Zuger sind karrieremässig auf Kurs

Laut einer Umfrage hat sich fast jeder dritte Schweizer seit einem Jahr nicht mehr weitergebildet. Im Kanton Zug geben Personalbüros und Firmen jedoch an, dass regelmässig in Förderkurse investiert werde. Nur eine Altersgruppe fällt etwas ab.

Laura Sibold
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Zu Themen wie Cybersicherheit und Digitalisierung müssen sich gewisse Mitarbeiter regelmässig weiterbilden. (Bild: Stefan Kaiser (15. Juni 2016))

Zu Themen wie Cybersicherheit und Digitalisierung müssen sich gewisse Mitarbeiter regelmässig weiterbilden. (Bild: Stefan Kaiser (15. Juni 2016))

Weiterbildungen scheinen schweizweit nicht mehr so hoch im Kurs zu liegen. Dies zeigt eine Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte bei 1000 Schweizer Erwerbstätigen. Gemäss dieser haben rund 30 Prozent der Befragten während zwölf Monaten keinerlei Fortbildungskurse besucht. Als Hauptgründe dafür werden mangelnde Notwendigkeit oder fehlende Zeit für eine Weiterbildung sowie zu hohe Kosten angegeben.

Kantonal erhob Deloitte keine Zahlen. Zuger Personalbüros geben aber vorerst Entwarnung. Er habe grundsätzlich nicht den Eindruck, dass sich Zugerinnen und Zuger zu wenig weiterbilden, sagt Beat Hug, Geschäftsführer der Personal Kolin AG in der Stadt Zug. Pauschale Aussagen zu machen, sei jedoch schwierig. «Wir bemerken, dass sich besonders Arbeitnehmer zwischen 25 und 35 Jahren in den letzten zwei, drei Jahren stark mit Weiterbildungen befasst haben. Das ist aber auch branchenabhängig», erklärt Hug. So habe er vor allem in der Finanzbranche, beispielsweise in den Bereichen Buchhaltung oder Treuhand, mit mehr Personen zu tun, die sich zielgerichtet weitergebildet haben. In der Baubranche, besonders bei Handwerkern, werde dagegen oftmals weniger an Fortbildungskurse gedacht.

Eigene Tauglichkeit für Arbeitsmarkt prüfen

Ähnliche Beobachtungen macht Werner Rast, der in Baar das Büro Werner Rast Personal Beratung Vermittlung führt: «Je besser die Grundausbildung, desto mehr achten Arbeitnehmer auf stetige Weiterbildung. Besonders Personen, die vom akademischen Weg kommen, bilden sich längerfristig weiter.» Über 50-jährige Zugerinnen und Zuger würden sich zudem manchmal zu wenig mit Weiterbildungen befassen, so Rast. Im Berufsinformationszentrum Zug (BIZ) ist man sich der Thematik ebenfalls bewusst. Bei jungen Erwachsenen sei die Berufsmatura gefolgt von einem Hochschulstudium nach wie vor sehr gefragt, sagt Franz Müller, Leiter des BIZ-Beratungsteams. Doch auch bei über 50-Jährigen sei stetige Weiterbildung wichtig. «Arbeitnehmer sollten immer wieder prüfen, ob sie für den Arbeitsmarkt noch fit genug sind.» Längere Weiterbildungen sind laut dem Laufbahnberater vor allem dann sinnvoll, wenn das Gelernte im praktischen Arbeitsfeld anwendbar ist. Doch auch fachspezifische Kurse – zum Beispiel im Bereich EDV, bei Themen wie Steuern oder Sozialversicherungen sowie Sprachen – und firmeninterne Weiterbildungen würden sich lohnen, bekräftigt Franz Müller.

Grösste Zuger Arbeitgeber investieren viel

In der Regel verfügt jedes Unternehmen über ein Weiterbildungsbudget für seine Mitarbeiter. So auch die grössten Zuger Arbeitgeber Roche Diagnostics International, Siemens Schweiz, die Metall Zug sowie das Zuger Kantonsspital. Siemens bestätigt auf Anfrage, dass bis zum Ende des Geschäftsjahres 2022 bis zu 100 Millionen Euro für Fortbildungen bereitgestellt würden, zusätzlich zum jährlichen Aus- und Weiterbildungsbudget von rund 500 Millionen Euro weltweit. Bei allen vier grossen Zuger Arbeitgebern müssen Mitarbeiter obligatorische Schulungen absolvieren, die einen gewissen Standard garantieren sollen. Zudem biete man interne Kurse an und arbeite mit externen Bildungsinstitutionen zusammen, erklärt Christof Gassner, Mediensprecher der Metall Zug. «Zusätzliche Weiterbildungen werden durch rund zwei Drittel der Belegschaft besucht, etwa 15 Prozent besuchen externe Weiterbildungen.»

Bei der Siemens gebe es für alle Mitarbeitenden regelmässige obligatorische Weiterbildungen zu den Themen Compliance, Cybersicherheit und Digitalisierung, versichert Siemens-Sprecherin Nadine Paterlini. Auch bei der Roche wird neben diversen Weiterbildungen ein Augenmerk auf Mentorings und HR-Workshops gelegt. «Jeder Mitarbeiter muss einen individuell definierten Trainingsplan absolvieren, der stetig überprüft wird», schreibt die Roche in einer Stellungnahme. Am Standort Rotkreuz hätten 2018 über 4000 Personen an internen Trainings teilgenommen, wovon 3500 Online-Schulungen gemacht haben.

Wöchentliche Kurse im Kantonsspital

Weiterbildung sei auch in einem Spital zentral, bestätigt Sonja Metzger, Marketingleiterin im Zuger Kantonsspital. «Das Lehr- und Ausbildungsangebot wurde in den letzten Jahren laufend ausgebaut. Es wurden zusätzliche Aus- und Weiterbildungsplätze im Pflegebereich sowie Weiterbildungsstellen zur Erlangung eines Facharzttitels geschaffen», so Metzger. Die Kliniken des Kantonsspitals und sein Institut für Anästhesie und Intensivmedizin sind zertifizierte Weiterbildungsstätten des schweizerischen Instituts für ärztliche Weiter- und Fortbildung. «Unsere Ärzte nehmen regelmässig an den wöchentlich stattfindenden Weiterbildungskursen teil. Sie erhalten ausserdem ein jährliches Kontingent von mindestens drei bis zu zehn Tagen für Kongresse oder externe Weiterbildungen», erklärt Metzger. Beim Pflege- und Therapiefachpersonal liege die Zahl der jährlich besuchten Fortbildungen durchschnittlich bei drei Arbeitstagen pro Person.

Bei allen vier Zuger Unternehmen werden interne Weiterbildungen vollständig oder zu einem grossen Teil von der Firma übernommen. Bei externen Kursen trägt der Arbeitgeber nur teilweise die Kosten, abhängig von der Relevanz für die berufliche Tätigkeit und der Arbeitszeit. Alle Zuger Firmen appellieren des Weiteren an die Eigenverantwortung ihrer Mitarbeiter im Sinn von «own your career».

Beratungen zu Weiterbildungen bietet das BIZ an: 041 728 32 18.