Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZUGER WAPPEN (11/11): Walchwiler Wappen: Ein Hauch von Ewigkeit

Das Wappen der Gemeinde Walchwil, die eigentlich mit Kastanien in Verbindung gebracht wird, zeigt einen ­umstrittenen Botschafter der Gemeinde. Und doch gibt es gute Gründe, warum eine Tanne darauf abgebildet ist.
Raphael Biermayr
Das Original: Das Walchwiler Wappen zeigt eine sattgrüne Tanne, die auf einem Dreiberg steht und sechs rote Tannzapfen trägt. Der Hintergrund ist in Weiss gehalten. (Bild: Grafik: Angelo Gwerder)

Das Original: Das Walchwiler Wappen zeigt eine sattgrüne Tanne, die auf einem Dreiberg steht und sechs rote Tannzapfen trägt. Der Hintergrund ist in Weiss gehalten. (Bild: Grafik: Angelo Gwerder)

Wie kein anderes Zuger Gemeindewappen wird das Walchwiler mit realen Personen in Verbindung gebracht. Dies, obwohl es lediglich eine Tanne mit sechs roten Zapfen zeigt. Letztere haben es aber in sich: Sie stehen für die sechs Korporationsgeschlechter des Orts (Enzler, Hürlimann, Müller, Röllin, Roth und Rust), die – manche mehr, manche weniger – bis heute für Einfluss und Reichtum stehen.

Die Tanne hingegen steht nicht für Walchwil, vielmehr würde man aus historischer Sicht eine Kastanie als Wappenbaum vermuten. Dieses Paradox war das Thema eines Beitrags in unserer Zeitung vor 22 Jahren. Der Alt-National- und -Regierungsrat Alois Hürlimann (2003 gestorben) behauptete damals, dass der Kastanienbaum einst tatsächlich das Wappen geziert habe. Weil es diesen Baum in der Heraldik nicht gebe, habe man die Tanne auf den Schild gehoben. Diese Änderung muss ziemlich früh erfolgt sein, ist die heutige Darstellung doch schon auf der Zuger Ratsscheibe von 1679 zu sehen, wie das «Wappenbuch des Kantons Zug» weiss.

Unterschiedliche Darstellungen

Unbestritten ist: Wenn die Tanne gezeigt wird, dann muss sie sechs Zapfen tragen. Nicht vier, wie anscheinend auf den Fahnen zum 100-Jahr-Jubiläum der Musikgesellschaft im Jahr 1995 zu sehen war. Dieser Irrtum sorgte dem Vernehmen nach für erhebliche Irritationen im Dorf. Die Dar­steller des Walchwiler Wappens scherten sich auch mit der Tanne im Zentrum übrigens nicht immer um heraldische Genauigkeit. So gibt es auf einer Scheibe in der Kapelle Holzhäusern eine Version, in der ein blauer statt ein weisser Hintergrund gewählt wurde.

Passendster Botschafter für die Gemeinde hin oder her – die Tanne verfügt durchaus über ­einen hohen übergeordneten Symbolcharakter. Jener kommt in der aktuellen Jahreszeit stark zur Geltung, steht der Nadelbaum doch als Weihnachtsbaum in der Stube und dienen seine Zweige doch als Hauptbestandteil des Adventskranzes. Als immergrüne Bäume – wenigstens solange man sie nicht fällt – verkörpern sie auch das «ewige Leben», weiss Wikipedia. In Teilen Osteuropas werden Tannen nachgerade verehrt; vor allem in Rumänien, wo diese Baumart «das Höchstmass an sakralem Charakter trägt», wie aus dem Buch «Die rumänische Volkskultur und ihre Mythologie» hervorgeht.

Doch zurück an die Hänge am rechten Zugerseeufer. Fraglos gibt es Tausende Tannen in Walchwil, weshalb dieser Baum durchaus seine Berechtigung im Wappen der Ortschaft hat. Gemäss dem «Wappenbuch des Kantons Zug» dient diese Art als «landwirtschaftliches Symbol des bewaldeten Berghangs» sowie als Zeichen «für den angestammten Genossenwald der freien Ortschaft». Freiheit und Zusammenhalt sind im 1798 von der Stadt Zug in die Unabhängigkeit entlassenen Walchwil besonders ausgeprägte und gern betonte Werte. Auch oder gerade weil so manche Tanne einem Zuzüger weichen musste und muss.

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Die Neuinterpretation: Der Grafiker Angelo Gwerder hat das Walchwiler Wappen humorvoll uminterpretiert und schreibt dazu: «Ein fleissiger Weihnachtsmann stimmt sich auf die Festtage ein.» (Bild: Grafik: Angelo Gwerder)

Die Neuinterpretation: Der Grafiker Angelo Gwerder hat das Walchwiler Wappen humorvoll uminterpretiert und schreibt dazu: «Ein fleissiger Weihnachtsmann stimmt sich auf die Festtage ein.» (Bild: Grafik: Angelo Gwerder)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.