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ZUGER NEUJAHRSBLATT: Dieses Blatt überrascht seine Leser jedes Jahr aufs Neue

Die Zeitschrift mit Tradition widmet sich in diesem Jahr dem Thema Bildung. Einmal mehr gelingt es den Machern, ein auf den ersten Blick dröges Thema lesenswert zu machen.
Die Macher des Zuger Neujahrsblatts 2018: Die Designer Miles Peyer (von links) und Sandro Zorzenone; der Redaktor Dieter Müller und Irène Castell-Bachmann, welche der Neujahrsblatt-Kommission vorsteht. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 23. November 2017))

Die Macher des Zuger Neujahrsblatts 2018: Die Designer Miles Peyer (von links) und Sandro Zorzenone; der Redaktor Dieter Müller und Irène Castell-Bachmann, welche der Neujahrsblatt-Kommission vorsteht. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 23. November 2017))

Viele gedruckte Erzeugnisse von Organisationen oder Firmen werden mit einem grossen Brimborium angekündigt, von den Machern selber hoch gelobt und nach einem reichhaltigen Apéro an die Gäste verteilt. Ihr Schicksal ist dann oft weniger glänzend als das Papier, auf dem sie hergestellt worden sind. Sie landen verstaubt irgendwann in einer Ablage oder gar im Altpapier. Auf das Zuger Neujahrsblatt, dessen Ausgabe 2018 gestern präsentiert worden ist, trifft diese vorgenannte Qualifikation jedoch nicht zu.

Es ist immer wieder erstaunlich, welche Themen die Neujahrsblatt-Kommission unter dem Vorsitz von Irène Castell-Bachmann zum Schwerpunkt macht. Da ist etwas Geschichtliches, wie in der Ausgabe von 1998, als der Untergang der alten Eidgenossenschaft (1798) und das Werden der neuen Schweiz (1848) im Fokus gewesen sind. 2003 hat sich das Neujahrsblatt mit Visionen befasst, und 2014 standen Ströme im Zentrum.

Geschichte, Gegenwart und Zukunft vereint

Irène Castell-Bachmann hat denn auch gestern bei der Vernissage gesagt: «Sie erhalten heute ein neuwertiges Produkt, nicht nur bezüglich des Inhalts, sondern auch der Aufmachung.» Das Design trägt die Handschrift von Miles Peyer und Sandro Zorzenone. Auf dem Einband der neusten Ausgabe der von der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug seit 1892 herausgegebenen Zeitschrift steht einfach «Zug bildet». Drumherum sind Schreibzeug, ein Globus, Pilze, ein Mikroskop und vieles mehr ge­zeichnet. Schon diese einfache Botschaft regt zum Denken an.

Zwischen dem hübsch gestalteten Einband – dieser ist ab 2011 in einer gelungenen Art und Weise aufgepeppt worden – erwartet den Leser eine interessante Lektüre. Der Zukunftsforscher Georges T. Roos wagt einen Blick in die Tage, die noch vor uns liegen. Er schreibt: «Ich bin überzeugt, dass wir vor einer epochalen Wende stehen.» Wer den Blick in die Zukunft wagt, hat den Vorteil, dass er Fäden aus der Gegenwart einfach weiterspinnen kann. Die Erfahrung zeigt, dass solche Prophezeiungen nicht genau so eintreffen werden. Aber das macht deren Lektüre keineswegs uninteressant.

Eine Geschichte der Schule im Kanton im Zeitraffer

Lesenswert, weil in dieser knappen Art kaum anderswo zu finden, ist die Abhandlung von Carl Bossard über das Werden des Schulsystems im Kanton Zug. Da wird unserem globalisierten Dorf der Spiegel vorgehalten, dass vor noch nicht allzu langer Zeit Bildung ein Privileg einer kleinen Kaste war. Bossard schreibt dazu: «Die Kinder waren eben Arbeitspotenzial und nicht junge Menschen mit individueller Zukunft, Bildung und Unterricht darum wenig gefragt.» Erst nach den Umwälzungen im Jahre 1848 vollführt sich im Bildungsbereich im Kanton Zug ein langsamer, aber steter Wandel. Carl Bossard hat diesen in einer prägnanten Form zu Papier gebracht.

Sehr gern lesen werden Zuger und Zugerinnen, die Papier ge­genüber digital aufbereiteten Texten immer noch bevorzugen, was Irene Schüpfer im Interview sagt. Sie ist seit 2006 Geschäftsführerin des Zuger Schulbuchverlages Klett und Balmer und muss es wissen: «Die E-Books verkaufen sich gar nicht so gut, wie wir dachten. Die Lehrlinge bevorzugen Bücher!»

Einen weiteren Aspekt beleuchtet Andreas Faessler. Sein Thema: «Die stillen Ermöglicher der Zuger Kultur». Er blickt hinter viele Institutionen, deren Geld in Projekte verschiedenster Art investiert wird. So bekommen die Göhner-Stiftung oder die Otto-Biesheim-Stiftung, beides Namen, die oft auf Tafeln in Gebäuden stehen, ein Gerüst. Aber auch die Gemeinnützige Gesellschaft, welche das Zuger Neujahrsblatt herausgibt, ist noch in vielen anderen Bereichen aktiv, ohne dass dies an die grosse Glocke gehängt wird. Ein wahrer Lesegenuss sind auch die «Friedhofgeschichten» von Max Huwiler. Er versteht es meisterhaft, diesem Ort, der am Ende eines jeden Lebens steht, eine Seele einzuhauchen.

Es soll hier nicht alles, was im aktuellen Neujahrsblatt zu lesen ist, verraten werden. Etwas sei dem Leser aber verraten: Die Lektüre lohnt. Dieses Werk verdient das Altpapier nicht.

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Hinweis

Zuger Neujahrsblatt 2018, 90 Seiten, Verkaufspreis 39 Franken. Herausgegeben von der Gemeinnützigen Gesellschaft Zug, ISBN 978-3-85761-322-7.

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