ZUGER STRAFGERICHT: Freispruch für die Mutter von Anastasia

Seit vier Jahren sitzt eine Russin im Gefängnis. Sie soll ihre Tochter in Steinhausen getötet haben. Das Gericht ist von ihrer Schuld nicht überzeugt.

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Es war ein Indizienprozess, Beweise gibt es keine. Für Paul Kuhn, Stellvertretender Zuger Oberstaatsanwalt, war klar, dass die Mutter in der Nacht auf den 12. Mai 2004 ihre sechsjährige Tochter im Brustbereich erdrückt und dabei erstickt hatte. Nur die Frau komme als Täterin in Frage, für die Anwesenheit einer Drittperson an der Goldermattenstrasse in Steinhausen gebe es keine Spuren. Die 36-jährige Russin sei wegen Mordes zu 17 Jahren Freiheitsstrafe zu verurteilen.

«Sehr wenige Indizien»
Doch das Strafgericht folgte nach einer langen Beratung den Argumenten der Verteidigung. Es lägen nur sehr wenige Indizien vor, führte Richter Marc Siegwart aus, so ihre Tatnähe, die Schliessverhältnisse (erstmals hörte man gestern, dass ein Zutritt zur Hochparterrewohnung auch über die offene Balkontüre möglich gewesen wäre), das sehr gefasste Auftreten der Mutter nach der Tat, das Ausschliessen einer Drittperson durch die Staatsanwaltschaft und zwei Zeugenaussagen. Relativiert wurde vom Gericht das von der Anklage behauptete Täterwissen. Auch das angeführte Motiv – die Tochter sei der Mutter bei deren Rückkehr zur Prostitution im Weg gestanden – überzeugte das Gericht nicht. Die Frau habe ihre Tochter geliebt und diese zu ihrer Mutter nach Russland schicken wollen.

Russin bleibt vorläufig in Haft
Trotz Freispruch bleibt die Frau vorderhand in Sicherheitshaft. So ist die Berufung des Staatsanwalts gegen das Urteil möglich. Und es gebe ein Gesuch um Haftverlängerung, über das die Haftrichterin zu entscheiden habe. Offen bleibt auch, was die Frau für die erlittene Haft aus der Staatskasse erhält.

Jürg J. Aregger

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Freitag in der Neuen Zuger Zeitung