Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

ZUGERBERG: Hund frisst vergifteten Köder

Eine Spaziergängerin muss ihr Tier in die Notfallklinik bringen, weil es Opfer einer Giftköder-Attacke wurde. Das ist längst kein Einzelfall, wie Fachleute bestätigen. Doch man kann seinen Hund schützen.
Wolfgang Holz
Wer sichergehen will, dass sein Hund nichts Giftiges frisst, sollte ihn einfach anleinen, raten Experten.Bild: Corinne Glanzmann (24. Oktober 2016)

Wer sichergehen will, dass sein Hund nichts Giftiges frisst, sollte ihn einfach anleinen, raten Experten.Bild: Corinne Glanzmann (24. Oktober 2016)

Die Zugerin ist geschockt und noch emotional aufgewühlt. «Unsere Megan wurde jüngst Opfer von einem präparierten Giftköder und musste nach mehreren Stunden des Übelseins und Erbrechens in die Notfallklinik eingeliefert werden. Sie kämpfte ums Überleben», postet sie über Facebook im Internet. Am Telefon bestätigt die Zugerin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, den schrecklichen Vorfall.

Die Hundehalterin geht sehr gerne mit ihrem Vierbeiner auf den Zugerberg spazieren – «und ich lasse ihn dort frei rennen, ohne etwas dabei zu denken. Und dann passiert so was, und meine Welt steht kopf. Was sind das für Menschen, die so etwas tun? Wie kann man da noch ruhig schlafen?» Hündin Megan hat den Giftköder überlebt und erholt sich nun langsam wieder. Nochmals Glück gehabt. «Bitte passt auf, es gibt echt Menschen, die unsere Lebensabschnittsbegleiter hassen und nur böse Absichten haben», warnt die Zugerin andere Hundebesitzer.

Überlebenschancen stehen fifty-fifty

«Wir haben von diesem Vorfall keine Kenntnis. Es liegt weder eine Meldung noch eine Anzeige vor», sagt Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche der Zuger Strafverfolgungsbehörden. «In der jüngsten Vergangenheit sind uns keine solchen Vorfälle bekannt geworden.»

Laut Tierschutzgesetz ist dabei klar: Personen, die solche Giftköder vorsätzlich auslegen und Tiere dabei qualvoll töten, müssen mit Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren beziehungsweise mit Geldstrafen rechnen. Gemäss einer öffentlichen Weisung der Oberstaatsanwaltschaft im Kanton Schwyz, wo sich im vergangenen Jahr einige Fälle mit Giftködern ereigneten, wird vorsätzliche Tierquälerei mit Verletzungsfolge mit 30 Tagessätzen (mit Todesfolge mit 90 Tagessätzen) Geldstrafe gebüsst. In Schindellegi frass ein Golden Retriever damals fünf Rasierklingen und Rattengift. Er überlebte nur knapp. Kurz danach wurde der Hund des Wildhüters durch Schneckenkörner und Hackfleisch vergiftet.

Dass Hunde Köder verschlucken, etwa Cervelat-Stückchen, die mit Rattengift präpariert wurden oder in denen eben Rasierklingen stecken – mit solchen Notfällen ist auch die Ennetseeklinik für Kleintiere in Hünenberg jährlich mehrmals konfrontiert. Dort steht ein 24-StundenNotfalldienst zur Verfügung, um Tierhaltern in solchen Fällen zu helfen. Und nicht alle überleben wie Mischlingshündin Megan. «Die Überlebenschancen stehen 50 zu 50 – je nachdem, um was für ein Gift es sich handelt. Und je nachdem, wann das Tier in die Klinik gebracht wird», erklärt eine Mitarbeiterin. Die meisten solcher Fälle – rund zehn pro Jahr – ereigneten sich zumeist im Frühjahr oder Sommer.

«Solche Fälle sind nicht meldepflichtig»

Gleichwohl bleibt es ungewiss, ob es sich überhaupt in jedem Fall um präparierte Giftköder handelt. Die Luzerner Polizei hat auch schon die Erfahrung gemacht, dass Internet-Aufrufe Hundebesitzer vor Giftködern warnten, obwohl die Polizei gar keine Kenntnis von vergifteten Hunden hatte. «Wir bedauern, dass im Internet solche Panik gemacht wird», betonte Mediensprecher Simon Kopp letztes Jahr.

Die Frage bleibt, warum Menschen Hunde derart quälen? «Zur Motivation der Leute, die so etwas Tieren antun, kann ich nur Vermutungen anstellen», sagt Zugs Kantonstierarzt Rainer Nussbaumer. «Ich kann mir vorstellen, dass eine generelle Abneigung gegen Hunde oder persönliche Differenzen mit einem Hundehalter eine Rolle spielen.» Da Hunde mit Vergiftungserscheinungen sofort zu einem praktizierenden Tierarzt gebracht werden und diese Vorfälle nicht meldepflichtig seien, erfahre die Behörde meistens nichts davon.

Und was können Hunde- halter tun, damit ihre Lieblinge keine Giftköder fressen? Gregor Stieger, kantonaler Wildhüter in Zug, rät: «Am besten man nimmt die Hunde immer an die Leine, ist vorsichtig, hat seinen Hund im Auge und macht gegebenenfalls Meldung bei der Polizei.»

Wolfgang Holz

wolfgang.holz@zugerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.