ZUGER ZENTRUM: Was spricht gegen Tempo 30?

Der Verkehr durch die Stadt bereitet Anwohnern Sorgen. Sie verlangen eine Beruhigung. Aus Sicht des Baudirektors sind die Möglichkeiten beschränkt.

Interview Freddy Trütsch
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Anwohner möchten Tempo 30 nicht nur auf der Grabenstrasse, sondern von der Artherstrasse bis zum Metalli.

Anwohner möchten Tempo 30 nicht nur auf der Grabenstrasse, sondern von der Artherstrasse bis zum Metalli.

Eine Tempo-30-Zone auf der Grabenstrasse ist seit längerem ein Thema. Nun sind die Beschwerdeführer bereits zum zweiten Mal bis ans Bundesgericht gelangt; der Entscheid steht allerdings noch aus (wir haben berichtet). In einem Leserbrief fragte kürzlich Madeleine Treichler Gilgen, weshalb man für die «geplagten Anwohner» nicht bereits ab der Artherstrasse bis zum Metalli eine solche Tempo-30-Zone schaffen könnte. Die Anwohner müssten sich vor allem in den Randstunden, an Samstagabenden und ganztägigen Ruhetagen «von vornehmlich ausserkantonalen Tempobolzern terrorisieren lassen». Wir haben bei Regierungsrat Heinz Tännler nachgefragt.

Herr Tännler, was spricht gegen Tempo 30 von der Artherstrasse bis zur Metalli?

Heinz Tännler: Das ist eine neue Diskussion. Bisher war immer nur von der Grabenstrasse die Rede.

Bleiben wir bei der Grabenstrasse.

Tännler: Fakt ist, dass bereits heute auf diesem Strassenabschnitt langsamer als 50 Stundenkilometer gefahren wird. Neben der durch unsere Fachleute dargelegten, nicht wahrnehmbaren Lärmreduktion sprechen auch Argumente bezüglich der Verkehrssicherheit gegen Tempo 30. Zudem wäre zu fragen, warum dann nicht auch andere vergleichbare Strecken beziehungsweise alle Kantonsstrassen in der Stadt und den Gemeinden mit Lärmproblemen mit Tempo 30 zu versehen wären. Gemäss Strassenverkehrsgesetz gilt «Generell 50.»

Könnte man 30 Stundenkilometer nicht trotzdem einführen?

Tännler: Werden einzelne Strecken mit Tempo 30 signalisiert, ist es äusserst ungewiss, ob dies von den Autofahrern auch eingehalten wird.

Weshalb, wenn es ja vorgeschrieben ist?

Tännler: Weil auf einer Kantonsstrasse mit dieser Verkehrsbelastung und einem so hohen Anteil an Bussen und Lastwagen keine wirksamen flankierenden Massnahmen, ich denke da an Schwellen, umgesetzt werden können.

Und weil der Ausbaustandard dieser Strassen eher zum zügigen Fahren einlädt?

Tännler: Genau. Der Langsamverkehr, vor allem die strassenquerenden Fussgänger, würden davon ausgehen, dass nur mit 30 Stundenkilometern gefahren wird. Dies würde zu zusätzlichen, neuen Gefährdungen führen, vor allem in den verkehrsarmen Zeiten, da die Automobilisten nicht einsehen würden, warum nur mit 30 Stundenkilometer gefahren werden darf.

Weshalb könnte man eine Temporeduktion nicht wenigstens ab 19 Uhr einführen? Damit würde man die Anwohner vom Lärm entlasten, ohne den Berufsverkehr zu beeinflussen.

Tännler: Versuche mit temporären Geschwindigkeitsreduktionen haben gezeigt, dass deren Wirkung wenige Monate nach der Einführung verpufft sind und wieder schneller gefahren wird. In den Abend- und Nachtstunden mit freier Fahrt und ohne flankierende Massnahmen ist es utopisch zu glauben, dass die Automobilisten sich einem solchen Geschwindigkeitsregime unterordnen würden. Diese ist schon bei Gemeindestrassen oftmals eben nur mit Massnahmen erreichbar.

Könnte der Baudirektor eine solche Massnahme selber umsetzen?

Tännler: Nein. Es brauchte dazu ein Gutachten einer Verkehrsfachperson, welche nach den Weisungen des Bundes zu erstellen wäre. Die kantonalen Fachstellen gehen nicht davon aus, dass eine Temporeduktion umsetzbar wäre. Zusammen mit der Verfügung zur Tempo-30-Geschwindigkeit müssten die Unterlagen öffentlich aufgelegt werden. Wir gehen davon aus, dass dagegen Einsprachen erhoben würden, welche ebenfalls bis vor Bundesgericht weitergezogen werden könnten.

Gibt es andere Möglichkeiten, den Wünschen der Anwohner nachzukommen?

Tännler: Aus unserer Sicht nicht. Es geht auch darum, dass der Kanton alle vom Lärm Betroffenen gleich behandelt. Somit können wir keine über die vom Gesetz vorgeschriebenen Massnahmen anbieten.