Zuger Strafgericht
Akzeptiert Ratenwirt Iwan Iten den Schuldspruch wegen mehrfacher Massnahmenverstösse?

Bislang ist beim Zuger Strafgericht keine Berufung in der Sache um Iwan Iten eingegangen. Trotzdem bleibt unklar, ob sich der Wirt des Restaurants Raten gegen Geldstrafe und Busse wehrt, die ihm das Gericht auferlegt. Auf dem Raten scheint Schweigen gerade Gold zu sein.

Kilian Küttel
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Das Restaurant Raten, nachdem der Zuger Regierungsrat im Dezember 2020 eine einwöchige Schliessung verfügt hatte.

Das Restaurant Raten, nachdem der Zuger Regierungsrat im Dezember 2020 eine einwöchige Schliessung verfügt hatte.

Bild: Matthias Jurt (Oberägeri, 10. Dezember 2020)

Das Interview, das keines ist, dauert knapp zehn Minuten. Iwan Iten, Wirt des Restaurants Raten und seit wenigen Tagen wegen mehrerer Verstösse gegen die Coronamassnahmen verurteilt, will öffentlich nicht mehr über das Verfahren gegen ihn sprechen.

Weil er weder Propaganda noch Selbstmarketing unterstützen will, das unsere Zeitung seiner Ansicht nach betreibt. Deshalb redet er am Telefon zwar viel, sagt aber nichts Zitierfähiges. Und lässt so die Öffentlichkeit im Unklaren darüber, ob er die bedingte Geldstrafe (40 Tagessätze zu 100 Franken) und die 1000-Franken-Busse akzeptiert, mit denen ihn das Zuger Strafgericht am Freitag bestraft hat.

Immerhin zeigt eine Nachfrage beim Strafgericht: Bis Dienstagmittag ist auf der Gerichtskanzlei keine Berufung angemeldet worden. Noch hätte Iten Zeit bis und mit kommendem Montag, um sich gegen Schuldspruch und Strafe zu wehren, die ihm die Zuger Justiz auferlegt: Im Oktober 2020 hatte er nicht dafür gesorgt, dass sein Personal Corona-Schutzmasken trägt; einen Monat später veranstalte er im Saal des Restaurants einen Filmabend – zwar mit rund 50 Gästen, aber ohne Schutzkonzept.

Korporation drückt Verständnis aus

Beides war illegal, für beides bestraft der Staat den Ratenwirt. Bleibt es bei diesen verschmerzbaren Konsequenzen? Immerhin hatte die Korporation Oberägeri gegenüber unserer Zeitung gesagt, sie befürchte einen Imageschaden, nachdem die Zuger Behörden das Restaurant im Dezember 2020 geschlossen hatten. Wie nimmt die Eigentümerin des Restaurants die Verurteilung ihres Pächters auf?

Auch diese Frage bleibt ungeklärt. In einer schriftlichen Stellungnahme teilt der Korporationsrat mit, er habe letzte Woche erst durch unsere Zeitung vom Verfahren gehört. Deshalb, und weil man im Milizsystem organisiert sei, will die Korporation nicht sagen können, wie sie das Urteil aufnimmt.

Der Rat schreibt einzig, er habe die Pächterin während der Pandemie angehalten, die geltenden Regeln zu respektieren. Und:

«Wir können aber auch den Unmut der Pächterin aufgrund der wirtschaftlichen Folgen verstehen.»

Mehrere Nachfragen – etwa, ob Iten als Pächter noch tragbar oder ob der Imageschaden eingetreten ist – ignoriert der Korporationsrat.

Ein Akt der Solidarität? Immerhin scheint die Haltung einzelner Ratsmitglieder nicht allzu weit von Itens Einstellung entfernt zu sein. So veröffentliche ein Ratsmitglied regelmässig massnahmenkritische Beiträge in den sozialen Medien; teilte etwa Texte, die Schutzmasken ihren Nutzen absprachen oder verglich die Maskenpflicht mit dem Straftatbestand der Nötigung. Diese Postings stammten von Ende Oktober 2020 – also aus einer Zeit, in der Ratenwirt Iwan Iten als Massnahmengegner von sich reden machte.