ZUGER WAHLEN: Verliert die CVP die Mehrheit im Kantonsrat?

Die Sitze im Zuger Kantonsrat werden am Sonntag zum ersten Mal nach dem Nationalratsproporz verteilt. Und erstmals sind die Grünliberalen mit am Start.

Merken
Drucken
Teilen
Der Zuger Kantonsrat tagt. (Archivbild Dominik Hodel/Neue ZZ)

Der Zuger Kantonsrat tagt. (Archivbild Dominik Hodel/Neue ZZ)

Niemand kann voraussagen, wie sich das neue Wahlsystem, der Listenproporz, auswirkt. Und niemand weiss mit Bestimmtheit, auf wessen Kosten die Grünliberalen sich den einen oder anderen Kantonsratssitz holen. Auf Kosten der FDP, weil einige aus deren Reihen kommen? Oder doch eher auf Kosten der Grünen, weil die Partei sich bis jetzt vornehmlich zu grünen Themen geäussert hat?

Neu ist auch, dass die Mandate für die einzelnen Gemeinden neu verteilt wurden. Das heisst: Menzingen und Steinhausen verlieren einen Kantonsratssitz, Zug und Walchwil erhalten je einen – aber eben: Was heisst das?

CVP unter Druck
Lesen wir deshalb mal im Kaffeesatz. Noch stellt die CVP mit 23 Kantonsräten die stärkste Fraktion. Und die Parteistrategen sehen keinen Grund, weshalb sich daran etwas ändern sollte, geben sich kämpferisch, zeigen Muskeln. Doch schauen wir genauer hin: In Steinhausen und in Menzingen sieht es ganz danach aus, dass die Christdemokraten je einen Sitz verlieren werden. Und auch in der Stadt Zug könnte es durchaus sein, dass man weiter an Boden verliert. Es ist also sehr wohl möglich, dass die CVP im Kantonsrat ihre Vorherrschaft einbüsst.

2002 und 2006 hatten die Auguren den Freisinnigen Verluste prophezeit. Aber die Partei konnte beide Male ihre 20 Sitze verteidigen. «Halten» heisst auch dieses Jahr die Devise der Parteileitung. Nur, ist diese realistisch? Vielleicht, doch dafür müssen die Freisinnigen in Walchwil den zusätzlichen Sitz holen und dürfen in Menzingen ihr Mandat nicht verlieren – weil es in Zug sehr eng werden wird. Also: Wenn die FDP ihre 20 Sitze verteidigen kann, dann ist dies für sie ein (grosser) Erfolg.

Die SP hat derzeit acht Sitze. Auf der gemeinsamen Liste mit der Alternative – die Grünen wird es ein Streichkonzert geben. Vor vier Jahren waren die Alternativen die grossen Gewinner: fünf Sitzgewinne. Ihre Aushängeschilder sind überzeugt, dass es im gleichen Stil weitergeht. Aber mit Verlaub: weshalb? Politisch war der Erfolg in den wichtigen Themen (Steuern, Strassen) sehr bescheiden. Und mit den Grünliberalen gibts nun direkte Konkurrenz.

SVP im Tännler-Schnellzug
Und die SVP? Sie wird zweifellos von ihrer Lokomotive Heinz Tännler profitieren. Wenn es die Partei schafft, ihre Anhängerschaft zu mobilisieren, dann könnte sie zu den Wahlsiegern gehören.

Fredy Trütsch