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ZUG/LAUSANNE: Sprachvermittlerin Eliane Röösli: «Sprachen fördern den Austausch»

Eliane Röösli, im Kanton Zug geboren, studiert an der ETH Lausanne Lebenswissenschaften und Technologie. Dort engagiert sie sich auch als Sprachvermittlerin.
Karl Wüst, Sfd
Die Chamerin Eliane Röösli im Gebäude der ETH Lausanne. (Bild: Anthony Anex/Keystone (3. Juli 2017))

Die Chamerin Eliane Röösli im Gebäude der ETH Lausanne. (Bild: Anthony Anex/Keystone (3. Juli 2017))

Karl Wüst, SFD

redaktion@zugerzeitung.ch

Auf dem Weg zur Esplanade grüsst Eliane Röösli links und rechts. «Salut, ça va?» Der sonnige Platz ist einer ihrer Lieblingsorte auf dem Campus der ETH Lausanne, der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL). Hier treffen sich die Studierenden. «L’Esplanade ist ein Ort der Kommunikation, hier laufen die Fäden zusammen,» sagt die 20-Jährige. Multikulturell sei die EPFL. Niemand schaue auf die Herkunft der anderen, das gefalle ihr.

Aufgewachsen ist Eliane Röös­li in Cham. An der Kantonsschule Zug hat sie die Matura gemacht und sich entschieden, an der EPFL zu studieren. Das sprachliche Rüstzeug holte sie sich während der Zeit am Gymnasium. Bei der zweisprachigen Matura in Deutsch und Englisch kamen die Landessprachen zu kurz. Also wechselte die Schülerin zwei Jahre vor dem Abschluss für ein Austauschsemester nach Genf. Dieser Aufenthalt sei zwar nicht immer einfach gewesen, er habe ihr aber viele nützliche Lebenserfahrungen beschert, betont sie.

Überhaupt: Neue Herausforderungen reizen Röösli ganz besonders. Das unterstreicht sie – und ihre Augen blitzen. Sie hat nicht nur die Sprachgrenze überschritten, sie ist auch sonst eine Grenzgängerin, die den Wechsel sucht und sich für den Austausch engagiert. Während der Kanti gab sie fremdsprachigen Schülern Nachhilfeunterricht in Deutsch, spielte Klarinette, nahm Gesangsunterricht und war Fussballtrainerin. Fussball habe sie auch selber jahrelang gespielt, «leidenschaftlich», erzählt sie lachend.

Für die Maturarbeit beteiligte sich Eliane Röösli an einem Pilotprojekt von Caritas Schweiz zum Thema Pendelmigration. Dabei untersuchte sie die Gesprächskultur zwischen rumänischen Pflegerinnen und den betreuten Menschen in der Schweiz. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Kommunikation funktionierte und allenfalls zu verbessern wäre.

Botschafterin für die Kohäsion

Eliane Röösli machte im Kanton Zug die beste Matura ihres Jahrgangs. Damit öffnete sich eine Tür: Sie gehörte zu den «begabten jungen Menschen», die sich bei der Schweizerischen Studienstiftung bewerben können. Davon machte sie Gebrauch und wurde aufgenommen, weil sie neben dem exzellenten Notendurchschnitt auch die anderen Kriterien erfüllte. «Wir unterstützen Führungspersonen von morgen, die breit interessiert und zudem bereit sind, sich in der und für die Gesellschaft zu enga­gieren», sagt Emmanuel Baierlé, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Studienstiftung, auf der Geschäftsstelle in Zürich. Die Institution mit einem Jahresbudget von 3 Millionen Franken fördert zurzeit 700 «Studienstiftler» aus der ganzen Schweiz. Das Geld bekommt sie von anderen Stiftungen, der öffentlichen Hand und von privaten Firmen.

«Gereizt hat mich das breite Bildungsangebot der Studienstiftung», sagt Eliane Röösli. Es umfasst jährlich 60 bis 70 Veranstaltungen, darunter fünf bis sieben Sommerakademien. Daran kann sie kostenlos teilnehmen. Die Mitgliedschaft bringt ihr einen weiteren Nutzen: das von Emmanuel Baierlé geleitete Programm «Univers Suisse», das die Studienstiftung vor zehn Jahren mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Sophie und Karl Binding in Basel lanciert hat.

Mit jährlich 300 000 Franken fördert das Programm den Zusammenhalt zwischen den Sprachregionen der Schweiz. Mit dabei ist seit Herbst 2016 auch Eliane Röösli. Als «Botschafterin für die Kohäsion» erhält sie ein jährliches Stipendium von 12 000 Franken. Bis zu neun solcher Stipendien vergibt «Univers Suisse» jedes Jahr. Gewählt werden kann, wer bereit ist, in einer anderen Sprachregion der Schweiz zu studieren und sich dort als sprachliche Brückenbauerin einzusetzen.

Diese Aufgabe kam Eliane Röösli entgegen, suchte sie doch nach dem ersten Jahr an der EPFL eine ergänzende Herausforderung. Aus eigener Erfahrung wusste sie, dass es hier für fremdsprachige Studierende schwierig sein kann, den Anschluss nicht zu verpassen. Auch sie sei am Anfang zuweilen froh gewesen um sprachliche Unterstützung, sagt sie.

Diese Hilfe, von der sie profitierte, gibt sie seit Herbst 2016 als Botschafterin weiter. «Je besser die gegenseitigen Sprachkenntnisse, desto leichter sind Umgang und Austausch», sagt sie. Aber es geht ihr nicht nur um die Überwindung von Sprachbarrieren. Im Auftrag der EPFL ist Eliane Röösli ganz allgemein Ansprechperson für Leute aus der Deutschschweiz und vermittelt Orientierungshilfe in umfassendem Sinn. «Ich engagiere mich dafür, dass sich die Studierenden wohl fühlen und hier bleiben wollen.»

«Eigentlich ist alles relativ»

Für Röösli war klar, dass sie ein Studium in einer Fremdsprache absolvieren wollte. Nach Lausanne gekommen ist sie aber auch wegen des Studiengangs Sciences et Technologies du Vivant (Lebenswissenschaften und Technologie). «Die Wissenschaft versucht, den menschlichen Körper zu verstehen, um Krankheiten besser zu behandeln, neue Methoden zu entwickeln», erklärt Röösli. Der Körper habe sie schon immer fasziniert. Gerne hätte sie Medizin studiert, könne aber kein Blut sehen. «Nun kann ich im Hintergrund dazu beitragen, dass es der Gesellschaft, der Menschheit besser geht.» Sciences et Technologies du Vivant verbinde Medizin, Naturwissenschaft und Technik. Dieser Studiengang sei, schwärmt sie, mit seinem ganzheitlichen Ansatz der kompletteste überhaupt.

Die Esplanade liegt mittlerweile im Schatten. Zeit, zur Station EPFL der Metro M1 zu gehen. An der Unterführung prangt ein Zitat von Georges Braque: «L’art est fait pour troubler, la science rassure» (Die Kunst verunsichert, die Wissenschaft sorgt für Sicherheit). Das Zitat drücke das aus, was sie denke, sagt Eliane Röösli. «In der Kunst ist vieles offen, das ist zwar anziehend, aber ich selber bevorzuge die Gewissheit. Das beruhigt.» Dann aber räumt sie ein: «Je tiefer man in die Wissenschaft eintaucht, desto stärker merkt man, dass doch nicht alles so sicher, so handfest ist.» Eigentlich sei alles relativ, kommt sie zum Schluss. «In diesem Sinn stimmt das Zitat doch nicht ganz.»

Sicher und stimmig aber sind ihre Pläne. Ende August fährt Röös­li für ein Jahr nach Vancouver (Kanada), wo sie an der University of British Columbia den Bachelor abschliesst. Nachher kehrt sie zurück nach Lausanne, um hier den Master zu machen. Die Reise über den Atlantik unternimmt sie, obwohl – oder vielleicht gerade weil – sie in Lausanne «wahnsinnig glücklich» ist. Die Zeit sei reif für eine neue Herausforderung, sagt Eliane Röösli. Das brauche sie, um sich weiterzuentwickeln. «Das Glück muss immer wieder neu erkämpft werden.»

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