Zuger Sonderschulen stehen unter Druck

Die Sparbemühungen des Kantons Zug zeigen mittlerweile auch Auswirkungen auf einzelne Sonderschulen. Ihre Pauschalen wurden 2015 gekürzt. Nun sind neue Ideen gefragt, um drohende Defizite zu verhindern.

Laura Sibold
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Diesen Sommer und Herbst starten die Sonderschulen wieder Verhandlungen über ihre Leistungsvereinbarungen mit dem Kanton Zug. Definiert wird unter anderem die jährliche Pauschale, die der Kanton Zug den Institutionen von 2020 bis 2022 entrichtet, damit sie ihren Auftrag erfüllen (siehe Kasten). Infolge des kantonalen Entlastungsprogramms 2015–2018 wurden vor vier Jahren auch die Beiträge an die Sonderschulen gekürzt. Wie die Direktion für Bildung und Kultur auf Nachfrage mitteilt, betrug die Kürzung im Durchschnitt 10 Prozent. Für gewisse Institutionen waren die Anpassungen aber einschneidend. «Die Anpassungen der Leistungsvereinbarungen zeigen ihre Wirkung erst mit Verzögerung. Aber langsam wird deutlich, dass der Spardruck bei den Sonderschulen mittlerweile sehr gross ist», weiss Simon Saxer, Vizepräsident des Lehrerinnen- und Lehrervereins Kanton Zug. Das zeige sich etwa im Umgang mit dem Personal und bei den Anstellungsbedingungen. Saxer bedauert:

«Bei uns haben sich Meldungen aus privaten Institutionen in letzter Zeit gehäuft.»

Im Bereich der obligatorischen Schulzeit listet das Amt für gemeindliche Schulen online per August 2018 acht Sonderschulen auf. Es sind dies in Zug die Heilpädagogische Schule Stadt Zug sowie die Internats- und Tagesschule Horbach, in Baar das Heilpädagogische Schul- und Beratungszentrum Sonnenberg sowie der Heilpädagogische Dienst Zug. Weiter ist in Ennetsee das Heilpädagogische Zentrum Hagendorn aufgelistet, aus dem Ägerital die Privatschule Dr. Bossard, die Stiftung Zürcher Sprachheilschule sowie das Angebot Schulplus.

Aufgrund der anstehenden Verhandlungen über die Leistungsvereinbarungen möchte sich keine Schule konkret dazu äussern, wie sich die Sparmassnahmen des Kantons auf ihre Finanzen ausgewirkt haben. Simon Saxer vom Lehrerverein weiss allerdings, was grundsätzlich passieren kann: «Stehen weniger finanzielle Mittel zur Verfügung, führt das in der Tendenz dazu, dass private Institutionen schlechtere Anstellungsbedingungen als öffentliche Schulen haben.» Dadurch könne die Fluktuation an den Sonderschulen steigen und es werde schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden. Konkret kann es sein, dass eine Schule von den bisher guten Anstellungs­bedingungen, wie sie etwa gemeindliche Schulen anbieten, abweicht. Stattdessen wird das Personal neu nach Obligationenrecht angestellt, was unter anderem Nachteile im Kündigungsschutz mit sich bringt. Weitere Massnahmen können grössere Schulklassen oder eine höhere Präsenzzeit der Lehrer sein – notabene zum selben Lohn.

Fundraising als ein möglicher Lösungsansatz

Es sei eine Tatsache, dass man den Gürtel enger schnallen müsse, betonen mehrere Schuldirektoren auf Nachfrage. Bei den Sonderschulen seien neue Wege gefragt, um trotz tieferer Pauschalen weiterhin schwarze Zahlen zu schreiben und eine gute Schulqualität sicherzustellen. So gibt es auch Institutionen, die via Fundraising neue Organisationen einzubinden versuchen.«Einige Probleme konnten situativ gelöst werden» Im Sonderschulbereich mit teils betreuungsintensiven Settings für Kinder und Jugendliche seien fachliche und finanzielle Herausforderungen zu bewältigen, bestätigt auch Tobias Arnold, Direktor des Heilpädagogischen Zentrums Hagendorn. «Bisher war aber stets eine unterstützende Haltung seitens Kanton Zug spürbar und einige Probleme konnten situativ gelöst werden. Von einem alles bestimmenden Spardruck zu sprechen, wäre daher nicht korrekt.» Im Sonderschulbereich mit teils betreuungsintensiven Settings für Kinder und Jugendliche seien fachliche und finanzielle Herausforderungen zu bewältigen, bestätigt auch Tobias Arnold, Direktor des Heilpädagogischen Zentrums Hagendorn. «Bisher war aber stets eine unterstützende Haltung seitens Kanton Zug spürbar und einige Probleme konnten situativ gelöst werden. Von einem alles bestimmenden Spardruck zu sprechen, wäre daher nicht korrekt.»

Weitere Kürzungen sind nicht vorgesehen

Im Zuge der anstehenden Verhandlungen mit den Zuger Sonderschulen bestätigt Bildungsdirektor Stephan Schleiss denn auch, dass man keinen Sparauftrag mehr verfolge. Die Kürzungen der Pauschalen seien eine Massnahme zum Abbau von Reserven aus Leistungsvereinbarungen gewesen. «Mit diesem Vorgehen haben wir dafür gesorgt, dass die Sparmassnahmen eben nicht auf dem Buckel der Schwächsten umgesetzt werden», erklärt Stephan Schleiss. Zudem beobachte man zurzeit einen Anstieg der Fallkosten bei den Zuger Sonderschulen, gesteuert durch die Angebote der Schulen sowie dem grösseren Bedarf der betroffenen Kinder und Jugendlichen.