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Interview

Zuger Schönheitschirurgin: «Ich kann keine Probleme wegoperieren»

Als plastische Chirurgin hat Dorrit Winterholer zwei Tätigkeitsgebiete. Sie führt Schönheitsoperationen durch und rekonstruiert Körperteile – auch in den beiden Zuger Spitälern. Ein Gespräch im Brustkrebsmonat Oktober.
Christopher Gilb
Dorrit Winterholer im Villettepark. Seit 2018 praktiziert sie auch in Cham. (Bild: Maria Schmid, 10. Oktober 2019)

Dorrit Winterholer im Villettepark. Seit 2018 praktiziert sie auch in Cham. (Bild: Maria Schmid, 10. Oktober 2019)

Lassen Sie uns zuerst über die Schönheitschirurgie sprechen. Wenn man den Beruf plastische Chirurgin hört, denkt man doch als Erstes daran.

Dorrit Winterholer: Und hat leider oft nur Bilder von Schlauchbootlippen und überdimensionierten Brüsten im Kopf, daran sind auch die Medien schuld.

Und Bilder von Leuten, die wohl besser zum Psychologen als zum Schönheitschirurgen gegangen wären.

Wenn Patienten labil sind oder unrealistische Vorstellungen habe, nehme ich keinen Eingriff vor. Ich kann keine psychischen Probleme wegoperieren. Man braucht eine stabile Persönlichkeit. Auf Basis dieser kann solch ein Eingriff die Lebensqualität verbessern. Wir nehmen nun einmal stark über das Visuelle wahr. Wer attraktiv aussieht, hat auch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Was für Wünsche haben denn die Schweizer Kunden generell?

Sie wollen nicht, dass die Korrektur zu auffällig ist und trotzdem danach frisch und attraktiv aussehen.

Sie haben vorhin die Lebensqualität erwähnt: Auch ihr zweites Tätigkeitsgebiet hat viel mit dieser zu tun.

Lebensqualität kann je nach Patient oder Patientin vieles bedeuten. Aber natürlich spürt man bei einer Patientin, die durch ihre Krebserkrankung viele Verluste hinnehmen musste und sich dann dank einer wiederhergestellten Brust wieder komplett fühlen kann, eine immense Dankbarkeit.

Jede achte Frau erkrankt irgendwann an Brustkrebs.

Und in 30 Prozent der Fälle sind leider auch Operationen, wie die Amputation oder Teilamputation der Brust, notwendig.

Und Sie können die Brüste wiederherstellen?

Ja, es gibt einerseits die Möglichkeit die Brust mit Eigengewebe vom Bauch oder Bein wiederherzustellen mit einem natürlichen Ergebnis. Anderseits kann auch eine Prothese verwendet werden, was je nach Bedürfnissen der Patientin auch eine gute Lösung sein kann. Im Feld der wiederherstellenden Brustchirurgie, in der ich tätig bin, hat sich aber technologisch besonders im Bereich der Mikrochirurgie und Implantattechnik viel getan. Zaubern können wir natürlich nicht, es werden immer leichte Narben zurückbleiben. Aber es ist viel möglich.

Seit über 20 Jahren als Chirurgin tätig

Dorrit Winterholer (49) hat in Tübingen Humanmedizin studiert und danach die Ausbildung zur Fachärztin der allgemeinen Chirurgie absolviert. 2009 erhielt sie die Zusatzbezeichnung für Handchirurgie, später den Facharzttitel für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Die Schwäbin arbeitete als Oberärztin in Tübingen, in Stuttgart sowie am Kantonsspital Luzern. Bis 2018 war sie leitende Ärztin der dortigen Klinik für Hand- und Plastische Chirurgie. Heute ist sie Teilhaberin einer Praxis in Zürich, arbeitet als Belegärztin in der Andreas-Klinik Cham und im Kantonsspital Zug sowie im Brust Zentrum Aarau Cham der Hirslanden Gruppe. Der Oktober ist für Brustkrebspatientinnen und deren Ärzte ein besonderer Monat. Im Brustkrebsmonat soll Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Brustkrebs ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden. Das Symbol ist die rosa Schleife, die immer wieder auch von Stars getragen wird. (cg)

Wie läuft so eine Wiederherstellung ab?

Beim sofortigen Wiederaufbau mit Eigengewebe entnehme ich direkt nach der Tumorentfernung einen Haut-Fettgewebe-Lappen aus dem Bauch der Patientin. Dieser wird dann mikrochirurgisch unter der Lupenbrille präpariert und an die Gefässe an der Brustwand angeschlossen. Es ist ein sehr anstrengender, zeitaufwendiger Eingriff. Wenn das Gewebe dann dran ist und sich weich und warm anfühlt, also durchblutet ist, ist die Patientin glücklich und ich als Ärztin bin sehr erleichtert.

Die Rekonstruktion von Körperteilen kommt auch in der Unfallchirurgie zum Einsatz.

Stimmt, die Chirurgen holen mich, wenn sie es mit Löchern im Körpergewebe der Patienten zu tun haben.

Was kann der Laie sich darunter vorstellen?

Es geht um Defekte, die die Ärzte nicht zubekommen. Ein offenes Gesäss beispielsweise oder ein wüster Bruch am Unterschenkel, bei dem der Hautmantel weggefetzt wurde. Dann liegt der Knochen an der Luft und kann nicht heilen und das Bein müsste amputiert werden. Ich kann es wiederherstellen.

Sie können ein Bein wiederherstellen?

Wenn der Knochen noch steht, kann ich das Gewebe drumherum rekonstruieren. Es gibt eben fast kein chirurgisches Gebiet, in dem es uns plastische Chirurgen nicht braucht, das macht den Beruf so abwechslungsreich. Ich habe es beispielsweise auch häufig mit Patienten zu tun, die Hautkrebs im Gesicht haben. Wo es sehr wichtig ist, dass nach der Tumorentfernung nur eine sehr unauffällige Narbe zurückbleibt.

Wieso haben Sie sich für diese Fachrichtung entschieden?

Das Handwerkliche der Chirurgie in Kombination mit der Wiederherstellung, also der Ästhetik, fasziniert mich total.

Kommen wir noch einmal zur Schönheitschirurgie.

Da gibt es ja die skurrilsten Sachen.

Es gibt wirklich total verrückte Sachen: Leute, die sich die Zunge spalten lassen oder die sich Hörner implantieren lassen. Erfolgreich sind Anti-Aging-Behandlungen mit Eigenfett und Eigenblut, auch Vampirlifting genannt. Bei Männern mit Haarausfall wird also Blut entnommen, geschleudert und an der Haarwurzel iniziiert. Diese Methode hilft wirklich.

Haben Sie denn vermehrt männliche Patienten?

Ja, und zwar wegen der verschiedensten Anliegen: Tränensäcke, Fettabsaugen, Nasenkorrektur et cetera.

Sind Männer die grösseren Diven?

Es gibt Männer, die sehr divenhaft sind. Sie sind schmerzempfindlicher, wehleidig und sehr ängstlich. Männer müssen mehr mit Samthandschuhen angefasst werden.

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