Zuger Ombudsstelle verzeichnet mehr Fälle als im Jahr zuvor

Laut Bericht der Zuger Ombudsstelle haben die Fälle im letzten Jahr zugenommen. Die neue Leiterin fühlt sich indes gut aufgenommen.

Andrea Muff
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Herr F. lebt auf der Strasse, ist schwer alkoholabhängig und auf Unterstützung angewiesen. Der 33-Jährige bekommt vom Sozialdienst täglich einen Essensgutschein von 10 Franken, wenn er diesen persönlich beim Sozialdienst abholt. Bei der Wohnungssuche habe ihm das Sozialamt kaum geholfen und ihn an die Notschlafstelle in Luzern verwiesen. F. fühle sich nur noch als lästige Nummer, die verwaltet werde und die man am liebsten loshaben möchte. So schildert der Betroffene seine Probleme mit dem Sozialdienst gegenüber der Ombudsfrau des Kantons Zug. Sein Fall wird im kürzlich publizierten Jahresbericht der Ombudsstelle Kanton Zug geschildert – dort wird er auch als Herr F. bezeichnet.

Vermitteln bei Konflikten zwischen Verwaltung und Bürgern

Bernadette Zürcher nimmt sich in ihrer Funktion als Ombudsfrau den Problemen von F. an: Er wünsche sich ein wenig mehr Geld für den täglichen Bedarf und fragt, ob es tatsächlich nötig sei, die Essensgutscheine jeweils auf dem Amt abzuholen. Weiter hofft er auf Hilfe bei seiner Wohnungssituation. Die Ombudsfrau nimmt mit der zuständigen Sozialarbeiterin Kontakt auf. «Es ist wichtig, miteinander konstruktive Lösungen zu finden», erklärt Bernadette Zürcher. Im vorliegenden Fall hat die kantonale Ombudsfrau erreicht, dass F. den ihm zustehenden Grundbedarf auf ein Konto überwiesen bekommt. Dies jeweils in zwei Raten. Weiter wurde ein Notzimmer organisiert, in das der 33-Jährige gleichentags habe einziehen können. Eine stationäre Therapie, die Ende 2017 verfügt worden ist, verweigert er aber weiter.

Die kantonale Ombudsstelle ist dafür da, bei Konflikten zwischen Bürgern – Privaten oder Verwaltungsangestellten – und Behörden zu vermitteln. Bernadette Zürcher ist seit einem Jahr im Amt. «Ich habe eine gut aufgegleiste und organisierte Ombudsstelle von meiner Vorgängerin, Katharina Landolf, übernommen. Sie war die erste Ombudsfrau im Kanton Zug und hat die Stelle etabliert», lobt sie und fügt hinzu, dass sie die Stelle als bei der Bevölkerung anerkannt erlebe.

«Diese Akzeptanz erleichtert mir die Arbeit.»

Weiter schätzt sie die Kleinräumigkeit und die kurzen Verwaltungswege im Kanton Zug. «Ich erlebe die Verwaltung als schnell, pragmatisch und lösungsorientiert», fasst Zürcher zusammen.

26 Fälle mehr als im Jahr zuvor

Ihr Hintergrund als Juristin helfe bei der Tätigkeit als Ombudsfrau, erklärt Zürcher. Denn sie werde oft aufgesucht, um Entscheide zu übersetzen. «Ich wecke Verständnis beim Gegenüber, wenn ich einen kantonalen oder kommunalen Entscheid in einer verständlichen Sprache erkläre.» Oft reiche es aus, bei einem Beratungsgespräch zu erklären, warum etwa die zahlreichen Formulare ausgefüllt werden müssen. «Ich versuche, das komplexe System beispielsweise im Sozialversicherungsrecht zu erklären und durch den Dschungel der Zuständigkeiten zu führen. Das erspart auch der Verwaltung viel Arbeit», erklärt Zürcher. Die Ombudsstelle sei eine niederschwellige Anlaufstelle, deren Beratungen nichts kosten würden. Ein Gespräch dauert in der Regel eine Stunde, oft sind es mehrere, die geführt werden. «Falls eine Intervention gewünscht wird, wird auch die Gegenseite angehört. Alle erhalten die gleiche Plattform.»

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass 2019 147 Fälle eingegangen sind. Das sind 26 Fälle mehr als im Vorjahr. Erledigt hat die Ombudsstelle 141 Fälle, per Ende Jahr waren noch acht Fälle pendent (zwei waren es im Vorjahr). Neben Zürcher arbeiten ein Mitarbeiter, der gleichzeitig Stellvertreter ist, und eine administrative Mitarbeiterin in der Ombudsstelle mit. «Wir sind gut ausgelastet», zieht die Ombudsfrau das Fazit. In der Erhöhung der Fallzahl sieht Bernadette Zürcher keinen Trend, sondern verweist auf die Schwankungen der vergangenen Jahren.

Die meisten sind zwischen 45 und 54 Jahre alt

Laut Jahresbericht war der Geschlechteranteil beinahe ausgeglichen; mit einem Anteil von 38 Prozent waren die meisten im Alter zwischen 45 und 54 Jahre alt. «Ein Querulant ist sehr selten. Man muss Abstand nehmen vom Bild des typischen Wutbürgers», weiss Zürcher. So sei sie auch nicht das Ziel allfälliger Wut.

«Ich bin eine neutrale und unabhängige Anlaufstelle. So werde ich auch wahrgenommen.»

Gemäss Statistik des Jahresberichtes fällt auf, dass im Kanton das Schwergewicht der Beschwerden die Direktion des Innern (Kesb), die Sicherheitsdirektion (Polizei und Strassenverkehrsamt) und die Gesundheitsdirektion (IV-Stelle und AHV-Ausgleichskasse) betreffen. Kommunal beschäftigen vor allem Fälle aus dem Sozialhilferecht, Baurecht und Schulwesen. Zürcher stellt fest: «Das Fehlen von günstigem Wohnraum ist oft Thema.»