Zuger Wälder sind coronabedingt stärker frequentiert – Schäden will man vorbeugen

Die Naherholung im eigenen Kanton wurde durch die Pandemie attraktiver. Das Amt für Wald und Wild agiert präventiv, um Schäden zu vermeiden.

Vanessa Varisco
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Nicht immer ist der Wald so leer wie hier. Pandemiebedingt zieht es immer mehr Menschen in den Wald.

Nicht immer ist der Wald so leer wie hier. Pandemiebedingt zieht es immer mehr Menschen in den Wald.

Bild: Stefan Kaiser (Oberägeri,
22. Dezember 2020)

«Ja, der Effekt ist klar erkennbar», antwortet Martin Ziegler, Leiter vom kantonalen Amt für Wald und Wild, auf die Frage, ob coronabedingt mehr Menschen in den Zuger Wälder unterwegs seien. Allgemein werde der Wald noch mehr als in den Vorjahren von Erholungssuchenden genutzt – Corona hat den bestehenden Trend aber verstärkt. «Dieses Bedürfnis nach Erholung im Wald ist absolut verständlich und nachvollziehbar», räumt der Experte ein.

Dieses Phänomen war auch, an den Festtagen zu beobachten. Besonders in Wintermonaten begeben sich sehr viele Leute in höhere Lagen – etwa um dem tristen Grau des Nebels zu entfliehen und Sonne zu tanken. Im Kanton Zug zählen die Ratenregion, der Zugerberg und zu einem gewissen Teil auch das Hürital zu den beliebtesten Plätzen. Aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten zu verreisen wurden diese Gebiete laut Ziegler letztes Jahr noch mehr genutzt als üblich.

Populationen können verschwinden

Mehr Menschen in den Wäldern – was bedeutet das für Flora und Fauna? Wenn die Nutzung auch auf abgelegene Gebiete übergreift, beeinflusst das Wildtiere. Die damit einhergehenden Störungen hätten zur Folge, dass sich störungsanfällige Tiere weiter zurückziehen müssen und ihr Lebensraum somit immer kleiner werde. «Im Extremfall führt dies sogar zum Verschwinden einer Population», erklärt Martin Ziegler. Besonders jetzt, im Winter, sind solche Störungen noch kritischer. Denn:

«Flucht und Rückzug führen zu grossem Energieverschleiss und das Nahrungsangebot ist gering.»

Die gute Nachricht: Gemäss den Beobachtungen des Amts verhält sich ein Grossteil in den Zuger Wäldern korrekt und rücksichtsvoll. Auch bleiben nicht mehr Abfälle als sonst liegen, in den letzten Jahren wurde bezüglich Littering gar eine Verbesserung festgestellt. Den Lockdown ausgenommen. «Zu dieser Zeit waren auch Personen im Wald unterwegs, die man sonst weniger in diesem Umfeld antrifft und sich anscheinend auch weniger mit den gängigen Verhaltensregeln auskennen», blickt Ziegler zurück.

Sensibilisierung benötigt es dennoch zeitweise. Viele Waldbesucher sind sich beispielsweise nicht bewusst, dass ein Grossteil des Waldes nicht öffentliches Eigentum ist. «Umso wichtiger ist es, sich im Wald als Gast respektvoll zu benehmen.» Dazu gehört auch, dass berücksichtigt werde, dass laute Musik, Scheinwerfer und Drohnen nicht in den Wald gehören.

Mehr Aufsicht im Wald

Gerade weil die Besucherzahl im Wald höher ist, braucht es mehr Sensibilisierung. Und zwar direkt vor Ort. Aus diesem Grund hat das Amt für Wald und Wild Revierförster und einen Rangerdienst mit der Aufsicht beauftragt. Ziel ist nicht zusätzliche Restriktionen zu verhängen, sondern die Situation zu überblicken und wo nötig zu informieren und lenken.

Da die Störungen wie erwähnt zu Artenverlust führen können, ist diese Massnahme wichtig und vor allem langfristig entscheidend. Martin Ziegler sagt dazu: «Durch die Lenkung der Waldbesucher in weniger sensible Gebiete, versuchen wir, nachhaltigen Schaden zu verhindern.» Eine präventive Massnahme also. Die Waldbesucher würden sich bewusst, dass sie durch rücksichtsvolles Verhalten, Verbote verhindern können und damit das freie Betretungsrecht des Waldes schützen. Dies ist ganz in unserem Sinne. Denn die Leute sollen sich im Wald wohl und möglichst frei fühlen.