Zuger Strafgericht leuchtet Vermögensfall bis in die letzten Winkel aus

Ein fürstlich bezahlter Rohstoffhändler flunkert bei Einkäufen und lenkt Geld in die eigenen Taschen. Etwas ist überraschend.

Marco Morosoli
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Wie umfangreich die Anklageschrift der Zuger Staatsanwaltschaft im Verfahren gegen zwei Manager einer Zuger Rohstofffirma ausfiel, ist nicht verbrieft. Das Strafgericht verurteilte den Haupttäter wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung zu 23 Monaten bedingt. Sein Helfer kassierte 176 Tagessätze zu je 1500 Franken. Diese Strafe sprach das Gericht bedingt aus. Das Richterkollegium brauchte zur Herleitung dieser Schuldsprüche 97 Seiten.

Akribisch leuchten die Strafrichter jede Ecke aus. Den Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung hat der 48-Jährige noch vor dem Beginn des Prozesses eingeräumt. Der Familienvater hat das Geld, das er unberechtigterweise bei Rohstoffgeschäften in seine Taschen gewirtschaftet hat, auf ein Konto der Zuger Staatsanwaltschaft überwiesen. Es fehlte scheinbar kein Rappen.

Seine Masche war verblüffend einfach. Bei den von ihm getätigten Rohstoffgeschäften zweigte er pro Tonne mal 10 US-Dollar (10 Franken) ab und ein anderes Mal das Doppelte. Das erscheint wenig, aber bei zum Beispiel einer Menge von 15000 Tonnen, schenkt ein solches Geschäft schön ein. Insgesamt vollführte er diese Masche 33-mal. Sein Damals-Kollege half ihm ab und an, einige solcher Geschäfte zu verwedeln. Geld für seine Hilfestellungen scheint der heute bald 50 Jahre alte Osteuropäer nicht bekommen oder aber nicht verlangt zu haben.

Die lange Verfahrensdauer ist auch ein Thema

Die untersuchten Rohstoffkäufe liegen mittlerweile beinahe ein Jahrzehnt zurück. Die Zuger Polizei hatte den Haupttäter vor 7,5 Jahren ein erstes Mal zur Sache befragt. Gemäss einer im Urteil integrierten Aufstellung bewegte sich einmal während mehr als drei Jahren in dieser Strafsache nichts. An anderer Stelle im Urteil schreiben die Strafrichter: «Angesichts dieser Tatsache ist zwar nicht von einem eigentlichen Stillstand der Strafuntersuchung über einen längeren Zeitraum auszugehen, allerdings hätte sie zweifellos schneller erledigt werden können.»

Die Schweizerische Strafprozessordnung hält im Artikel 5 fest, dass «die Strafbehörden die Strafverfahren unverzüglich an die Hand nehmen und sie ohne Verzögerung zum Abschluss» bringen. Dieses sogenannte Beschleunigungsgebot hat selbst in der Bundesverfassung (BV) ihren Niederschlag gefunden. Darin ist dieser Grundsatz allerdings etwas unscharf festgehalten. Es steht dort im Artikel 29, Absatz 1, dass jede Person in Verfahren vor Gerichtsinstanzen einen Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf Beurteilung innert angemessener Frist habe.

Fakt ist: Im vorliegenden Verfahren musste vor einer allfälligen Strafe wegen Geldwäscherei schon deshalb Abstand genommen werden, weil dieser Tatbestand in der Zwischenzeit bereits verjährt ist.

Der geständige Familienvater «profitiert» von der langen Verfahrensdauer bei der Strafzumessung. Es sei zu berücksichtigen, dass sich der Beschuldigte seit «mittlerweile siebeneinhalb Jahren wohl verhalten hat». Der Hauptbeschuldigte muss nicht ins Gefängnis, wie dies die Staatsanwaltschaft verlangte. Seine Verfahrenskosten betragen 49300 Franken, dazu kommen die Anwaltskosten.

Sein Gehilfe kommt mit einer bedingten Geldstrafe davon. 20000 Franken kostet ihn das Verfahren dennoch. Seinen Rechtsvertreter muss auch er selber berappen. Er hat Berufung eingelegt. Er dürfte es sich leisten können. Seinen Nettolohn hat er mit 70000 Franken angegeben. Pro Monat.