Zuger Staatsanwaltschaft behandelt im letzten Jahr über 300 Wirtschaftsdelikte

In einer Antwort auf eine SP-Interpellation trägt der Zuger Regierungsrat einige Zahlen zusammen.

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(mua) Der Kanton Zug ist ein internationaler Wirtschaftsstandort und landet immer mal wieder in den Schlagzeilen. Wie etwa Anfang Jahr in Zusammenhang mit den «Luanda Leaks». Die SP-Fraktion des Kantonsrats wollte daher mehr zum Vorgehen des Kantons gegen internationale Wirtschaftsdelikte wissen und reichte eine Interpellation ein. Nun liegen die Antworten des Regierungsrates vor. Obwohl die Exekutive nicht immer eine klare Antwort geben kann, kommen einige interessante Zahlen zum Vorschein.

So bearbeitete der Dienst Wirtschaftsdelikte der Zuger Polizei in den letzten zehn Jahren insgesamt 1622 Fälle und schloss diese mittels einer Rapportierung an die zuständigen Behörden ab. In dieser Zahl sind Ermittlungsverfahren sowie nationale und internationale Rechtshilfeersuchen enthalten. Ende 2019 waren insgesamt 55 Ermittlungsverfahren sowie 16 nationale und internationale Rechtshilfeersuchen hängig. In die abgeschlossenen Fällen waren 2839 Personen und 703 Firmen involviert. Von den genannten Personen wiesen 293 eine ausländische Adresse auf, von den Firmen hatten 44 ihren Geschäftssitz im Ausland.

Staatsanwaltschaft: Ende Jahr noch 26 Fälle hängig

Die Zuger Staatsanwaltschaft führte in derselben Zeit insgesamt 2245 Verfahren. Daraus erfolgten laut Interpellationsantwort 144 Anklagen an das Strafgericht. Die restlichen Verfahren seien durch Strafbefehle, Nichtanhandnahmen oder Einstellungen erledigt worden, heisst es weiter. Vereinzelt seien die Fälle an andere kantonale Strafverfolgungsbehörden abgetreten worden. Die Auflistung der Fallzahlen würden sich ausschliesslich auf die Staatsanwaltschaft beziehen und können dadurch von den Zahlen der Zuger Polizei abweichen, verweist der Regierungsrat im Bericht.

Aus der tabellarischen Aufstellung wird dennoch ersichtlich, dass 2019 mit 332 eingegangenen Fällen bei der Staatsanwaltschaft ein hoher Wert erreicht worden ist. 2011 gingen ebenfalls über 300 Fälle ein: Damals verzeichnete die Staatsanwaltschaft mit 334 Fällen den höchsten Wert in den aufgeführten zehn Jahren. Ansonsten liegen die Zahlen zwischen 190 (2014) und 259 (2010) Fällen. Noch hängig waren per Ende 2019 insgesamt 26 Fälle. Von den in 144 Anklagen betroffenen Personen waren die meisten Schweizer, gefolgt von Deutschen und Italienern.

Cyberkriminalität nimmt zu

Die SP-Fraktion wollte weiter wissen, um welche geschätzten Vermögenssummen es sich handelt. Die Deliktsummen werden in der elektronischen Geschäftskontrolle der Staatsanwaltschaft und Gerichte nicht erfasst, heisst es im Bericht. Vom Dienst Wirtschaftsdelikte der Zuger Polizei sind Angaben verfügbar. So wurde eine Summe von insgesamt über 153 Millionen Franken rapportiert. «Bei diesem Betrag handelt es sich jedoch um Angaben der Anzeigeerstattenden. Wie hoch der effektive Vermögensschaden war, ist nicht bekannt», so die Regierung. Sie betont, dass mit den Ressourcen bei der Zuger Polizei sowie Staatsanwaltschaft bisher die Wirtschaftskriminalität «effektiv und effizient» bekämpft werden konnte. So habe sich die Regierung «stets bemüht, der Zuger Polizei die notwendigen personellen und sachlichen Ressourcen zur Verfügung zu stellen». Insgesamt 13,7 Millionen Franken wurden von der Zuger Polizei und der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. 5,5 Millionen Franken wurden definitiv eingezogen, davon 2,6 Millionen Franken zu Gunsten des Kantons, 2,4 Millionen zu Gunsten Dritter und eine halbe Million zu Gunsten des Bundes.

Bei der Frage nach den künftigen Trends im Bereich der Wirtschaftsdelikte legt der Regierungsrat den Fokus auf die Digitalisierung. «Es findet eine Verlagerung von der klassischen Wirtschaftskriminalität zur Cyberwirtschaftskiriminalität hin statt», heisst es im Bericht. Entsprechende Ermittlungstools müssen daher bereitgestellt werden. Indes sei der Regierungsrat überzeugt, «einen wesentlichen Teil für eine gute Reputation des Kantons Zug zu leisten».

Zug und die Briefkastenfirmen: die Schattenseiten des Erfolgs

Über 33'000 Unternehmen sind im Handelsregister des Kantons Zug eingetragen. Bei vielen von diesen ist ein Briefkasten jedoch die einzige Verbindung zu ihrer Domiziladresse. Eine Datenrecherche unserer Zeitung zeigt nun, wo sich die Briefkastenfirmen befinden könnten, und dass es wohl mehr als 6000 gibt.
Zoe Gwerder