Zuger Pflegeheimbewohner haben «grosses Verständnis»

Noch gilt in den Zuger Pflege- und Altersheimen keinen generellen Aufnahmestopp. Eine Umfrage zeigt, freie Betten gibt es kaum.

Andrea Muff
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Die momentane Situation betrifft auch auf die Aufnahme von Bewohnern in Seniorenzentren im Kanton Zug. Wie sieht es aus, wenn Bewohner etwa von Zuhause in ein Alters- und Pflegeheim wechseln wollen? Die kantonale Gesundheitsdirektion hat diese Frage bereits diskutiert und beschlossen. «Die momentane Situation rechtfertigt keinen generellen Aufnahmestopp für Pflege- und Altersheime», gibt Gesundheitsdirektor Martin Pfister Auskunft.

Im Einzelfall könne jedoch vor der Aufnahme ins Pflegeheim eine Prüfung des Gesundheitszustands der pflegebedürftigen Person angezeigt sein, damit die notwendigen Massnahmen zum Schutz der übrigen Bewohner, wie etwa Isolation oder Quarantäne, ergriffen werden können. «Die Entscheidung über allfällige Massnahmen oder eine Prüfung wird vom zuständigen Heimarzt, gegebenenfalls in Absprache mit dem Kantonsarzt, getroffen», erklärt Pfister weiter.

Vorsorgliche Isolierung ist möglich

So nehmen die Stadtzuger Alterszentren – zu denen das Zentrum Frauensteinmatt, das Zentrum Herti und das Zentrum Neustadt gehören – immer noch Bewohner auf, so Geschäftsleiter Peter Arnold. «Wir verzichten aber momentan darauf, dass wir das Haus zeigen oder die Mitarbeiter extra vorstellen», schränkt er ein. Die Leitung Pflege und Betreuung vom Zentrum Neustadt Margot Akahomen sagt: «Wir hatten den Fall noch gar nicht, dass ein Bewohner von Zuhause zu uns kommen sollte.» Man würde den Fall aber mit dem zuständigen Arzt und den Angehörigen anschauen, um zu prüfen, mit wem der Bewohner in Kontakt gestanden habe. Es bestünde im Weiteren die Möglichkeit, eine Person, die potenziell infiziert sein könnte, vorsorglich zu isolieren. «Da wir Einzelzimmer haben, ist das durchaus eine Möglichkeit», erklärt Akahomen weiter.

Mit Aufnahme zurückhaltend

Das Chlösterli in Unterägeri hatte ebenfalls noch keinen solchen Fall. «Wir hatten noch ein Reservezimmer, das wir nun für einen Feriengast benötigen, der aus der momentanen Situation seinen terminierten Ferienaufenthalt verlängern möchte», sagt Geschäftsleiter Paul Müller. Das heisst, im Chlösterli gibt es derzeit keine freien Betten. «Generell sind wir momentan bei der Aufnahme von Eintritten von Zuhause zurückhaltend. Wir möchten vielmehr, wenn wir freie Betten haben, diese zum jetzigen Zeitpunkt Patienten aus dem Spital zur Verfügung stehen, falls von dort neue Bewohner verlegt werden müssten», fügt er hinzu. Im Zentrum Dreilinden in Rotkreuz merkt man die aussergewöhnliche Situation auch in der Anzahl der Bettennachfrage, welche zurückgegangen sei. Geschäftsleiter Felix Reichmuth sagt:

«Wir merken, wenn es nicht unbedingt nötig ist, ziehen keine neuen Bewohner zu uns.»

Ein Wechsel in ein Heim sei immer auch mit Emotionen verbunden. Das seelische Wohl der Bewohner liege in solchen Zeiten nebst der Gesundheit im Fokus: «Das Abstandhalten unter den Bewohnern und das inzwischen abgesagte Unterhaltungsprogramm hat den Alltag generell verändert», erklärt Reichmuth. So sei man mit den Heimseelsorgerinnen und dem Aktivierungsteam dran, mit welchen Mitteln man gegen eine allfällige Langeweile unter den Bewohnern vorgehen kann. Im Seniorenzentrum Weiherpark in Steinhausen sei man ebenfalls dran, das hausinterne Aktivitäten-Programm zu erweitern, erklärt Geschäftsleiter Patrick Müller und fügt hinzu:

«Unsere Bewohner haben grosses Verständnis für die ‹spezielle Situation› und es herrscht eine gute und respektvolle Stimmung.»

Den Innenhof habe man bereits mit Bänken und Tischen bestuhlt und mit vielen Blumen dekoriert. «Normalerweise machen wir das erst Ende April», sagt Patrick Müller.

Um die Bewohner beschäftigt zu halten, haben sich die Stadtzuger Alterszentren schon einiges überlegt: «Im Zentrum Herti wurde bereits eine interne Zeitung lanciert mit Sudokus und Kreuzworträtsel», erzählt Peter Arnold. Auch wird auf den Smartphones, die auf der Pflege genutzt werden für die mobile Pflegedokumentation, Whatsapp installiert. «So können die Bewohner mit den Angehörigen Videoanrufe machen.»