Kolumne

Zuger Ruedi Leuppi unterstützt seit 16 Jahren ein Spital in Afrika

Der pensionierte Urologe Ruedi Leuppi erzählt von seinem Alltag in Zeiten des Coronavirus. 

Aufgezeichnet von Cornelia Bisch
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Ruedi Leuppi (78, pensionierter Urologe), Zug

Ruedi Leuppi (78, pensionierter Urologe), Zug

Bild: PD

Ich hatte für Ostern meine hundertste Reise nach Afrika geplant. Seit 16 Jahren unterstütze ich ein Spital in Dabou an der Elfenbeinküste. Mehrmals im Jahr reise ich dorthin, bringe grosse Mengen an Medikamenten, Instrumenten, Materialien, Apparaten und auch Personal aus der Schweiz, das auf freiwilliger Basis die Leute vor Ort schult. Nun konnte ich diese Reise wegen des Coronavirus nicht antreten. Seither habe ich schlaflose Nächte, denn ich weiss, wie sehr die Menschen im abgelegenen Dabou auf meine Hilfe angewiesen sind. Im Moment fehlen vor allem Schmerz- und Narkosemittel sowie Medikamente für die Geburtshilfe. Wenn ich sie nicht liefere, sterben die Menschen. So entsetzlich einfach ist das.

Ich habe versucht, via Skype den Kontakt zum Spital aufrechtzuerhalten und die Angestellten über Internet weiter zu schulen. Aber oft gibt es keine Internetverbindung oder keinen Strom in dieser Gegend, sodass ich die Leute nur sporadisch erreiche. In Zusammenarbeit mit der Schweizer Botschaft an der Elfenbeinküste ist es mir jedoch gelungen, den Lufttransport von 100 Kilogramm Material zu organisieren, damit das Spital wenigstens mit dem Nötigsten versorgt wird. In afrikanischen Spitälern ist man den Umgang mit Infektionskrankheiten wie Malaria oder Tuberkulose gewöhnt. Wir könnten also eigentlich auch mit Covid-19 gut umgehen. Aber der Medikamentennachschub muss natürlich gewährleistet sein.

Gesundheitlich geht es mir selbst gut. Aber ich mache mir die grössten Sorgen, auch, was die Zukunft des Spitals betrifft. Europa wird nun magere Jahre vor sich haben. In dieser Situation geht die Spendenbereitschaft stark zurück. Ich versuche, überall Geld zu sammeln für meine Stiftung. Aber es wird immer schwieriger. Ob ich weiterhin genügend Material werde liefern können, steht in den Sternen. Das Spitalteam in Dabou und ich haben so viel gemeinsam erreicht. Ich bin dort akzeptiert und anerkannt. Wenn ich meine Arbeit nicht fortsetzen kann, hat das katastrophale Folgen. Das macht mir schwer zu schaffen.

In dieser Kolumne beschreiben Zugerinnen und Zuger, wie sich die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus auf ihren Alltag auswirken.

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