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Zuger Strafgericht: Das Geld parkierte er in Liechtenstein

Ein Zuger Rohstoffhändler bereicherte sich insgesamt um 830000 Dollar an den Geschäften seines Arbeitgebers.
Christopher Gilb

Wieso er es getan hat. Das habe er sich auch schon so manches Mal gefragt. Es sei wohl eine Kombination aus verschiedenen Gründen gewesen. Einerseits habe er einfach die Möglichkeit gehabt, niemand habe ihm über die Schultern geschaut, niemand ihn kontrolliert. «Dann war es ganz ehrlich auch die Gier.» Arrogant sei er gewesen, habe das Gefühl gehabt, er komme mit allem durch. Viele Jahre habe er zuvor Karriere bei einem bekannten Rohstoffkonzern gemacht, sei immer first class oder Businessclass geflogen, immer sei ihm auf die Schulter geklopft worden. «Da wird man überheblich.»

Der Familienvater sitzt an diesem Montag im Gerichtssaal des Zuger Strafgerichts und ist der «mehrfach qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung» angeklagt. Besondere optische Merkmale gibt es an ihm keine zu beschreiben, er sieht aus, wie man sich jemanden vorstellt, der täglich mit Zahlen jongliert. Ein ganz normaler Bürger sei er, hatte er zuvor bei der Befragung zu seiner Person gesagt: Mountainbiken, Fussball – und die Rohstoffe.

Kommissionen pro Tonne

Bei der Gerichtsverhandlung geht es um die Zeit von 2008 bis 2012, da verkaufte der kaufmännische Angestellte von Zug aus für eine Handelsfirma mit russischer Beteiligung, Metalle aus Südafrika. 33 Kommissionszahlungen gingen in diesem Zeitraum an eine Tarnfirma in Liechtenstein und damit indirekt aufs Privatkonto des Angeklagten, insgesamt 830000 Dollar. Mal flossen 10 Dollar pro Tonne aufs Konto, mal 20 Dollar. Er verkaufte Manganerz und Silizium-Mangan; 5000 Tonnen oder 10000 Tonnen und auch mal 15000 Tonnen auf einmal. Die Richterin befragt ihn zu jedem der 33 Fälle einzeln. Jedes Mal bestätigt er die Anklage. Wieso das seinem Arbeitgeber nicht aufgefallen sei, will die Richterin nun wissen. Er habe einen gewissen Spielraum beim Preis gehab, antwortet er. Also machte er dem Arbeitgeber vor, die Rohstoffe für einen tieferen Preis verkauft zu haben, als er es wirklich getan hat. Die Differenz ging auf’s Konto nach Liechtenstein. Der Markt sei intransparent, erklärt er. Und die Käufer der Erze, ob die das nicht ungewöhnlich gefunden hätten?», hakt die Richterin nach. Nein, denn zusätzliche Kommissionszahlungen seien nicht unüblich in der Branche, antwortet er. Er verweist auf seine Erfahrung beim grossen Rohstoffkonzern. Aber es sei ihm bewusst gewesen, dass das Geld eigentlich seinem Arbeitgeber zugestanden habe, fragt die Richterin. Ja, das sei ihm bewusst gewesen.

Das Geld ist noch da

Das hinterzogene Geld jedenfalls gibt es noch. Der Angeklagte hat es auf ein Konto bei der Zuger Staatsanwaltschaft einbezahlt. Und er ist bereit zu akzeptieren, dass es der geschädigten Firma ausbezahlt wird.

Die Richterin überrascht es etwas, dass das ganze Geld noch da ist. Im Normalfall bräuchten Kriminelle in solchen Fällen dieses, um ihr teures Leben zu finanzieren – «es zu verprassen». Er nicht, er verdiente schon so genug. Das Geld lag einfach so auf dem Konto. Vielleicht hätte er in der Zukunft damit einmal selbst eine Firma aufgemacht, sinniert er. So viel überlegt habe er sich noch gar nicht. Und wieso gesteht er erst jetzt an der Gerichtsverhandlung? Seine Tat gestehen habe er schon von Anfang an gewollt, aber sich entschieden zu warten, bis die Ermittlungen abgeschlossen seien. Um zu wissen, um was es genau für ihn gehe, erklärt er.

Das habe er doch spätestens bei der letzten Konfrontationseinvernahme gewusst, wirft der Staatsanwalt kritisch ein. Der Staatsanwalt hatte in der Anklageschrift darauf verzichtet, einen Antrag zu den Sanktionen zu stellen. Er will dies in seinem Plädoyer am nächsten Verhandlungstag nachholen, auch die Verteidigung plädiert dann. Ursprünglich war der Rohstoffhändler auch wegen mehrfacher Geldwäscherei angeklagt gewesen. Doch dieser Straftatbestand ist in seinem Fall verjährt, wie das Gericht gleich zu Anfang der Verhandlung die Auffassung der Verteidigung bestätigte.

Gemäss schweizerischem Strafgesetzbuch kann jemand, der damit betraut ist, Vermögen eines anderen zu verwalten oder eine solche Vermögensverwaltung zu beaufsichtigen, «und dabei unter Verletzung seiner Pflichten bewirkt oder zulässt, dass der andere am Vermögen geschädigt wird, mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft werden». Und handle der Täter sogar in der Absicht, sich oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern, so könne auf eine Freiheitsstrafe von einem bis fünf Jahren erkannt werden.

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