Zuger Senioren tun Gutes, wenn andere ihnen helfen dürfen

Bei der Kiss-Genossenschaft Zug haben sich viele Freiwillige gemeldet. Nun liegt es an den Senioren, die Hilfe auch anzunehmen.

Laura Sibold
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Seit der Bund den coronabedingten Lockdown ausgesprochen hat, ist die Solidarität spürbar gross. Freiwilligenorganisationen werden förmlich mit Hilfsangeboten überrannt. Tabea Zimmermann Gibson, Präsidentin der Nachbarschaftshilfe Kiss Zug, verrät, wie Freiwillige helfen können. Sie bittet insbesondere ältere Menschen, Hilfe anzunehmen und sich bei der zentralen Koordinationsstelle Nachbarschaftshilfe unter 041 723 89 60 zu melden.

Viele Menschen möchten derzeit etwas für ihre Mitbürger tun. Bemerken Sie das auch bei Kiss Zug?

Tabea Zimmermann Gibson, Präsidentin der Kiss-Genossenschaft Zug.

Tabea Zimmermann Gibson, Präsidentin der Kiss-Genossenschaft Zug.

Bild: PD

Tabea Zimmermann: Die Hilfsbereitschaft ist gross. Kiss Zug und Cham wie auch alle anderen involvierten Stellen vermitteln die Hilfe für die zentrale Koordinationsstelle, die von Gemeinden, Kanton und Freiwilligen- und Hilfsorganisationen gestützt wird. Knapp 1200 Personen haben sich bisher gemeldet, allein rund 300 in der Stadt Zug. Schon wurden über 220 Ersteinsätze aufgegleist. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass die Einsätze gut laufen und geschätzt werden. Meist sind sie nicht einmalig, sondern der Anfang eines Tandems, das sich bis zwei- oder dreimal pro Woche beisteht. Noch sind nicht alle Freiwilligen im Einsatz, weil sich vier Mal mehr Gebende als Nachfragende gemeldet haben. Man kann und soll somit ohne Hemmungen um Hilfe ersuchen.

Alle Menschen sollen soweit möglich zu Hause bleiben. Doch hört man besonders von älteren Menschen, die sich nicht daran halten.

Niemand ändert sein gewohntes Einkaufsverhalten gern. Es ist ja auch mit Sozialkontakten und mit Bewegung an der frischen Luft verbunden. Ältere Menschen sind oft stolz darauf, dass sie noch alles selber machen und selbstständig leben können. Wir alle müssen jetzt aber umdenken und auf vieles verzichten. Ältere Menschen können helfen, indem sie Hilfe anfordern: von Hausbewohnern, ihren Verwandten oder der zentralen Koordinationsstelle. Gut ist es, wenn Leute von Risikogruppen nur fürs Spazieren an die frische Luft gehen. Indem sie gesund bleiben, helfen sie, Zusatzbelastungen des Gesundheitssystems zu vermeiden. Sie geben zudem den Freiwilligen so die Möglichkeit, sich zu engagieren – und wenn diese Kiss-Mitglieder sind, Zeitguthaben anzusparen.

In welchen Bereichen ist Hilfe besonders gefragt?

Die Kiss- und anderen Koordinationsteams klären die Bedürfnisse ab, wie der Gang zum Arzt oder das Einkaufen. Für Letzteres setzen wir in erster Linie die neuen Freiwilligen ein. Bei allen Tätigkeiten ist das Einhalten der Hygieneregeln und Massnahmen zentral. Vieles wie etwa Gartenarbeit wird aufgeschoben. Sozialen Kontakt zu pflegen, ist aber sehr wichtig. Viele unserer Kiss-Mitglieder rufen sich beispielsweise täglich an. Niemand soll jetzt ganz alleine sein.

Was sind weitere Heraus­forderungen, mit denen Freiwilligenorganisationen nun konfrontiert sind?

Viele Organisationen sind dem Ansturm von Hilfsangeboten kaum gewachsen. Dank unseren Kiss-Strukturen und der erweiterten Kiss-Software kann die Nachbarschaftshilfe im Kanton Zug aber schnell und zielgerichtet ausgeweitet werden. Dank der zentralen Koordinationsstelle Nachbarschaftshilfe, die unter 0417238960 erreichbar ist, können die Anliegen und Hilfeleistungen kanalisiert und aufeinander abgestimmt werden. Die grosse Solidarität in der Coronakrise ist auch eine Chance, das soziale Netz in der Gesellschaft wieder zu stärken. Ich bin zuversichtlich, dass wir dieses Zusammengehörigkeitsgefühl auch dank Kiss und vieler weiteren Beteiligten über die Krise hinaus bewahren können.