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ZUGER SCHLAGZEILEN VON DAMALS: Fake News, Wetter und Fasnachtsmuffel

Vor 150 Jahren zeigen die Ausgaben der «Neuen Zuger-Zeitung» einige Parallelen zu heute auf: So findet auch eine Schule in einem Menzinger Weiler Erwähnung in einer der Februar-Ausgaben.
Andrea Muff
Die Titelseite der Neuen Zuger Zeitung vom 15. Februar 1868

Die Titelseite der Neuen Zuger Zeitung vom 15. Februar 1868

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Zu allererst: Auch vor 150 Jahren war man nicht gefeit vor sogenannten Fake News. Ausgangspunkt des Beispiels ist die damalige Situation in Spanien. Die Königin habe die katholische Religion als das «Schutzheiligtum» erklärt und dem Papst Truppen zur Unterstützung geschickt. Zur gleichen Zeit soll in Spanien eine Revolution zu Gange sein, daran zweifelt aber der Chronikschreiber von der «Neuen Zuger-Zeitung» am 1. Februar 1868. Er schreibt von «lügenhaften Korrespondenten», die behaupten würden, dass «die Revolutionäre überall mit Begeisterung aufgenommen werden» und fügt an: «Nachher ist freilich alles nichts! Dann wird weiter berichtet, wie eine Menge der angesehensten Männer verbannt oder erschossen worden seien und bei genauem Nachsehen ist’s abermals völlig erlogen.» Der Chronikschreiber weiss weiter, dass «seit Monaten, kein Mensch wegen politischer Verbrechen geächtet oder als Brigant erschossen worden» sei.

Im Hornung – der alte deutsche Name für den Monat Februar – beschäftigt vor allem die finanzielle Situation Italiens. Der Chronist führt ein Zitat der englischen «Times» ins Feld: «Es (Italien, Anm. d. Red.) geht zu Grunde, an der Schlechtigkeit und Unfähigkeit seiner Regierung.» Eine Woche später zieht der Chronist das Fazit: «Der italienische Staat hat’s grad wie viel ander Leut: Er lebt von der Hand in den Mund.» Einen kleinen Hoffnungsschimmer gebe es aber, denn «die Kammer hat das Budget provisorisch für zwei Monate genehmigt.» Vor 150 Jahren gehörten budgetlose Zustände zur Normalität, wie sie auch heute noch vorkommen.

Schneefall im Juni

Eine weitere Parallele zu heute: Momentan zieht ein eisiger Wind durch die Gassen und ist Thema unserer Berichterstattung. Auch vor 150 Jahren beschäftigt das Wetter Zeitungsmacher wie Leser. Die «Neue Zuger-Zeitung» wirft im Februar 1868 einen Blick zurück auf die Landwirtschaft und damit auch auf das Wetter. Vorweg: «Das Jahr 1867 darf, kurz zusammengefasst, hinsichtlich unserer unverkennbar intensiv betriebenen Rindviehhaltung, respektive Futterwuchs, als ein glückliches bezeichnet werden.» Einige Daten: Der erste Heuschnitt erfolgte «schon» am 28. Mai. Bis zur ersten Juniwoche herrschte auch heisses Wetter. Doch der Umschwung liess nicht auf sich warten: «Brachte uns dann auch der Brachmonat (Juni) mehrere nasse und selbst kalte Tage – Mitte desselben schneite es im Ägerital und am 17. gewahrte man sogar in den Niederungen an einigen Orten Reif», schreibt der Journalist. Die Heusammlungen hätten aber rechtzeitig erfolgen können. Hingegen machte der September den Landwirten einen Strich durch die Rechnung: «Das sogenannte Herbstgras, das durch die kalten Septembertage – am 27. und 28. war das Thermometer unter 3 Grad unter 0 – sehr litt und unergiebig ausfiel.» Der frühe Schneefall am 4. und 5. Oktober verdarb dann das Gras. Und dem nicht genug: Im Gegensatz zu den Rinderbauern sieht das Fazit der Obstbauern nicht so glücklich aus. «Äpfel gabs vorab höchst wenig, Frühbirnen ebenso und dazu qualitativ sehr geringe. Etwas besser sammelten sich die Spätbirnen.» Der Journalist fügt aber an, dass einige Getränkehändler «für bedeutende Summen Obst in der Thurgegend ankauften; eine Tatsache, die wohl noch nie da gewesen.»

Fasnacht fast verschwiegen

Und wie es der Zufall will: Auch Finstersee in Menzingen wird in der Februar-Berichterstattung erwähnt. Im Fokus steht eine neue Kirche, «deren Dachgiebel zwar noch unvollendet» ist. Dabei wird «das Verdienst der Händearbeit» des damaligen 350-Seelen-Weilers betont. «Wenn auch von den Glücksgütern nicht begünstigt (das steuerbare Vermögen beträgt nur zirka 160 000 Franken), unterhielt diese Nachbarschaft dennoch fast seit Beginn dieses Jahrhunderts eine eigene Schule auf eigene Kosten.» Gemäss der «Neuen Zuger-Zeitung» wurde das Schulhaus 1854 mit einem Kostenaufwand von zirka 10 000 Franken gebaut. Die Zukunft der Schule in Finstersee steht heuer an diesem Wochenende auf der Kippe, die Menzinger Bevölkerung befindet an der Urne über den Weiterbetrieb der Schule.

Die Fasnacht wurde in den Ausgaben von 1868 fast verschwiegen – erst am 29. Februar zeugt eine Erwähnung in der «Wochen-Chronik», dass sie tatsächlich stattgefunden hat. «So wäre also die Fasnacht glücklich überstanden und die Narretei vorbei, wenn sie nun nur auch samt aller Genusssucht und allem Übermut aus den Köpfen heraus wäre, so würde sich alles noch machen», schreibt der Chronist – anscheinend kein grosser Fürsprecher der fünften Jahreszeit. Er freut sich, «es ist wieder still und friedlich» und fügt hinzu: «Die Aschermittwoche mit ihrem ernsten ‹memento homo› ist schon darnach angetan, die Flausen aus dem Kopf zu vertreiben.» Damals wie heute ist nicht jedes Redaktionsmitglied ein Fasnächtler.

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