Zuger Schwingfest-OK verdoppelt Chrampfer-Lohn

Die Bilanz des «Eidgenössischen» in Zug: Trinkfreudige Gäste, engagierte Helfer und eine neue Stiftung. Die Organisatoren sind zufrieden.

Andrea Muff
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Die Stimmung in und um das Stadion war durchwegs friedlich.

Die Stimmung in und um das Stadion war durchwegs friedlich.

Bild: Maria Schmid (Zug, 25. August 2019)

Sonne, Sägemehl und Schweiss: Das Eidgenössiche Schwing- und Älplerfest (Esaf) in Zug zählt zu den grössten Sportereignissen dieses Jahres. Die insgesamt 420 000 Besucherinnen und Besucher des Festes zeigten, dass es auch in dieser Grössenordnung friedlich zu und her gehen kann. Die Schwingfans verwandelten Zug vom 23. bis 25. August zu einer friedlichen Partystadt. Nun knapp über 100 Tage später präsentierte das Organisationskomitee (OK) unter Präsident und Regierungsrat Heinz Tännler gestern die ersten Zahlen.

Der endgültige und offizielle Schlussbericht mit allen Zahlen wird das Zuger OK an der Abgeordneten-Versammlung des Eidgenössischen Schwingverbandes Mitte März in Pratteln, dem nächsten Austragungsort des Esaf 2022, zeigen. Die neusten Hochrechnungen stimmen den OK-Präsident Heinz Tännler positiv. Er versichert: «Diese Zahlen sind schon sehr genau.» Für ihn war das Schwingfest «in jeder Beziehung ein riesiger Erfolg für den Sport sowie den Kanton Zug». Das positive Ergebnis zeigt sich auch in der Höhe der finanziellen Entschädigung der Helferstunden. Als Ziel setzte sich das OK, den freiwilligen Helfern, Chrampfer genannt, einen Beitrag von 8 Franken pro Stunde auszuzahlen. Dieser Betrag konnte verdoppelt werden: Bei 85 000 geleisteten Helferstunden macht das eine Ausgabe von 1,4 Millionen Franken. Das sei die höchste je ausbezahlte Summe in der Geschichte des Eidgenössischen, weiss Tännler. «Dass wir 16 Franken pro Stunde auszahlen können, ist fantastisch. Die Chrampfer haben einen super Job gemacht», resümiert Heinz Tännler.

Neue Stiftung wird gegründet

Die Verdoppelung ist möglich, weil die Organisatoren als operatives Ergebnis einen Gewinn von rund 3,2 Millionen Franken erwarten. Nach Auszahlung aller Helferstunden bleiben noch rund 1,85 Millionen Franken im Pot. Davon soll eine Million Franken in eine neu zu gründende Stiftung fliessen, die Projekte aus dem Kanton Zug unterstützt. Sie soll ungefähr fünf Jahre bestehen. Mit jeweils pro Jahr um die 200000 Franken sollen Projekte aus vier Bereichen – Sport, Kultur, Gesundheit und Soziales – unterstützt werden. «Wir wollen mit dem Kapital etwas an die Zuger Bevölkerung zurückgeben. Stadt, Kanton und die Gemeinden sind die Begünstigten», erklärt Tännler. Koordiniert wird die Auswahl der Projekte deshalb mit der öffentlichen Hand. Diese macht der Stiftung Vorschläge, wo das Geld eingesetzt werden könnte.

Die restlichen 850 000 Franken fliessen zurück in den Schwingsport, so der OK-Präsident: Statuarisch festgelegt sei, dass der Kantonalverband und die vier Schwingklubs im Kanton Zug (Schwingklub Ägerital, Zug-Umgebung, Oberwil-Zug sowie Cham-Ennetsee) zu gleichen Teilen unterstützt werden. Paul Bachmann, Präsident des Trägervereins Esaf 2019, freut sich über die Höhe des Zustupfs: «Wir haben nicht damit gerechnet, dass es so viel sein wird.» Nun sollen die 850000 Franken vorwiegend für die Nachwuchsförderung genutzt werden. «Jedem Schwingklub ist es natürlich freigestellt, wie er das Geld einsetzen möchte», präzisiert Bachmann.

Das gute Ergebnis führt Tännler auf drei Erfolgsfaktoren zurück: das Wetterglück, die Besucherzahl und die gewissenhafte Budgetplanung. «Unser Budget haben wir auf ein Worst-Case-Szenario ausgerichtet, die Schlechtwettervariante also», gibt Tännler zu. Bereits am Freitag seien über 100 000 Besucher nach Zug geströmt. «Die 420 000 Besucher haben alle Erwartungen übertroffen», sagt Tännler. Aufgegangen sei auch das Konzept betreffend Anreise mit dem öffentlichen Verkehr: Über 90 Prozent seien diesem Appell gefolgt, die 6500 Parkplätze nur durchschnittlich nur zu lediglich 20 Prozent benützt worden. Auch sei das Fest ohne grössere Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Am häufigsten mussten sich die Rettungskräfte laut OK um Patienten mit Insektenstichen, Schürfungen und Schnittwunden kümmern.

Nachhaltigkeitsbericht folgt im Februar

Auch betreffend Nachhaltigkeit und Umwelt sind die Organisatoren überzeugt, ihre Ziele zu erfüllen. So wurde etwa das Sägemehl für Naturschutzprojekte im Kanton wiederverwendet und die Werbeblachen werden von der GGZ zu Einkaufstaschen verarbeitet. Das Schwingfest in Zug sollte zudem das erste klimaneutrale werden. «Das Ziel werden wir erreichen», versichert Tännler. Wie hoch der CO2-Ausstoss war, wisse das OK noch nicht. In den Nachhaltigkeitsfonds werde wohl um die 300 000 Franken fliessen. Für genauere Zahlen soll der Nachhaltigkeitsbericht abgewartet werden, der voraussichtlich im Februar vorliegen werde.

Esaf-Geschäftsführer Thomas Huwyler fasst das Fest aus Sicht der Zahlen zusammen:

«Es wurden 264 800 Liter Bier, 36 900 Liter Most oder Apfelsaft, 120 300 Liter Mineralwasser und 127 000 Liter Süssgetränke konsumiert. Ausserdem wurden 125 000 Kaffees, 5400 Liter Schnaps sowie 28 100 Liter Wein ausgeschenkt.»

Huwyler vergleicht die Zahlen mit denjenigen vom Esaf 2016 in Estavayer: «Der durchschnittliche Konsum in Zug liegt überall darunter, ausser beim Wein, davon haben wir Zuger mehr konsumiert.» Von den Zahlen ausgenommen sind der Ausschank der sieben Restaurants auf dem Festgelände und derjenige auf dem Campingplatz – diese wurden nicht vom OK bewirtschaftet. Das Geld für Wein und Mineralwasser holten sich die Besucher an den drei Bancomattürmen: Insgesamt 18 300 Transaktionen im Wert von 3,5 Millionen Franken wurden in den drei Tagen getätigt. Entsorgt hat das Chrampferteam insgesamt 165,8 Tonnen Abfall.

Das Fazit des OK-Präsidenten fällt insgesamt positiv aus: «Wir haben alles richtig gemacht.»