Zuger Selbsthilfegruppen werden von der Reformierten Kirche übernommen

Den Zuger Selbsthilfegruppen hat der Kanton die Mittel gestrichen. Nun springt die Reformierte Kirche ein.

Cornelia Bisch
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Gespräche mit Menschen in der selben Notsituation können sehr hilfreich sein. (Themenbild: Stefan Kaiser, Cham, 8. Oktober 2016)

Gespräche mit Menschen in der selben Notsituation können sehr hilfreich sein.
(Themenbild: Stefan Kaiser, Cham, 8. Oktober 2016)  

Die Kontaktstelle Selbsthilfe wurde von der Frauenzentrale Zug während 16 Jahren geführt und im Rahmen einer Subventionsvereinbarung mit dem Kanton finanziert (siehe Kasten). Im Zuge des kantonalen Sparpaketes 2019 hat der Kanton entschieden, die Subventionsvereinbarung ab 2020 nicht mehr zu verlängern.

366 Treffen pro Jahr

In den Selbsthilfegruppen tauschen sich Menschen in schwierigen Lebenssituationen aus. «Zwei Drittel der Gruppen befassen sich mit Gesundheitsthemen wie Alkoholismus, psychische oder somatische Erkrankungen», erklärt Annaliese Gisler Michaud, Abteilungsleiterin Bildung und Vernetzung der Frauenzentrale Zug. Bei den übrigen Gruppen seien es soziale Themen wie Alter, Einsamkeit Trennung, Tod, Homosexualität und so weiter. «Die Gruppen sind unterschiedlich strukturiert, viele von ihnen treffen sich ein bis zweimal monatlich.» Aktuell fänden jährlich 366 Treffen statt, an denen je zwischen 5 und 25 Personen teilnähmen, berichtet Gisler. Die Kontaktstelle Selbsthilfe wird seit 2003 als eigenständige Fachstelle des Kantons geführt. «Momentan bestehen 22 aktive Selbsthilfegruppen, 10 sind im Aufbau begriffen. Zusätzlich gibt es 11 fachgeleitete Gesprächsgruppen und Treffs.» Durchschnittlich würden zwischen 3 und 5 Gruppen pro Jahr neu gegründet, andere wieder geschlossen. (cb)
Hinweis Weitere Infos unter:
www.selbsthilfezug.ch
www.triangel-zug.ch

«Die Frauenzentrale bedauert diesen Entscheid sehr», erklärt Annaliese Gisler Michaud, Abteilungsleiterin Bildung und Vernetzung der Frauenzentrale Zug. «Wir können das Angebot nicht eigenständig weiterführen.» Da es der Frauenzentrale ein grosses Anliegen sei, dass die Kontaktstelle Selbsthilfe weiter bestehen bleibe, habe sie sich um eine etablierte und gut vernetzte Trägerschaft im Kanton Zug bemüht. Und wurde bei der Reformierten Kirche fündig.

Effektives und günstiges Angebot

Auch Thomas Hausheer, Kirchenrat der Reformierten Kirche Zug, begreift den Rückzug des Kantons nicht. «Selbsthilfegruppen stellen eine sehr effektive und vergleichsweise kostengünstige Art der Hilfe für Menschen in Notsituationen dar», betont er. Denn es handle sich ja um Hilfe zur Selbsthilfe. «Viele der Betroffenen befassen sich bereits seit Jahren mit einem bestimmten Problem und sind richtige Experten geworden.» Diese könnten Menschen, die neu in eine ähnliche Situation geraten seien, ausgezeichnet beraten.

Deshalb beantragte Hausheer beim Reformierten Kirchgemeinderat Zug, die Kontaktstelle Selbsthilfe ins Beratungsprogramm Triangel der Reformierten Kirche Zug zu integrieren. «Bei Triangel handelt es sich um ein Beratungsangebot für Einzelpersonen, Jugendliche, Paare und Familien sowie um Schuldenberatung.» Dem Ansinnen Hausheers wurde an der letzten Versammlung stattgegeben, jedoch lediglich für einen begrenzten Zeitrahmen. «In den nächsten drei Jahren finanziert die Reformierte Kirche Zug 30 Stellenprozente für die Kontaktstelle.» Die Frauenzentrale habe zwar 60 Stellenprozente dafür aufgewendet, jedoch könne man beim Beratungsangebot Triangel auf die bestehende Infrastruktur sowie ein Netzwerk zurückgreifen, was den Aufwand reduziere. «Wir werden in dieser Phase nicht proaktiv neue Themen aufgreifen, sondern einfach erhalten, was vorhanden ist», so Hausheer. Die 30 Stellenprozente werden bestehende Mitarbeiterinnen übernehmen. «Wir sind dabei die Arbeitsgebiete zu definieren. Eine Art Übergabe mit den Verantwortlichen der Frauenzentrale fand bereits statt.» So könne man sicher stellen dass das Angebot möglichst ohne Unterbruch bestehen bleibe.

Eine langfristige Lösung wird gesucht

Der Kirchenrat will den Kanton aber nicht einfach aus seiner Verantwortung entlassen. «Wir werden erneut Beiträge beantragen», betont er. «Der Kanton muss seinen Auftrag ernst nehmen.» Auch Partnerschaften mit anderen sozialen Einrichtungen kommen für Hausheer in Frage. «Weil die Kostengutsprache der Reformierten Kirche zeitlich begrenzt ist, müssen wir nach einer langfristig guten Lösung suchen.» Die Öffnungszeiten der Kontaktstelle Selbsthilfe würden sich in ähnlichem Rahmen bewegen wie beim Beratungsangebot Triangel.