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Mann hat das Nachsehen: Zuger Scheidungsurteil wirft Fragen auf

Das Paar wurde Ende letzten Jahres zwar offiziell geschieden, das Schlimmste steht aber noch bevor. Es geht um die Obhut der Kinder und vor allem auch darum, ob die Frau ihrem Ex-Mann künftig Unterhalt zahlen muss. Dieser lebt nun an der Armutsgrenze.
Thomas Heer
Die Ehe ging in die Brüche und brachte einen Zuger an seine finanziellen Grenzen. (Symbolbild Martin Gerten/DPA/Keystone)

Die Ehe ging in die Brüche und brachte einen Zuger an seine finanziellen Grenzen. (Symbolbild Martin Gerten/DPA/Keystone)

Dann und nur dann, wenn Peter Müller* von seinen Kindern erzählt, kämpft er jeweils gegen die Tränen an. Er, der heute bald 57-Jährige, hat sich immer eine Grossfamilie gewünscht. So wie er es selber in der Jugend erleben durfte, als er zusammen mit seinen fünf Geschwistern in einfachen Verhältnissen aufwuchs.

Auf seinem Lebensweg hatte das Schicksal für Müller aber so einige böse Überraschungen parat. Es war vor über dreissig Jahren, als die Ärzte bei ihm ein fast totales Versagen der Nieren feststellten. Kein Weg führte an einer Transplantation vorbei. Die Operation glückte, das Organ funktioniert bis heute, dies auch dank starker Medikamente. Die Tabletten muss er täglich zu sich nehmen. Darunter litt lange auch seine Fähigkeit, Kinder zu zeugen. Umso glücklicher fühlte sich Peter, als er dann endlich als Mittvierziger zum ersten Mal Vater wurde. Heute hat er zwei Söhne, elf und neun Jahre alt.

Im Jahr 2006 heiratete Peter die Liebe seines Lebens, die zehn Jahre jüngere Liz*. Liz und Peter waren beruflich beide sehr erfolgreich unterwegs. Er arbeitete bei einem Erdölkonzern, sie bei einem Rohstoffhändler. 2008 kam es zur folgenschweren Entscheidung. Peters Firma dislozierte vom Kanton Zug nach Genf. Ein Umzug in die Westschweiz kam nicht in Frage. Also entschloss sich Peter, fortan die Rolle des Hausmannes zu übernehmen. Er gestaltete den Alltag zusammen mit seinen Söhnen.

Die Buben besuchten auch eine Kita, und zwar an drei Tagen die Woche und das in der Zeit von 8.30 bis 13.30 Uhr. Im Schreiben, datiert vom 7. September 2018 und unterzeichnet von einem Geschäftsleitungsmitglied, wird dieser Sachverhalt bestätigt. Weiter heisst es: «Die Ansprechperson war Herr Müller in dieser Zeit für uns. Das heisst, bei offenen Fragen oder Krankheiten der Kinder wurde er kontaktiert.» Dies ist insofern von Bedeutung, als es nach der Scheidung auch darum geht, wer künftig für die Obhut der Kinder zuständig ist, Liz oder Peter oder aber beide zusammen. Denn im entsprechenden Kantonsgerichtsurteil heisst es, die Obhut der Kinder werde der Mutter zugesprochen.

Mit anderen Worten: Obwohl Peter ab 2008 grossmehrheitlich für Kevin und Lukas sorgte, geht der Vater in Sachen Obhut leer aus. Für ihn bleibt ein bescheidendes Besuchsrecht, das sich vor allem auf jedes zweite Wochenende fokussiert.

Scheidung nach hohem Geldsegen

Rückblende: Zur Scheidung von Peter und Liz kam es, nachdem sie dem Gatten im September 2012 eröffnet, sie wolle sich von ihm trennen. Zuvor, 2011 passierte noch folgendes: Liz hängte ihren Job an den Nagel. Dies nachdem ihr Arbeitgeber, ein weltweit tätiger Rohstoffkonzern, an die Börse ging. Als Kaderfrau war Liz am Aktienkapital der Firma beteiligt. Das Initial Public Offering, wie es im Jargon heisst, machte Top-Managerin Liz von einem Tag auf den anderen zur Multimillionärin. Und allein «in den Jahren 2013–2015 erhielt die Beklagte (das heisst Liz; Anm. d. Red.) Dividenden in Höhe von durchschnittlich CHF 648 000 Franken», wie Peters Anwalt in seiner Berufungsschrift ans Zuger Obergericht schreibt.

Das Verblüffende am Urteil des Zuger Kantonsgerichts ist nicht nur, dass Peter die gemeinsame Obhut der Kinder aberkannt wird. Mindestens so aussergewöhnlich ist die Tatsache, dass Multimillionärin Liz an ihren Gatten keinerlei Unterhaltszahlung leisten muss. Und um genau diese beiden Punkte wird es bei der kommenden Auseinandersetzung vor Obergericht gehen. Zum ersten Punkt hat das Kantonsgericht eine klare Haltung. Der bald 57-jährige Peter sei sehr wohl in der Lage, seinen Lebensunterhalt wieder selber zu bestreiten. Trotz Hunderten von Bewerbungen steht Peter nach wie vor ohne Job da und er ist mittlerweile auch an Krebs erkrankt. Er lebt am Existenzminimum und wird von Bekannten und Freunden finanziell unterstützt. Von der Abgeltung der güterrechtlichen Ansprüche in der Höhe von rund 1,2 Millionen Franken, zu der das Kantonsgericht die Ex-Gattin verpflichtet hat, hat Peter bislang noch nichts gesehen. Dabei geht es um den Anteil der gemeinsam erworbenen Villa. Die Immobilie gehört zur sogenannten Errungenschaft, die nach der Scheidung hälftig geteilt wird. Solange das Verfahren aber läuft, sieht Peter Müller weiterhin keinen Rappen.

Hinweis: * Namen von der Redaktion geändert.

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