Zuger Raiffeisenbanken setzen auf Digitalisierung

Der Zuger Verband der Raiffeisenbanken blickt auf ein ansprechendes vergangenes Geschäftsjahr.

Harry Ziegler
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Dienstleistungen wie Bargeldbezüge erfolgen meist an Bancomaten und nicht mehr an bedienten Schaltern.

Dienstleistungen wie Bargeldbezüge erfolgen meist an Bancomaten und nicht mehr an bedienten Schaltern.

Archivbild: Chris Iseli

Vorweg: Die sechs Raiffeisenbanken mit ihren 11 Geschäftsstellen im Kanton Zug kämpfen mit denselben Problemen, wie die anderen Banken auf dem Platz Zug – Digitalisierung, Negativzinsen, angespannte Lage auf dem Immobilienmarkt. Dennoch sind die im Zuger Verband der Raiffeisenbanken zusammengeschlossen Banken 2019 weiter gewachsen. «Wenn auch moderat», wie Verbandssprecher Matthias Brunner am Mittwoch an einer Medienorientierung sagte.

Das zeige sich zwar nicht unbedingt am Gewinn der Bank, der gegenüber 2018 um 5,9 Prozent auf 23,85 Millionen Franken (2019) gesunken ist. Dieser Rückgang resultiert laut Brunner aus einem höheren Geschäftsaufwand und einem rückläufigen Ertrag aus dem Zinsgeschäft. «Wir sind zufrieden mit dem Resultat», erklärte Brunner. Insbesondere, weil die Zuger Raiffeisenbanken bereits allfällig strengere Regulatorien der Finma bezüglich Eigenkapitalquote erfülle. «Die Zuger Raiffeisenbanken stehen auf einem absolut soliden Fundament», erklärte Brunner. Dies zeige sich in der Entwicklung der Bilanzsumme. Diese habe 2019 5,56 Milliarden Franken betragen und lag um 3,7 Prozent höher als im Vorjahr.

Schalterhallen als Auslaufmodelle

«Die klassische Schalterhalle verschwindet nach und nach bei Raiffeisen», sagte Michael Iten, Präsident des Zuger Verbandes der Raiffeisenbanken. Bereits heute nutzen 93 Prozent der Kundinnen und Kunden Dienstleistungen der Banken in Selbstbedienung. So wird der Zahlungsverkehr aktuell zu 85 Prozent über das elektronische Banking gemacht. Nur noch Bargeld in einer Schalterhalle beziehen, das sei nicht das klassische Bankgeschäft, jedoch ein Teil der Bankdienstleistungen. Aber durch die Digitalisierung ein Teil, der mehr und mehr an Bedeutung verliere. Stetig an Bedeutung jedoch gewinne das Beratergeschäft. Darauf setzen die Zuger Raiffeisenbanken auch in der Ausgestaltung ihrer Geschäftsräume. Beispiel dafür ist die Raiffeisenfiliale im Bahnhof Zug. Die klassische Schalterhalle ist hier modernen Besprechungszimmern gewichen.

Quelle: Zuger Verband der Raiffeisenbanken

Digital hingegen befinden sich sämtliche Raiffeisenbanken der Schweiz in der Offensive. So auch jene im Kanton Zug. Entsprechend der steigenden Nachfrage nach elektronischen Finanztransaktionen hat Raiffeisen ein neues IT-System eingeführt. Zudem läuft mit Raiffeisen Börse ein neues digitales Angebot. Hinzu kommen zwei Apps – ein Vorsorgeradar, sowie ab Frühling eine App zur digitalen Vermögensverwaltung.

Zwar sei die Nachfrage nach Hypotheken und Wohneigentum im Kanton Zug weiter hoch. Die Hypothekarforderungen der Raiffeisenbanken Zug stiegen 2019 auf 4,36 Milliarden Franken (2018: 4,3 Milliarden Franken). Das hohe Preisniveau der Immobilien in Zug bereite allerdings etwas Sorge, so Brunner.

Die Zuger Raiffeisenbanken bekamen den Wettbewerb im Zinsgeschäft zusammen mit den Negativzinsen denn auch zu spüren. Hier ist der Netto-Erfolg gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozent, rund 600000 Franken, zurückgegangen. Dieser Rückgang konnte jedoch durch Steigerungen von gut 500000 Franken (Erfolg 2019: 8,43 Milliarden Franken) aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft fast wettgemacht werden.