Zuger reisen zum Praktikum ins Reich der Mitte

Drei Zuger Lernende des GIBZ berichten von ihren Erfahrungen während ihres Aufenthalts in Shanghai.

Marco Morosoli
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Die Lehrlinge Ibish Tola, Florian Kessascheck und Rolf Kreis (von links nach rechts) durften die chinesische Arbeitswelt kennen lernen. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 4. November 2019)

Die Lehrlinge Ibish Tola, Florian Kessascheck und Rolf Kreis (von links nach rechts) durften die chinesische Arbeitswelt kennen lernen. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 4. November 2019)

Es ist ein Privileg, dass Florian Klessascheck, Ibish Tola und Rolf Kreis kürzlich nach Shanghai reisen konnten. Die drei Lehrlinge des Gewerblich-Industriellen Bildungszentrums Zug (GIBZ) konnten sich für dieses Berufspraktikum in China aber gar nicht bewerben – sie wurden im Rahmen eines Talentförderprogramms von ihren Lehrbetrieben und dem GIBZ ausgewählt.

Dieses internationale Mobilitätsprojekt gehört zu einem Förderprogramm des Bundes für die Berufsbildung und wird gemeinsam von den Kantonen Zürich, Schaffhausen, Luzern sowie dem GIBZ (Kanton Zug) organisiert. Zum Programm für die rund 30 teilnehmenden Lernenden gehörten neben den Praxiseinsätzen auch Sprachlektionen, Netzwerkevents und kulturelle Erlebnisse – eine einmalige Chance für die berufliche und persönliche Entwicklung der Jugendlichen. Das Arbeitsprogramm ist im Prospekt wie folgend umschrieben: «Sie lernen eine faszinierende, ganz andere IT-Welt in China kennen und arbeiten in lokalen Firmen oder Start-ups.»

Beim Arbeiten sind die Chinesen sehr schweigsam

Der angehende Informatiker Florian Klessascheck (19), der für die Brabender Group in Unterägeri tätig ist, erinnert sich ans Arbeiten in Shanghai: «Alles war chaotischer als in der Schweiz. Ich arbeitete im Projekt Tokymaker mit, einem System, das man mit einer blockartigen Programmiersprache programmiert und wo auch LED, Servomotor, Potenziometer, Distanzsensoren, Relais und vieles mehr zum Einsatz kommen.» Ebenso hat der Hünenberger ein Monitor-App-Projekt begleiten können, wo mit Sensoren die Raumqualität, zum Beispiel Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder CO2-Gehalt gemessen werden. Klessascheck zieht eine positive Bilanz: «Der Shanghai-Aufenthalt hat sich gelohnt und auch Spass gemacht.»

Der Elektroniker Rolf Kreis (19, Roche Diagnostics, Rotkreuz) hat mit seiner Projektgruppe Bestandteile eines selbstfahrenden Gefährts produziert und verbaut. Ibish Tola, Systemtechniker (23, ITpoint Systems, Rotkreuz) ist aufgefallen, dass während dem Arbeiten kaum gesprochen wird. Dafür geht es zum Beispiel in Restaurants umso lauter zu und her. Tola hat das lokale Netzwerk in «seiner chinesischen Firma» optimieren können. Dafür gaben ihm die Verantwortlichen vor Ort die Erlaubnis, das gesamte Netzwerk einfach «abzuwürgen», um es neu aufzusetzen – was bei uns in der Schweiz undenkbar sei. Was Tola abseits der Arbeit toll gefunden hat, ist der Austausch mit den Lernenden aus anderen Kantonen.

«Wir sind sehr stolz»

(mo) Die Lehrbetriebe der drei Lehrlinge, welche am Förderprogramm in Shanghai teilnehmen konnten, sind voll des Lobes. So sagt Michael Böbner von der Firma ITpoint Systems: «Wir sehen den Knowhow-Transfer intern, wie auch extern als essenziell wichtig an. Wir sind stolz, dass unser Lernender zu den ausgewählten Teilnehmern gehört.»

Markus Kälin, Leiter Berufsbildung bei Roche Diagnostics in Rotkreuz, sagt: «Wir sind überzeugt, dass ein Berufspraktikum in Shanghai eine wertvolle Lebens- und Arbeitserfahrung ist.» Thomas Brabender, CEO der Brabender Group in Unterägeri, ergänzt: «Durch vielseitige Erfahrungen, zum Beispiel einen China-Aufenthalt, sollen Selbstvertrauen, Ideenvielfalt und fachliche Anregungen geschult werden.»

Diese Statements zeigen, dass die Lehrbetriebe das aussereuropäische Austauschprogramm begrüssen, welches in jeder Hinsicht den Horizont erweitert.

Mittlerweile sind die drei Zuger Lehrlinge wieder in die Schweiz zurückgekehrt und verarbeiten ihre mannigfaltigen Erlebnisse. Im Sommer steht bei ihnen die Lehrabschlussprüfung an. Für Klessascheck brachte das Praktikum in Shanghai noch eine weitere Erkenntnis: Er weiss jetzt, welches Thema er für seine Abschlussarbeit vertiefen wird.

Die nächsten Shanghai-Aufenthalte für Lernende Informatik und Elektronik sind für 2020 geplant. Wiederum gilt: Nur die Talentiertesten werden zum Zug kommen. Das mag für viele Berufslernende ein zusätzlicher Ansporn zu Topleistungen sein. Seit gut sechs Jahren ermöglicht das GIBZ seinen Lernenden auch spannende Auslandspraktika in Europa, die allen engagierten Jugendlichen offenstehen.

Hinweis: Mehr Informationen zum Auslandaufenthaltsprogramm unter: mobil.gibz.ch