Ärger wegen Bikern auf schmalen Zuger Wanderwegen

Auf Zuger Wanderwegen sind immer mehr Velofahrer – darunter auch E-Biker – unterwegs. Während sich ein Verein daran stört, dass Fahrverbote nicht konsequenter umgesetzt werden, will die Polizei von Sanktionen wenig wissen.

Laura Sibold
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Verschiedene Wanderwege, wie etwa der Hünenberger Reusspfad unterhalb der SBB-Brücke in Meisterswil werden regelmässig von Velofahrern genutzt.

Verschiedene Wanderwege, wie etwa der Hünenberger Reusspfad unterhalb der SBB-Brücke in Meisterswil werden regelmässig von Velofahrern genutzt. 

Voraussichtlich im Herbst will der Bundesrat die Vernehmlassungsvorlage für den neuen Verfassungsartikel verabschieden, der Grundsätze für Velowegnetze festlegt. Dabei mitreden möchten aber nicht nur Velo­fahrer, sondern auch Wanderer. «Es gibt immer mehr Menschen, die das Velo nutzen, und immer mehr davon sind auch auf Wanderwegen unterwegs», bedauert beispielsweise Arthur Meier, Präsident des Vereins Zuger Wanderwege. Diese Entwicklung habe mit dem Vormarsch der E-Bikes noch zugenommen. Da es immer mehr Verkehrsteilnehmer gibt, werde es zunehmend schwerer, sich auszuweichen.

Verwarnungen und Bussen als Möglichkeiten

Auf Wegen ab zwei Metern Breite sei ein Nebeneinander von Velofahrern und Wanderern problemlos möglich, so Meier. «Doch leider gibt es immer mehr Biker, die in Gruppen unterwegs sind und auch vor schmalen Wanderwegen mit Fahrverboten nicht Halt machen.» Als Beispiele nennt er den Hünenberger Reusspfad, der sich unterhalb Meisterswil dem Fluss entlangschlängelt, sowie den Weg, welcher dem Zugersee entlang durch die Chollerbuchten führt. Weiter seien viele Velofahrer auf dem Reussdamm zwischen Hünenberg und Risch anzutreffen. Da grundsätzlich die Gemeinden für den Vollzug von Fahrverboten zuständig sind, hat der Verein Zuger Wanderwege auch mit einigen Zuger Gemeinden Kontakt aufgenommen. Es sei bestätigt worden, dass die Gemeinden teilweise Kontrollen durchführen, weiss Vizepräsident Alfred Knüsel. Doch wirklich passiert sei seither nicht viel. «Ob Fahrverbote eingehalten werden, wird nicht wirklich kontrolliert, obwohl dies dringend nötig wäre. Velofahrer stören auf schmalen Pfaden nicht nur Wanderer, sondern auch Tiere und können die Wege durch Bremsspuren beschädigen», erklärt Knüsel. Es könne nicht sein, dass der Verein Zuger Wanderwege die Kontrollen selber umsetzen müsse. «Das ist weder unsere Aufgabe, noch reichen unsere personellen Ressourcen», betont Arthur Meier. Er verweist auf das Beispiel Lenzburg, wo ein Jahr lang mittels Plakaten versucht wurde, Velofahrer von schmalen Wanderwegen im Wald fernzuhalten. Da dies nicht gefruchtet hat, geht die Regionalpolizei seit Mitte Mai in Lenzburg auf Bikerpatrouille und spricht neben Verwarnungen auch Bussen aus («Aargauer Zeitung» vom 10. Mai). Der grösste Teil der Velofahrer sei zwar vernünftig und bleibe auf den richtigen Wegen, ist Meier überzeugt. Dennoch hält er Verwarnungen und Bussen auch in Zug für sinnvoll. Die Zuger Strafverfolgungsbehörden teilen auf Anfrage mit, dass bis dato keine spezielle Vorfälle gemeldet worden seien.

Zuger Polizei führt keine Kontrollen durch

Ein Vorgehen wie in Lenzburg sei nicht angedacht. «Die Zuger Polizei führt bis jetzt keine Kontrollen auf den Wanderwegen im Kanton Zug durch und es sind auch keine vorgesehen.» Man appelliere an die Rücksichtnahme der verschiedenen Nutzer der Wanderwege. Dies ist auch dem Verein Zuger Wanderwege ein Anliegen. «Da immer mehr Menschen Wanderwege nutzen – auch Biker und E-Biker – müssen heute alle Verkehrsteilnehmer viel rücksichtsvoller sein», fordert Knüsel.

Das Zauberwort lautet Entflechtung. Wo immer möglich, sollen Velofahrer und Wanderer separate Wege zur Verfügung haben. So ist es auch in einem Merkblatt der Schweizer Wanderwege definiert, das kürzlich zur Vernehmlassung des eingangs erwähnten Verfassungsartikels eingereicht wurde. Denn basierend auf dem Bundesbeschluss über die Velowege sowie die Fuss- und Wanderwege, der im September 2018 von Volk und Ständen angenommen wurde, sollen neue gesetzliche Grundlagen geschaffen werden. «Die Konflikte auf Wanderwegen nehmen künftig noch zu», befürchtet Arthur Meier. Man sei daher mit dem Kanton in Kontakt, um auf den Zuger Wanderwegen eine grösstmögliche Entflechtung zu erreichen.