Reportage
Zuger Parlamentsbetrieb zwischen Basketballkörben und Sprossenwänden

Als erstes Zentralschweizer Parlament seit dem Lockdown hat der Zuger Kantonsrat seinen Betrieb wieder aufgenommen. Trotz anderer Umstände war vieles wie immer.

Andrea Muff
Merken
Drucken
Teilen
Der Zuger Kantonsrat tagt coronabedingt in der Dreifachturnhalle der Kanti Zug.
19 Bilder
Zugangskontrolle am Eingang zur Dreifachturnhalle.
Barbara Gysel (SP) trägt eine Schutzmaske.
Die Zugänge sind vorgeschrieben.
Jeder Kantonsrat sitzt an seinem eigenen Pult.
Regierungsrat Stephan Schleiss bei einem Radio-Interview.
Desinfektionsmittel.
Impressionen vom improvisierten Kantonsratssaal.
Die 2-Meter-Regel wird eingehalten.
Auch Kaffee gibt es jeweils nur für 1 Person.
Das Interesse an der ersten Kantonsparlamentssitzung in der Zentralschweiz seit Ausbruch der Pandemie ist gross.
Der Zuger Regierungsrat Stefan Schleiss.
Regierungsrat Beat Villiger (CVP) spricht.
Regierungsrat Heinz Tännler (SVP)
Blick in die Turnhalle.
Die Kantonsräte verfolgen die Redner.
Viel Platz in der Dreifachturnhalle in der Kantonsschule Zug.
Der Kantonsrat tagt auch hinter Glas.
Ein Redner spricht am Pult.

Der Zuger Kantonsrat tagt coronabedingt in der Dreifachturnhalle der Kanti Zug.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 30. April 2020)

Männer in Hemd und Krawatte, Frauen in Blazer und Bluse: Auf den ersten Blick sieht alles aus wie immer. Der Eindruck täuscht. Denn der Zuger Kantonsrat tagt nicht etwa im Regierungsgebäude, sondern in der Dreifachturnhalle der Kantonsschule in Zug. Anstelle der Wappen der Zuger Gemeinden zieren Sprossenwände und Basketballkörbe die Wände. In Zug kam am Donnerstagvormittag zum ersten Mal seit dem Lockdown das Parlament zusammen – als erstes der Zentralschweiz.

Die Eingangskontrolle zur Dreifachturnhalle der Kantonsschule in Zug.

Die Eingangskontrolle zur Dreifachturnhalle der Kantonsschule in Zug.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 30. April 2020)

Dass es nicht so wie immer sein wird, ist nicht nur der Lokalität geschuldet: Bereits auf dem Weg über den Pausenplatz empfangen Polizisten die Parlamentarier und Medienschaffenden. In das Gebäude gelangt man durch verschiedene Eingänge. Die Polizistin, welche die Akkreditierung überprüft, sitzt hinter einer provisorisch aufgestellten Plexiglasscheibe und trägt einen Mundschutz. Gesprochen wird wenig.

Der Ausblick von der hintersten Reihe

Im Regierungsgebäude sitzen die Medienschaffenden neben dem Regierungsrat und können daher die jeweiligen Reaktionen auf Voten direkt auf den Gesichtern der Parlamentarier ablesen. Es wird gelacht und geflüstert, bei Unstimmigkeiten vehement den Kopf geschüttelt oder zustimmend gestikuliert. Am Donnerstag in der Turnhalle allerdings ist es ruhig. Zur Begrüssung wird genickt und die Reaktionen sind höchstens von hinten abzulesen. Die Medien sitzen in der hintersten Reihe und haben damit den ganzen Raum im Blick. Auffällig ist: Gespräche innerhalb der Fraktionen gibt es wenige bis keine; ein Umherlaufen zwischen den Tischen ist selten.

Mit Abstand zueinander: Die Tische der Parlamentarier stehen zwei Meter voneinander entfernt.

Mit Abstand zueinander: Die Tische der Parlamentarier stehen zwei Meter voneinander entfernt.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 30. April 2020)

Die Tische des 80-köpfigen Gremiums stehen zwei Meter auseinander und sind nach der üblichen Sitzordnung zum Regierungsratspult hin ausgerichtet. Die sieben Regierungsräte haben mehr Platz als sonst – auch sie halten den Abstand ein. Wie auch Kantonsratspräsidentin Monika Barmet, die zusammen mit ihrer Vizepräsidentin Esther Haas (ALG/Cham), wie üblich direkt hinter der Regierung sitzt.

«Frässpäckli» und Kaffeemaschine

Zu Beginn der Sitzung verweist Monika Barmet (CVP/Menzingen) auf die Wichtigkeit hin, dass das Parlament tagen kann. «Damit das möglich wurde, dafür danke wir allen Beteiligten», sagt sie und erntet grosser Applaus. Weiter findet keine Pause statt, jedoch hat jeder im Raum neben seinem Platz ein «Frässpäckli»: Zwei Sandwiches, Wasser, einen Apfel, ein Schoggistängeli, Taschentücher und eine Schutzmaske. Nur ganz wenige tragen eine solche.

Barbara Gysel (SP/Zug) mit Schutzmaske. Eine der wenigen.

Barbara Gysel (SP/Zug) mit Schutzmaske. Eine der wenigen.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 30. April 2020)

Die Kaffeemaschine durfte hingegen nicht fehlen. Um lange Warteschlangen auf den engen Gängen zu verhindern, gibt es mehrere. Diese stehen in der Garderobe. Zutritt bitte einzeln, sagt ein Schild am Eingang. Die Tür wurde vorsichtshalber ausgehängt, sodass keiner die Klinke drücken muss. Auch die Türen zu den Toiletten stehen offen.

Der Weg zur Kaffeemaschine ist frei.

Der Weg zur Kaffeemaschine ist frei.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 30. April 2020)

Das Fazit der ersten Sitzung: Vieles war wie immer. Philip C. Brunner (SVP/Zug), der seinen Worten mit seinem Fuss – Anastas Odermatt (ALG/Steinhausen) mit seinen Händen – Nachdruck verleiht, oder Monika Barmet, die durch Humor und straffe Ratsführung überzeugte. Wie in einer Turnhalle üblich, waren auch die Parlamentarier sportlich unterwegs: «Ja, wir müssen viel mehr laufen, bis wir beim Rednerpult sind», sagte Hubert Schuler (SP/Hünenberg) darauf angesprochen, was denn anders sei. Dem Direktor des Innern, Andreas Hostettler (FDP), fiel auf: «Es ist viel ruhiger. Alle sind fokussierter.» Das gefiel auch der Kantonsratspräsidentin. Monika Barmet sagt: «Es war noch nie so ruhig. Ich überlege mir, diesen Tagungsort beizubehalten.»

Kantonsratspräsidentin Monika Barmet wirkt auch in ungewohnten Situationen souverän.

Kantonsratspräsidentin Monika Barmet wirkt auch in ungewohnten Situationen souverän.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 30. April 2020)

Das Newsvideo von Tele 1 zum Thema: