ZUGER STRAFGERICHT
Wegen sexueller Belästigung: 43-Jähriger darf keinen Kontakt zu Kindern mehr haben

Weil er zwei Mädchen über Oralsex befragt hat, verbietet das Zuger Strafgericht einem arbeitslosen Schweizer den regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen. Bereits vor den Zwischenfällen ist der 43-Jährige den Behörden aufgefallen.

Kilian Küttel
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Mit geschlossenen Augen und verschränkten Händen hört der Innerschweizer der Gerichtsschreiberin zu, die das Urteil gegen ihn verliest. 500 Franken Busse muss der 43-Jährige zahlen, der von 3500 Franken Arbeitslosengeld lebt. Und: Für den Rest seines Lebens darf er keinen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen mehr haben - im Beruf und bei «organisierten ausserberuflichen Tätigkeiten», also etwa in einem Verein. So will es das Zuger Strafgericht.

Grund für das und die knapp einstündige Verhandlung vom Montagmorgen waren zwei Zwischenfälle aus dem Jahr 2019. Innert weniger Wochen fragte der Beschuldigte zwei Mädchen im Kanton Zug, ob sie «blasen» würden. Die Mädchen, die keine zehn Jahre alt waren, gingen nicht auf die Frage nach Oralverkehr ein, erzählten aber zu Hause davon. Die Eltern schalteten die Polizei ein.

Laut dem Zuger Strafgericht hat sich der Beschuldigte damit dem Tatbestand der sexuellen Belästigung schuldig gemacht.

Leichtes Tatverschulden, keine Bagatelle

Wie der Einzelrichter in seiner mündlichen Urteilsbegründung festhielt, fällt die Strafe von 500 Franken Bussgeld nicht höher aus, weil es der Beschuldigte bei der blossen Frage beliess, weder Druck ausübte noch sich den Kindern näherte. Der Richter sagte:

«Ich will in keiner Weise bagatellisieren, was Sie getan haben, aber es handelt sich um ein leichtes Tatverschulden.»

Der 43-jährige Arbeitslose ist wegen ähnlicher Zwischenfälle vorbestraft und nach einer Weisung der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde in Therapie. Vor Gericht sagte er, die monatlichen Sitzungen würden ihm guttun und er wolle die Behandlung weiterführen.

Bereits wegen Exhibitionismus verurteilt

Das Tätigkeitsverbot nahm der Beschuldigte kommentarlos hin. Ohnehin zeigte sich der Innerschweizer, der sich selbst vertrat, zurückhaltend, beantwortete Fragen zur Sache und Person mit sanfter Stimme und ohne ausschweifend zu werden. Als er zu den Zwischenfällen befragt wurde, sprach er von Dummheiten, unterstricht aber, dass es seit einem Jahr nichts mehr passiert sei. Im Februar 2020 hatte ihn letztmals die Staatsanwaltschaft Luzern wegen Exhibitionismus verurteilt.

Der Einzelrichter appellierte zum Schluss seiner Begründung an die guten Vorsätze des 43-Jährigen:

«Sie müssen Ihre Veranlagung in den Griff bekommen. Es ist jetzt seit einem Jahr nichts mehr vorgefallen. Dabei muss es bleiben.»