturwandel und sich verändernde Kundenbedürfnisse als die grössten Herausforderungen genannt. Man gehe davon aus, dass diese Themen auch dieses Jahr noch aktuell seien, so Süssmeier.

Seit 2017 habe sich ausserdem sicherlich die bestehende Rechtsunsicherheit verschärft aufgrund diverser politischer Vorstösse, wie etwa der Masseneinwanderungsinitiative oder der Steuerreform. «Diese Unsicherheit erschwert die Planbarkeit und bringt die Standortattraktivität der Schweiz und somit auch das Wachstum unter Druck», erklärt Süssmeier. «Zur Steuervorlage 17 stehen die KMU verhalten optimistisch», berichtet Abt. Verallgemeinern könne man auch hier nichts, für gewisse Branchen sei diese Vorlage relevanter als für andere. Gemäss Süssmeier herrscht in gewissen Branchen weiter Fachkräftemangel. Die Nachwuchsrekrutierung stelle aber kein Problem dar, weiss Abt. «Allerdings ist das auch sehr branchenabhängig.»

«Es gilt allerdings immer, die Kosten-Nutzen-Ratio zu betrachten. Alles zu digitalisieren, macht keinen Sinn, wenn das Verhältnis nicht stimmt.»
Daniel Abt, Gewerbeverband des Kanton Zug

Auch die Digitalisierung sei ein Thema, beschäftige die KMU allerdings je nach Branche unterschiedlich stark, wie Daniel Abt erklärt. Aktuell überlege man sich beispielsweise, wie man den Postverkehr digitalisieren könnte. «Es gilt allerdings immer, die Kosten-Nutzen-Ratio zu betrachten. Alles zu digitalisieren, macht keinen Sinn, wenn das Verhältnis nicht stimmt.»

Und auch die Thematik Blockchain sei je nach Branche unterschiedlich relevant. «Es ist sicherlich gut zu wissen, dass dieses Konzept existiert, damit es gegebenenfalls genutzt werden kann», sagt Abt. Das Blockchain-System bietet unter anderem die technische Basis für Kryptowährungen wie den Bitcoin.

Cybersicherheitstest soll Gefahrenbewusstsein bei KMU schärfen

Eine Expertengruppe von Behördenvertretern und Verbandsmitgliedern hat eine Initiative zum sicheren Umgang von KMU mit Cyberrisiken lanciert. Ein neuer Schnelltest soll den Unternehmen helfen zu überprüfen, ob sie ausreichend gegen Angriffe von Hackern geschützt sind.