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Zuger Strafgericht verurteilt Asiatin wegen Wucherzinsen

Eine gut situierte Thailänderin gewährt Frauen Darlehen von über 1 Million. Dabei verlangt sie 5 bis 7 Prozent Zins monatlich. Die Beschuldigte kommt mit einer Warnstrafe davon.
Jürg J. Aregger
Das Strafgericht an der Aabachstrasse in Zug. (Bild: Werner Schelbert)

Das Strafgericht an der Aabachstrasse in Zug. (Bild: Werner Schelbert)

Eine Thailänderin wurde vom Strafgericht des Kantons Zug des mehrfachen versuchten Wuchers mit einem Deliktsbetrag von 200 000 Franken schuldig gesprochen. Sie wurde zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten bedingt verurteilt. Zudem wurde in dem kürzlich veröffentlichten Urteil eine Busse von 3000 Franken ausgesprochen.

Laut Anklage kamen Thailänderinnen und andere Asiatinnen in den Jahren 2008 bis 2013 bei 120 Darlehensverträgen zu einem Schaden von über 1 Million Franken. Die Angeklagte habe sich unter Ausbeutung von deren Unterlegenheit (Zwangslage und/oder Unerfahrenheit sowie Abhängigkeit) einen monatlichen Zins von in der Regel zwischen 5 und 7 Prozent versprechen lassen, heisst es in der Anklageschrift. Gestattet waren damals Jahreszinse von maximal 15 Prozent. Sie habe den Darlehensnehmerinnen gedroht, wenn sie die Zinsen nicht bezahlten, dass sie ihre (Schweizer) Männer informieren würde und ihnen weiter Unbill und ein schlechtes Karma angedroht.

Es lägen keine altruistischen Motive vor, sondern «rein egoistische Beweggründe», wobei die Beschuldigte eine hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt habe. So forderte die Staatsanwältin wegen gewerbsmässigen Wuchers eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, von denen 12 Monate zu vollziehen seien.

«In Thailand sind 20 Prozent im Monat üblich»

An der Verhandlung Ende Juni 2017 unterstrich der erbetene Verteidiger, dass die wieder in ihrer Heimat lebende Thailänderin extra angereist sei, um sich den Vorwürfen zu stellen. Dazu hatte ihr das Gericht das freie Geleit zugesichert. «Sie ist berechtigterweise der Meinung, dass sie unschuldig ist», führte der Anwalt aus. Es falle auf, dass fast alle Darlehensnehmerinnen kranke Verwandte in ihrer Heimat haben, für deren Spitalkosten sie scheinbar aufkommen mussten, oder Schulden, die abbezahlt werden müssen.

Die Staatsanwaltschaft habe es leider verpasst, diese Aussagen zu prüfen. «Die Geschädigten kennen sich und haben auch untereinander Kredite vergeben. Sie möchten nun verhindern, dass ihre Kreditgeschäfte ebenfalls zum Vorschein kommen», sagte der Verteidiger. Und wies darauf hin, «dass es in Thailand üblich ist, Zinsen von bis zu 20 Prozent pro Monat zu verlangen».

Einige der geschädigten Frauen hätten die Darlehen für Internetwetten, Casinobesuche, überteuerten Lebenswandel und eigene Darlehensverträge gebraucht. Die Beschuldigte habe als Sicherheit beispielsweise auf Schmuck verzichtet und hatte so ein höheres Risiko: «Das sicherte sie durch einen höheren Zins ab.» Sie habe selber einen uneinbringlichen Verlust von 370 000 Franken erlitten.

Urteil umfasst 85 Seiten

Im kürzlich veröffentlichten detaillierten Urteil, das 85 Seiten umfasst, setzen sich die Richter in jedem einzelnen Fall mit dem Wuchervorwurf auseinander: «Dass die Beschuldigte eine Unterlegenheit ihrer Vertragspartnerinnen (Zwangslage, Unerfahrenheit oder Abhängigkeit) ausbeutete, ist nicht erstellt. Zufolge Fehlen dieses objektiven Tatbestandsmerkmals hat sie sich auch nicht des mehrfachen (vollendeten) Wuchers schuldig gemacht.»

Sie hatte in Thailand und in England Politwissenschaften studiert. In der Schweiz arbeitete sie bei verschiedenen Handelsfirmen und Banken. Sie hat laut Gericht vom offensichtlichen Missverhältnis der Leistungen zwischen den gewährten Darlehen und den verlangten hohen Zinsen gewusst. So wurde sie des mehrfachen versuchten Wuchers mit einem Deliktsbetrag von 200 000 Franken (kassierte Zinsen) schuldig gesprochen.

Die Richter berücksichtigten bei der Strafzumessung, dass die Thailänderin gesamthaft einen Verlust erlitten hatte. Sie war bisher nicht vorbestraft. Vom Geld aus dem BVG-Kapitalvorbezug hat sie sich in ihrer Heimat ein Haus gekauft. So fand man eine Freiheitsstrafe von 22 Monaten bedingt für angemessen. Zudem wurde eine Busse von 3000 Franken ausgesprochen. Sodann wurde eine Ersatzforderung von 200 000 Franken zugunsten der Geschädigten angeordnet. Dieses Geld stammt aus dem Verkauf ihres Hauses im Kanton Zug. Beide Parteien haben bereits Berufung ans Obergericht angekündigt.

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