Zuger Stadtrat will Solarstrom fördern

Finanzspritzen zur Förderung erneuerbarer Energie sollen allen zugutekommen, fordert die SVP. Der Zuger Stadtrat sieht das ähnlich.

Laura Sibold
Merken
Drucken
Teilen

Die Stadt Zug budgetiert jährlich 400000 Franken zur Förderung erneuerbarer Energie. Doch der Betrag stehe unfairerweise nur einzelnen Profiteuren der E-Mobilität zur Verfügung und werde regelmässig nicht ausgeschöpft, bilanziert SVP-Gemeinderat Philip C. Brunner. Entsprechend hat Brunner im Namen der SVP-Fraktion das Postulat «Solarstrom-für-alli-Zuger» eingereicht und fordert den Stadtrat darin auf, die bestehenden Fördermittel «zu Gunsten derjenigen Einwohnerinnen und Einwohner zu verteilen, welche selber aktiv bereit sind in städtische Solaranlagen, beziehungsweise in einzelne Quadratmeter an Solarpanels zu investieren».

Brunner bezieht sich auf eine Idee der Stadt Zürich. Seit 2015 installiert das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) auf öffentlichen Gebäuden grosse Solaranlagen und verkauft Anteile an Private weiter. Für jeden Quadratmeter erhält der Käufer anschliessend 20 Jahre lang 80 Kilowattstunden auf seiner Jahresrechnung gutgeschrieben. «Die Stadt Zug besitzt bedeutende Flächen, welche gut zusätzlich mit eigenen Solaranlagen bestückt werden können, wie etwa das L&G-Gebäude oder Schulhäuser», heisst es im Vorstoss. Auf diesem Weg könnten zudem auch Mieter zu «Besitzern» von Solaranlagen werden.

Zürcher Modell wäre in Zug nicht attraktiv

Der Stadtrat ist dem SVP-Anliegen gegenüber nicht abgeneigt. «Wie die Postulanten richtig feststellen, ist die lokale Produktion von Solarstrom eine gute Möglichkeit, ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Vorteile zu vereinen», heisst es in seiner Antwort. Die Stadt habe bereits vor fünf Jahren beschlossen, die Nutzung der stadteigenen Dachflächen zur Produktion von Solarstrom in der Objektstrategie der städtischen Immobilien zu verankern. In der Folge wurden im Roost, auf dem Landwirtschaftsbetrieb Bröchli, auf den Schulhäusern Kirchmatt und Loreto, auf der Schiessanlage im Choller sowie auf dem Stadthaus Fotovoltaikanlagen gebaut. «Weitere Anlagen auf städtischen Bauten sind in Abklärung und andere bereits in der Planungsphase, etwa bei der Schulhauserweiterung Loreto», schreibt der Stadtrat.

Von diesen Investitionen würden alle Zuger profitieren und nicht nur jene, die sich eine Beteiligung an einer Solaranlage leisten könnten. Das Angebot, Anteile an regionalen Fotovoltaikanlagen zu verkaufen und dies mit Solarstrom zu vergüten, funktioniere in der Stadt Zürich gut, weil der Preis für den konventionellen Solarstrom relativ hoch sei. In Zug wäre das Zürcher Angebot unattraktiv, weil die WWZ Sonnenstrom bereits günstiger anbiete, erklärt der Stadtrat. Zudem sei eine gute Zusammenarbeit mit dem Energieversorger entscheidend. In Zürich ist dies gegeben, da das EWZ vollständig im Eigentum der Stadt Zürich ist. Im Vergleich dazu agiert die WWZ AG als private Unternehmung primär nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen.

Ähnlich wie in Zürich entwickelt derzeit aber auch die WWZ ein Angebot, bei der die Finanzierung der Fotovoltaikanlagen über Bürgerbeteiligungen erfolgen soll. Dafür werden insbesondere Gebäude mit der Möglichkeit eines hohen Eigenverbrauchs gesucht.

Die WWZ entwickelt ein neues Angebot

«Ziel ist es, dass Gebäudeeigentümer eine Flächenmiete erhalten, den Strombezug im Gebäude soweit wie möglich mit eigenem Solarstrom decken (ohne Mehrkosten gegenüber Netzstrom) und die Investoren (Bürgerinnen und Bürger) eine jährliche Rückzahlung ihrer Investition mit einer Verzinsung erhalten», erklärt der Stadtrat. Beim Zuger Modell könnten alle, nicht nur Kunden, investieren und statt einer Solarstromgutschrift eine jährliche Rückzahlung plus Zinsen erhalten. Die Nutzerschaft erhielte Solarstrom und die Stadt Zug könnte diese privaten Flächen mittels Förderprogramm unterstützen. «Damit das funktioniert, sind noch juristische Fragen zu klären. Danach, so hofft der Stadtrat, wird auch in der Region Zug ein Modell zur Verfügung stehen, dass der Solarstromproduktion einen weiteren Schub verleiht», heisst es in der Antwort. Entsprechend beantragt der Stadtrat dem Parlament, das Postulat als erledigt abzuschreiben.

Des Weiteren weist die Energiekommission darauf hin, dass die im Energiereglement festgelegten 400000 Franken zur Förderung erneuerbarer Energie nicht mehr mit den Bedürfnissen mithalten könnten. Um das Förderprogramm attraktiv zu halten, stehe eine Erhöhung des Budgets zur Diskussion.