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ZUGER OBERGERICHT: Eine junge Frau brutal vergewaltigt

Der gebürtige Türke bestreitet die Vorwürfe des Opfers. Doch wird er auch zweitinstanzlich verurteilt. Die Strafe wird aber leicht reduziert.
Jürg J. Aregger
Das Zuger Obergericht. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Das Zuger Obergericht. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Jürg J. Aregger

juerg.aregger@zugerzeitung.ch

Die Frau hatte mit einer Freundin in einem Lokal getrunken. Ihnen schloss sich ein gebürtiger Türke an. Es herrschte eine heitere ausgelassene Stimmung. Nach Mitternacht wurde auf der Strasse weiterdiskutiert. Die 22-jährige Frau schlug dem damals 43-jährigen Mann vor, zu ihr nach Hause zu gehen, da die Eltern abwesend seien und sie sturmfrei habe. In der Wohnung kam es dann zu sexuellen Handlungen. Dabei lag sie auf dem Rücken und später auf dem Bauch. Dies sei einvernehmlich erfolgt, behauptete der Mann nachher. Sie habe klar zu verstehen gegeben, dass sie damit nicht einverstanden sei, erklärte die junge Frau. Sie habe sich soweit als möglich dagegen gewehrt. Er habe sie auch in den Polizeigriff genommen.

Das Strafgericht hatte zwei Jahre später den Beschuldigten von Schuld und Strafe freigesprochen, übertrug ihm aber die Verfahrenskosten. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft hob das Obergericht dieses Urteil auf und wies das Verfahren zur Neubeurteilung zurück. Der amtliche Verteidiger stellte gegen die am ersten Urteil beteiligten Richter und den Gerichtsschreiber ein Ausstandsbegehren, welches das Obergericht guthiess. Im letzten Herbst bestrafte das Strafgericht unter der Verfahrensleitung von Philipp Frank den 48-jährigen Beschuldigten wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung als Zusatzurteil zu einer Freiheitsstrafe von 27 Monaten unbedingt. Auch vor Obergericht forderte der amtliche Verteidiger letzte Woche Freispruch von Schuld und Strafe. Bei einer allfälligen Verurteilung sei sein Mandant zu einer Zusatzstrafe von 14 Monaten bedingt zu verurteilen. «Ich habe sie nicht vergewaltigt», sagte der Beschuldigte.

Der Türke wurde im Frühjahr 2015 vom Kantonsgericht Schaffhausen zu 22 Monaten Strafe verurteilt, wovon er zehn Monate absitzen muss. Der Vollzug wird Mitte dieses Monats abgeschlossen sein. Er wurde wegen einfacher Körperverletzung und eines Drogendelikts verurteilt. Früher waren gegen ihn schon vier Strafbefehle ausgesprochen worden.

«Einseitig den Aussagen der Frau gefolgt»

Der Anwalt bemängelte, dass dem Beschuldigten nur eine beschränkte Glaubwürdigkeit von der Vorinstanz zugestanden wurde, weil er angeklagt sei. «Damit wird der Grundsatz ‹Im Zweifel für den Beschuldigten› ausgehebelt», führte er aus. Das Tatgeschehen sei vom angeblichen Opfer widersprüchlich geschildert worden: Bei der Anzeige sei sie zuerst auf dem Rücken gelegen, zwei Tage später auf dem Bauch. Dass sie erst 30 Stunden nachher Anzeige erstattet habe, lasse auf Unschlüssigkeit schliessen. Widerstand habe es erst gegeben, als der Türke beim Sex von seiner Freundin gesprochen habe und die Frau ihn dann aus der Wohnung warf.

Das Obergericht unter Abteilungspräsident Paul Kuhn folgte den Ausführungen von Staats­anwalt Markus Kurt, wobei es das Urteil nach der Verhandlung mündlich eröffnete. Der Mann habe ihre Willensäusserung nicht akzeptiert, wobei er ihr kräftemässig überlegen war. So wog sie damals 44 Kilo und war 164 Zentimeter gross, er wog 82 Kilo und war 182 Zentimeter gross. Die Einladung der sehr jungen Frau in die Wohnung bezeichnete das Obergericht als «etwas unbedacht». Sie habe konstant ausgesagt, auch wenn sie die Reihenfolge beim Sex verändert habe: «Die Vorwürfe sind gleich.» Vor Strafgericht habe sie einen glaubhaften Eindruck gemacht, wie das damals aufgenommene Video zeige.

«Kein Motiv für die massive Belastung»

Laut Paul Kuhn gibt es kein Motiv, warum sie ihn zu Unrecht so massiv belasten sollte, hatten die beiden doch ein kollegiales Verhältnis. Ein schlechtes Gewissen wegen ihres Freundes sei nicht ersichtlich. Seine Ausführungen, wieso es zum Abbruch des Sexes gekommen sei und sie ihn aus der Wohnung wies, seien unwahrscheinlich. Die Frau hatte um 6AABB22Uhr mehrmals versucht, ihren Freund telefonisch zu erreichen, und dann Kontakt mit einem Kollegen aufgenommen, dem sie die Vergewaltigung schilderte. Gleichentags schrieb ihr der Beschuldigte mehrere SMS, worin er von einem Filmriss sprach und fragte: «Habe ich Scheisse gebaut?» – «Kann ich mit dir reden?» – «Bist du sauer?» Diese Aussagen sind für das Obergericht als «Eingeständnis zu werten». So habe er sich entschuldigt und gehofft, dass sie ihm vergebe. Dies sei nur nachvollziehbar, weil er wusste, dass er sich über ihren Willen hinweggesetzt habe.

So entschieden sich die Richter auf eine Gesamtstrafe von 46 Monaten und zogen die 22 Monate der früheren Strafe ab. Es verblieben 24 Monate unbedingt, 3 weniger als im ersten Urteil. Es ist nicht rechtskräftig.

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