Zuger Lehrpersonen bekommen neuen Berufsauftrag

Das Amt für gemeindliche Schulen sowie die Direktion für Bildung und Kultur haben den Berufsauftrag der Lehrpersonen und Fachpersonen aktualisiert. Darin wird die Vielfalt sowie die Mit- und Eigenverantwortung des Berufs mehr berücksichtigt.

Tijana Nikolic
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In Zusammenarbeit mit den gemeindlichen Schulen hat die Direktion für Bildung und Kultur den Berufsauftrag der Lehrpersonen und Fachpersonen aktualisiert. «Wesentlich ist, dass es keine zeitlich fixierten Vorgaben mehr in den verschiedenen Bereichen wie ‹Unterricht›, ‹Schulkultur ›und ‹Mitwirkung in der Schulführung› des Berufsauftrags gibt», sagt Michael Truniger, Leiter des Amts für gemeindliche Schulen. Dies sei damit begründet, dass die Arbeitsbereiche nur vernetzt und koordiniert geleistet werden könnten, also sinnvollerweise nicht zeitlich auseinanderdividiert werden würden.

Für die Umsetzung des Berufsauftrags haben die Lehrpersonen, die schulischen Heilpädagogen sowie die Fachpersonen für Logopädie und Psychomotorik weiterhin eine jährliche Nettoarbeitszeit von 46 Wochen oder 1932 Stunden zur Verfügung. Wegleitend für den neuen Berufsauftrag sei der hohe Gestaltungsraum, welcher den Lehrpersonen zuerkannt wird: «Innerhalb der jährlichen Nettoarbeitszeit von 1932 Stunden können sie diesen Gestaltungsraum nutzen und ihren Berufsauftrag in Mit- und Eigenverantwortung umsetzen», so Truniger weiter. Zentral sei, dass nicht alles in den 38 Schulwochen stattfinden muss. «Vieles kann auch während der Arbeitszeit ausserhalb der Unterrichtszeit, etwa in den Schulferien, stattfinden.» Mit dem neuen Berufsauftrag soll nicht ein ziseliertes Regelwerk geschaffen, sondern ein Impuls in die Entwicklung der Schulkultur hineingeben werden, indem künftig etwa vermehrt Gewicht auf eine ausgewogene Arbeitsbelastung im Verlaufe des Schuljahres gelegt wird.

Das Fundament für die Eigenverantwortung der Schule

In den strategischen Entwicklungslinien für die Zuger Volksschulen 2018 bis 2022 sei von der Stärkung der Schule als attraktive Arbeitgeberin die Rede. «Genau darum geht es beim neuen Berufsauftrag. Er bildet das Fundament, auf welchem die Schulen in hoher Eigenverantwortung ihre Aufgaben leisten können», führt Truniger aus. Kernpunkt der modernen Zuger Schule ist, dass nicht überreglementiert, sondern Freiheit und Gestaltungsraum dort gewährt werden soll, wo dies am zweckdienlichsten ist – nämlich auf der Ebene der Schule. Auf dieser Ebene wird im Gegenzug Mit- und Eigenverantwortung eingefordert.

Ausgangspunkt war eine umfassende Analyse des vorhergehenden Berufsauftrags. Dabei wurde beispielsweise festgestellt, dass Lehrpersonen wahrnehmen würden, dass ein zunehmend grösserer Aufwand in den Bereichen der Selektion und Sozialisation entstehe. Dieser Belastungssituation wurde bereits im August 2016 mit einer zweiten Klassenlehrerstunde begegnet. Truniger erklärt: «Die zunehmende inhaltliche und zeitliche Belastung im Arbeitsfeld der Schule resultiert aus der Grundproblematik der Überbelastung der Lehrpersonen während der 38 Unterrichtswochen.»

Da es keine Zeiterfassung gebe, handle es sich bei den 1932 Stunden klar um einen Annäherungswert. Massgeblich werde die zu leistende Arbeitszeit durch das Pensum gesteuert, welches eine Lehrperson unterrichte. «Dann ist es selbstverständlich Aufgabe der Lehrperson sowie dem Vorgesetzten, für eine angemessene Umsetzung des Berufsauftrags zu sorgen.»