Interview

Zuger Unternehmen: Wichtig ist jetzt, den Exit zu planen

Andreas Umbach, Präsident der Zuger Wirtschaftskammer, spricht über die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns.

Interview: Andrea Muff
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Andreas Umbach, Präsident der Zuger Wirtschaftskammer.

Andreas Umbach, Präsident der Zuger Wirtschaftskammer.

Bild: PD

Wie beurteilen Sie die momentane Lage der Zuger Unternehmen?

Andreas Umbach: Diese ist vergleichbar mit derjenigen der restlichen Schweiz. Das heisst, fast 30 Prozent der Mitarbeitenden der hier ansässigen Unternehmen sind in der einen oder anderen Form von Kurzarbeit betroffen. Die meisten Firmen kümmern sich um die Sicherheit und Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Zudem versuchen sie, ihre Wertschöpfung trotz der Einschränkungen aufrechtzuerhalten, um weiterhin für ihre Kunden Produkte zu liefern oder Dienstleistungen zu erbringen.

Momentan leiden im Kanton Zug besonders die Kleinstunternehmen. Oft fühlen sie sich im Stich gelassen. Wie sehen Sie das und was raten Sie solchen Betrieben?

Bei den meisten machen die Personalkosten und die Miete einen hohen Anteil der Gesamtkosten aus. Ich rate, die verfügbaren Instrumente wie Kurzarbeit und Liquiditätshilfen zu nutzen. Gleichzeitig gilt es, den Lockdown-Exit zu planen und in Kontakt mit den Kunden zu bleiben, auch wenn das Geschäft momentan geschlossen hat.

Welche Branchen leiden jetzt besonders?

Betroffen sind alle Sektoren der Zuger Wirtschaft. Jedoch trifft es viele Kleinstunternehmen besonders hart, weil sie ihre Arbeit nicht mehr leisten dürfen. Dazu gehören etwa die Gastronomie, Retail, Tourismus, Kultur und Sport. Aber auch für ein grosses Gartenzentrum kann die Situation existenzbedrohend sein.

Gibt es Betriebe, die durch die Maschen fallen, weil keine Massnahme – weder die vom Bund noch vom Kanton – greifen?

Ja, die gibt es. Aus meiner Sicht sind es solche, die sich erst vor kurzem selbstständig gemacht haben sowie Start-up-Unternehmen. Denn die beiden haben noch keine nennenswerten Umsätze zu verzeichnen, welche die Bemessungsgrundlage für die Massnahmen des Bundes bilden.

Wo sehen Sie die grösste Herausforderung, die diese Krise mit sich bringt?

Sorge bereiten mir die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns. Unternehmen fokussieren sich logischerweise auf die Sicherstellung ihrer Liquidität und drosseln, soweit möglich, ihre Kosten. Konsumenten und Unternehmen sind verunsichert, was zur Folge hat, dass weniger ausgegeben wird und Investitionen zurückgestellt werden. Die grössten Schwierigkeiten könnten uns noch bevorstehen.

Gibt es Möglichkeiten eine Rezession zu verhindern?

Der Staat kann punktuell helfen, indem er geplante Investitionen vorzieht und beschleunigt. In unserem Kanton gibt es bereits erste Überlegungen dazu. Das kann ich aufgrund meines regelmässigen Austausches mit der Volkswirtschafts- und der Finanzdirektion bestätigen. Auch der Regierungsrat macht sich Gedanken wie er dazu beitragen kann, eine Rezession zu vermeiden. Dieser Support hilft uns. Doch letztlich sind das Einkaufsverhalten jedes einzelnen Konsumenten und die Investitionstätigkeiten der Unternehmen entscheidend, um eine Rezession zu vermeiden.

Beteiligt sich die Zuger Wirtschaftskammer auch an den momentanen Diskussionen?

Ja, wir sind aktiv dabei. Der Vorstand der Zuger Wirtschaftskammer bringt sich lokal bei Gesprächen mit der Zuger Regierung und mit Behördenvertretern in die Diskussionen um ergänzende Massnahmen und die schrittweise, wirkungsvolle Öffnung ein. Alle ziehen an einem Strang. Das ist sehr gut.

Wodurch unterscheidet sich die Zuger Wirtschaft von anderen Kantonen?

Zug hat nicht nur einen Pfeiler, auf den sich die Wirtschaft stützt. Unsere Diversität und Vielfalt ist eine Stärke. Des Weiteren werden uns der lokal besonders ausgeprägt vorhandene Innovationsgeist sowie ein hohes Mass an Flexibilität helfen, die Krise zu überwinden. Ich bin zuversichtlich, dass wir dadurch schneller und besser auf Veränderungen reagieren können.

Die Zuger Wirtschaftskammer hat auch eine Hotline für Zuger KMU zu rechtlichen Fragen rund um die Coronapandemie eingerichtet. Wie laufen diese Gespräche?

Die Hotline ist sehr gut angelaufen. Wir konnten bereits rund 100 Gespräche führen, das sind 15 Telefonate pro Tag. Nun geht die Zahl der Anrufe zurück, denn die wichtigsten Fälle sind geklärt. Bei den meisten ging es um die Themen Kurzarbeit und Erwerbsersatz. Persönlich rechne ich damit, dass die Zahl der Anrufe wieder steigen wird, sobald der Bund seine Ausstiegspläne kommuniziert. Insgesamt machen bei der Hotline 16 Zuger Anwaltsfirmen unentgeltlich mit. Pro Tag übernehmen jeweils drei Kanzleien den Dienst. Hut ab vor diesem Engagement, auch wenn dieses aus sicherer Distanz erfolgt. Umso mehr verdienen all jene unsere Hochachtung und unseren Dank, die an vorderster Front in Spitälern und Pflegeeinrichtungen gegen Covid-19 kämpfen.