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ZUGERSEE: Risikoreiches Zusammentreffen

Queren sich Kursschiffe und Badende, kann das böse enden. Zu solchen Situationen kommt es immer häufiger – insbesondere in Cham.
Carmen Rogenmoser
Der Kurs der Schiffe kreuzt die Badenden in der Badi Hirsgarten in Cham. Immer wieder kommt es dabei zu gefährlichen Situationen. (Bild Werner Schelbert)

Der Kurs der Schiffe kreuzt die Badenden in der Badi Hirsgarten in Cham. Immer wieder kommt es dabei zu gefährlichen Situationen. (Bild Werner Schelbert)

Carmen Rogenmoser

Kinder rennen fröhlich herum, es ist einiges los in der Badi Hirsgarten in Cham. Das Wetter macht mit, es ist schön warm, die Sonne scheint. Die Glace in der Hand fängt langsam an zu schmelzen, während die Füsse im Seewasser baumeln. Genau in diesem Augenblick taucht ein Kursschiff auf dem Zugersee auf und fährt langsam an der Badi vorbei. Die Passagiere winken fröhlich, man winkt zurück. Nichts könnte diese Idylle trüben – sollte man meinen. Wären da nicht die tollkühnen Schwimmer, die sich sogleich in die Wellen, die das Kursschiff verursacht hat, wagen und dem Schiff dabei gefährlich nahe kommen. «Beim Durchqueren dieser Stelle ist mir jeweils sehr unwohl», bestätigt Benjamin Schacht, Schiffsführer und Leiter Betrieb bei der Zugersee-Schifffahrt (SGZ).

Vorwärts hinein, rückwärts hinaus

Die Situation in Cham sei speziell, erklärt der Fachmann: «Fahren wir mit dem Schiff Richtung Station Cham, liegen rechts die Badi Hirsgarten und links das Badefloss. Dazwischen gibt es natürlich Schwimmverkehr.» Die Badi Hirsgarten liegt eigentlich zu nahe an der Schiffsstation. Deshalb ist der Schwimmbereich klar mit gelben Bojen gekennzeichnet und abgegrenzt. «Das ist die gesperrte Fläche für Schiffe, was aber nicht bedeutet, dass die Schwimmer nicht auch ausserhalb dieser unterwegs sind», so der Schiffsführer. Die Fahrrinne der Schiffe ist so knapp, dass die Schiffe den Steg vorwärts anfahren, aber rückwärts wieder hinaus müssen. «Da den Überblick zu behalten, ist schwierig.» Ein Matrose überwache zwar jeweils die Rückseite und melde gefährliche Situationen per Funk. «Reagieren kann man aber praktisch nicht. Das braucht auf dem Wasser viel Zeit.»

Risikobereitschaft nimmt zu

Diese Problematik ist nichts Neues. Auch auf dem Vierwaldstättersee ist sie bekannt, gerade im Luzerner Seebecken (siehe Kasten rechts).

Neu ist hingegen, dass die Risikobereitschaft der Badenden immer mehr zunimmt, das weiss Schacht aus eigener Beobachtung, und das zeigen auch die beunruhigenden Meldungen, die ihm andere Schiffsführer zutragen. «Manchmal hat man das Gefühl, dass es sich sogar um eine Art Mutproben handelt.»

Die Zuger Seepolizei ist ebenfalls in Alarmbereitschaft. Wird erwartet, dass viele Zuger die Seen nutzen, seien sowieso Seepatrouillen unterwegs, erklärt Sandra Peier, Mediensprecherin der Zuger Polizei. So war es auch vor rund zwei Wochen. Aufgrund der kritischen Situation bei der Badi Hirsgarten sei die Seepolizei in der Nähe geblieben und habe die Badenden auf die Bedrohung aufmerksam gemacht. «In unseren Seen ist es noch nicht zu Unfällen zwischen Schwimmenden und Kursschiffen gekommen, zum Glück», meint Benjamin Schacht. Das Risiko steige aber, insbesondere durch die Unbefangenheit der Badenden. Deshalb sei die SGZ auch aktiv auf die Polizei zugegangen.

100 Meter Abstand

Die rechtliche Lage ist aber eindeutig: 100 Meter um jede Schiffsstation gilt ein Schwimmverbot. Nur daran halten sich viele nicht. «Mir ist auch klar, dass die Seepolizei nicht jeden, der dagegen verstösst, aufgreifen kann», so Schacht. Klar aber ist: Während eines Schiffsmanövers müssen die Schwimmer, Stand-up-Paddler und andere Seebenützer den Bereich des Schiffs grossräumig umgehen und warten, bis das Schiff den Ort verlassen hat. «Im See sollte man als Schwimmer immer mindestens 50 Meter Abstand zu den Kursschiffen halten und auf die Schallsignale achten», rät Schacht.

Kursschiffe auf den Zuger Seen

Drei Kursschiffe gehören zur Flotte der Schifffahrtsgesellschaft für den Zugersee (SGZ). Das sind das MS «Zug», das MS «Rigi» und das MS «Schwyz». Das MS «Ägerisee» verkehrt selbstredend auf dem Ägerisee. Hinzu gesellt sich das MS «Ägeri». Mit einem Fassungsvermögen von 50 Passagieren ist es aber um ein Vielfaches kleiner als die restlichen Schiffe der Flotte.

Auf dem MS «Zug» und dem MS «Rigi» können je 450 Passagiere transportiert werden. Auf dem MS «Ägerisee» und dem MS «Schwyz» sind es zwischen 100 und 150 Passagiere. Die beiden grösseren Schiffe sind rund 300 Tonnen schwer. Sie können eine Geschwindigkeit von 27 beziehungsweise 28 Stundenkilometern erreichen. Die grossen Schiffe sind mit rund 700 PS unterwegs.

cro

Wie gefährlich die Situation im Hirsgarten ist, verdeutlichen konkrete Fakten zu den Schiffen. Die Antriebspropeller sind rund 1,2 Meter unter der Wasseroberfläche. «Das ist nicht viel», so der Experte. Hinzu komme, dass die Schiffe mit rund 700 PS unterwegs sind. «Es entsteht eine Strömung, ein Sog, dem man sich als Schwimmer nicht entziehen kann. Schrammt man an der Schiffsschale entlang, gelangen die Beine mit Sicherheit in den Propeller», sagt der Schiffsführer. Was dabei passieren kann, mag man sich gar nicht erst vorstellen.

Mehr Vorsicht geboten

«Wir möchten präventiv aufmerksam machen, dass es tatsächlich zu sehr gefährlichen Situationen kommen kann», sagt Schacht. Doch was kann die SGZ konkret unternehmen? Man sei in Kontakt mit Gemeinden und der Polizei, um eine verbesserte Signalisation zu erreichen. Beispielsweise könnte so die bestehende Hinweistafel beim Kiosk Hirsgarten mit einem Plan, der den 100-Meter-Kreis zeigt, ergänzt werden. Ebenfalls Platz darauf hätten Verhaltensregeln, wie man sich als Badender bei ein- und ausfahrenden Kursschiffen zu verhalten hat. «Was auch helfen könnte, sind Hinweistafeln auf der Linie der gelben Bojen oder auf der Badeplattform», ergänzt Schacht und meint: «Wir wünschen uns, dass wir auch auf die Unterstützung der Gemeinden zählen können und dass die Badeanstalten ebenfalls mitmachen und die Badegäste aktiv auf die Gefahren hinweisen.»

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