«Zugerdütsch» geht online

Judith Stadlin eröffnete mit einer Lesung aus ihrem Buch «Häschtääg zunderobsi» in der Bibliothek Steinhausen eine Reihe von Leseabenden an verschiedenen Orten in der Deutschschweiz.

Hansruedi Hürlimann
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Judith Stadlin während ihrer Action-Lesung in der Bibliothek Steinhausen.

Judith Stadlin während ihrer Action-Lesung in der Bibliothek Steinhausen.

Matthias Jurt (27. August 2020)

Ihr Buch passe gut in eine Zeit, in der vieles «zunderobsi» sei, sagte die Autorin zu Beginn der Lesung in der Bibliothek Steinhausen am Donnerstagabend. So fiel die Vernissage, die ursprünglich auf den 19. März angesetzt war, dem Lockdown zum Opfer. Umso beschwingter nahm sie stehend ihre erste Action-Lesung als Live-Literatin in Angriff, unterstützt von kurzen Filmsequenzen, die auf einem grossen Bildschirm als Einstieg eingespielt wurden. Mit Hilfe eines QR-Codes kann man als Leser 21 Filmclips auf Youtube anschauen.

Im ersten Kapitel «Was? Zugerdütsch?» stellte sie unseren Dialekt den viel bekannteren Lokalsprachen wie dem «Bärndütsch» oder «Baaslerditsch» gegenüber. Nach mehreren gekonnt imitierten Kostproben aus diesen markanten Dialekten kam sie zum Schluss «Nä-nei, ich rede nume Zugerdütsch».

Frischzellenkur für den Zuger Dialekt

Mit insgesamt 20 unterschiedlichen Geschichten zeigt Judith Stadlin auf, dass sich unser Zuger Dialekt mit seiner ausgeprägten Eigenständigkeit nicht verstecken muss. Sie bezeichnet ihr Werk denn auch als «eine Frischzellenkur – leichtfüssig und frisch, dass es nur so gypschet, boosget und fäderläcklet». Dabei kam man selbst als einheimischer Zuhörer an seine Grenzen, wenn Wörter wie «Wädelmond» für Vollmond oder «guschtöös» für wohlschmeckend auftauchten. Für solche Fälle gibt es im Buch ein umfassendes Wörterverzeichnis.

Mit der Geschichte «Bi Wädelmond» mit alt-zuger Ausdrücken von Hans Bossard konnte die Autorin beim Jubiläum «50 Jahre Totemügerli» von Franz Hohler einen Erfolg verbuchen. Waren es damals vom Französischen adaptierte Ausdrücke wie «Parapluie», die in der Lokalsprache auftauchten, sind es heute die Anglizismen. Der Text ähnelt der Slam-Poetry und lebt stark vom Klang beziehungsweise der «Klangmassage», wie es Judith Stadlin nennt. Dennoch müsse man die Texte für sich nicht zwingend laut vorlesen, sagte sie auf die entsprechende Rückfrage. Im Übrigen möchte sie die alte Sprache nicht um jeden Preis erhalten, freut sich jedoch, dass «alte Zuger Wörter immer noch verwendet werden».

Ein weiterer Leseabend

Der Eintritt in die Bibliothek war für die Besucher dank des Sponsorings von Einwohner- und Bürgergemeinde gratis, wie Carol Etter, Leiterin der Bibliothek bei der Begrüssung sagte. Coronabedingt war der kleine Saal mit entsprechenden Abständen bestuhlt. Dennoch blieben einige Stühle leer und mit Ausnahme von zwei Männern waren es Frauen, die den Ausführungen folgten. Für den nächsten literarischen Anlass vom 1. Oktober kommt die Schweizer Schriftstellerin Blanca Imboden mit «Kopfkino» nach Steinhausen. Dannzumal mit etwas mehr Zuhörern im Gemeindesaal, so die Hoffnung der Veranstalter.

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